Deutschland
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

Ein zu Unrecht inhaftierter Syrer verbrennt in seiner Zelle – was wir wissen

Ein junger Syrer sitzt am Niederrhein monatelang im  Gefängnis. Zu Unrecht, die Behörden haben ihn mit einem anderen verwechselt. Am 17. September bricht in seiner Zelle, Nummer 143, ein Feuer aus. Der Mann erleidet lebensgefährliche Verletzungen und stirbt am 29. September schließlich in einer Bochumer Klinik.  Von Suizid ist die Rede, er soll sich selbst angezündet haben. In seiner Zelle sei ein verkohltes Feuerzeug gefunden worden, heißt es später. Doch nun berichten Medien von Dokumenten, die an diesem Motiv zweifel aufkommen lassen.

Image

Die JVA in Kleve Bild: dpa

Das sind die Fakten:

Image

Die Tür zur Zelle 143 in der Klever Justizvollzugsanstalt Bild: dpa

Das steht in den Medienberichten:

Protokolle aus dem Gefängnis in Kleve sollen darauf hindeuten, dass am Abend des Brandes die Gegensprechanlage im Haftraum betätigt worden sei. Der WDR, die "Bild" und der "Kölner Stadt-Anzeiger" schreiben dies und beziehen sich auf einen geleakten Bericht des Justizministers an die Landtagsfraktionen.

In einem Bericht an den Rechtsausschuss des Landtags hatte Biesenbach in der vergangenen Woche erklärt: "Der Gefangene hatte die Rufanlage jedenfalls nicht betätigt." Auch Grünen-Fraktionschefin Monika Düker forderte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) in einer Mitteilung auf, den Minister zu entlassen.

Nach Informationen der "Bild" bestehe zudem der Verdacht, dass in der Gesundheitsakte Dinge standen, die pflichtwidrig nicht zur Kenntnis gebracht worden seien. Erst dadurch wäre der Gefangene von der JVA eben nicht als suizidgefährdet eingeordnet worden. Gegen einen Arzt der JVA werde nun wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen ermittelt.

Image

Spuren des Brandes in der Zelle 143 Bild: dpa

Diese Fragen sind offen:

So geht es weiter:

Diese Frage seien nun Teil der Ermittlungen, sagte der Oberstaatsanwalt Günter Neifer in Kleve bereits Anfang Oktober der Deutschen Presseagentur. In "dieser Dramatik" sei ihm bisher kein anderer Fall bekannt.

Auf watson-Anfrage teilte die Staatsanwaltschaft Kleve mit, dass nun ermittelt werde, ob, wann und durch wen, das Lichtsignal der Sprechanlage in der Zelle deaktiviert worden sei.

Nach Medienberichten widersprechen die neuen Informationen der bisherigen Annahme eines Suizids. Doch es nicht geklärt, ob ein Suizid ausgeschlossen werden kann. Dazu sind weitere Informationen über die mögliche Selbstmordgefährdung des Mannes notwendig. Auch die Brandursache muss noch ermittelt werden.

Image

Die JVA in Kleve Bild: dpa

Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen mehrere Polizisten wegen des Verdachts der Freiheitsberaubung im Amt eingeleitet. "Es spricht einiges für individuelle Versäumnisse von Polizeibeamten bei der Festnahme", sagte ein Sprecher des NRW-Innenministeriums. Gegen die Beamten seien neben den Ermittlungs- auch Disziplinarverfahren eingeleitet worden. "Wir nehmen das sehr ernst und überprüfen auch die Abläufe bei der Polizei in Kleve", hieß es in Düsseldorf.

Das sagen die Skeptiker:

Die SPD-Opposition in NRW hat großen Klärungsbedarf. Nach den bisherigen Auskünften der Landesregierung gebe es zahlreiche Widersprüche und unbeantwortete Fragen, erklärte SPD-Fraktionsvize Sven Wolf.

Image

Diese Zelle ist baugleich mit der Zelle, in der es am 17. September gebrannt hat. Bild: dpa

In einem Schreiben an die Minister für Inneres und Justiz, Herbert Reul und Peter Biesenbach (beide CDU), forderte er einen umfassenden und chronologischen Bericht über "das tragische Geschehen". Von diesem Bericht mache die Oppositionsfraktion ihre Entscheidung über mögliche weitere Schritte in dem Fall – etwa einen Antrag für einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss – abhängig, hieß es.

