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Bild: Screenshot ARD

Während Weidel grinst, gibt ihr die ARD-Moderatorin verbal eine mit

Ein großer Wahltag bedeutet für Journalistinnen und Journalisten auch immer eine Ausnahmesituation. Wiebke Binder beispielsweise moderierte am Sonntagabend über Stunden die Sendung der ARD zu den Wahlen in Sachsen und Brandenburg. Für einige Aussagen erntete Binder jedoch in den sozialen Netzwerken heftige Kritik.

Eine von der CDU längst ausgeschlossene, aber theoretisch mögliche Koalition mit der AfD nannte sie "bürgerlich". Was die ARD von dieser Beschreibung hält? Auf eine watson-Anfrage hat die ARD bislang nicht reagiert. Binder wurde in sozialen Netzwerken eine Verharmlosung der AfD vorgeworfen, gar die "Normalisierung von Rechtsextremismus".

Und auch für folgendes Gespräch mit dem AfD-Politiker Jörg Urban wurde die MDR-Moderatorin kritisiert:

ARD-Moderatorin gibt Weidel nach Wahl in Sachsen und Brandenburg verbal eine mit

Binder hatte jedoch auch gegenteilige Momente in dem Interview – in denen sie die Aussagen ihrer AfD-Interviewpartner so nicht stehen lassen wollte

Als Alice Weidel nach der Wahl in der ARD auftrat, wollte Binder etwa von ihr wissen, welche Auswirkungen die Ergebnisse auf das Machtgefüge innerhalb der AfD haben. Binder fragte Weidel: "Lassen Sie uns mal auf die Bundesebene gucken. Wie verschieben sich denn jetzt die Machtverhältnisse jetzt? Ist das jetzt ein Gewinn für den Flügel um Björn Höcke, diese Zuwächse hier in den zwei ostdeutschen Bundesländern?"

Weidel, die an dem Abend ihr breitestes Gewinner-Grinsen mitgebracht hatte, wich der Frage aus: "Die AfD ist insgesamt stark. Wir sind eine Partei. Die gesamte Vorberichterstattung ist eigentlich sehr fern von unserer Parteirealität", sagte sie. Die AfD mache Politik für die Bürger, nicht für irgendwelche Flügel.

Und während Weidel breit grinste, gab Binder der AfD-Chefin verbal eine mit:

"Ich respektiere Ihre Meinung. Ich sehe das leicht anders."

Rumms. Weidel konnte nur noch ein "Das können Sie gerne tun" vor sich hin murmeln, da hatte Binder schon Linken-Chefin Katja Kipping die nächste Frage gestellt.

Stärken die Wahlen den "Flügel" um Björn Höcke innerhalb der AfD?

Die Frage, auf die Weidel offensichtlich nicht inhaltlich reagieren wollte, beantwortete übrigens der Politologe Matthias Quent auf Twitter. Die Wahlerfolge stärkten den "Flügel" innerhalb der AfD demnach bundesweit massiv, so seine Analyse.

Björn Höcke, aber auch die AfD-Landeschefs von Brandenburg und Sachsen, Andreas Kalbitz und Jörg Urban, sind zentrale Figuren des "Flügels". Dieser dürfte mit den Landtagswahlen in den drei Ostländern in der Partei an Einfluss gewinnen. Mit Kalbitz, Höcke und auch Urban rückt die Partei nach rechts. Die Politiker haben keine Scheu, sich Seite an Seite mit Pegida und Rechtsradikalen zu zeigen.

(hau)

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