Gefängnisleiter Udo Gansweidt hatte einen Suizid unmittelbar nach dem Feuer als unwahrscheinlich eingestuft, weil der 26-Jährige nur noch bis Mitte Oktober hätte einsitzen sollen: "Für so ein paar Tage bringt sich kein Mensch um." Möglicherweise sei er mit einer Zigarette eingeschlafen, hatte es damals geheißen.

(sg/dpa/AFP)

Augenblicke – Bilder aus aller Welt:

Das könnte dich auch interessieren:

Theresa May und ihr Brexit-Deal: Wer ist die Frau, auf die ganz Europa schaut?

Link to Article

Der neueste Social-Media-Hype heißt #10YearChallenge – und alle sind dabei 

Link to Article

Neue Welle der Homosexuellen-Verfolgung in Tschetschenien: "Sie wurden zu Tode gefoltert"

Link to Article

Rote Karte, Zeitstrafen und "Schritte": Das sind die 10 wichtigsten Handball-Regeln

Link to Article

Brexit-Showdown – dank diesen Cartoons kannst du mitreden

Link to Article

Mann macht WCs in Nationalpark sauber – und schickt Trump die Rechnung

Link to Article

GZSZ-Star Felix van Deventer plaudert im Dschungel Baby-News aus

Link to Article

Spiderman lebt! Und was der neue Trailer zu "Far From Home" noch verrät

Link to Article

Vor dem Frankreich-Spiel – die 3 Szenarien fürs Weiterkommen

Link to Article

Das sind die besten Drohnenbilder des Jahres 2018

Link to Article

Erst Schnee, jetzt Überschwemmungen –Süddeutschland kämpft mit Hochwasser

Link to Article

Tschüss Windows 7! Microsoft-System nähert sich Support-Ende

Link to Article

Heute fällt die Brexit-Entscheidung – diese 5 Punkte sollte jeder kennen

Link to Article

Über 100.000 Retweets? Kein Wunder. Diese 21-Jährige turnt und tanzt einfach perfekt

Link to Article

7 Gründe, warum ich Andy Murray im Tennissport vermissen werde

Link to Article

"Kein Clan wäre so naiv" – ein Clan-Insider hat für uns "Dogs of Berlin" analysiert

Link to Article

Danzigs Bürgermeister stirbt nach Messerattacke – Angreifer in Haft

Link to Article

Die Schauspielschule des FC Barcelona präsentiert: Die Synchron-Schwalbe

Link to Article

"Wirtschaftliche Zerstörung" – wieso Trump sich jetzt mit Erdogan anlegt

Link to Article

Die Playlist des WM-Eröffnungsspiels ist so kacke, dass sie wieder gut ist

Link to Article

Bastian Yotta im Dschungelcamp: Woher sein Vermögen stammt

Link to Article

Tony Soprano kommt zurück! Doch er bleibt geheimnisvoll...

Link to Article

So viele Alben wie Eminem verkaufte im Jahr 2018 in den USA niemand 

Link to Article

Entführungen fürs Kartell – Mexikos Ex-Nationalkeeper muss 75 Jahre ins Gefängnis

Link to Article

Trumps Krieg um die Mauer – 6 Fragen und Antworten im Überblick

Link to Article

Hingerichtet, eingesperrt, gefoltert: Was mit Saudi-Frauen nach ihrer Flucht geschieht

Link to Article

Warum es bei Domenico und Evelyn im Dschungel kein Liebes-Comeback geben wird

Link to Article

"Schrecklich" und "unverzeihlich" – Lady Gaga entschuldigt sich wegen R. Kelly

Link to Article

Bei diesen Fußball-Fouls mit Wrestling-Kommentaren gehst du k.o. (vor Lachen)

Link to Article
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Sie stoppten einen Vergewaltiger – und müssen sich jetzt gegen die AfD wehren

Da beweist man Zivilcourage und schon landet man als Postermädchen der AfD auf Facebook. So ist es Linda Cariglia und Karolina Smaga passiert.

Die zwei Frauen aus NRW stoppten einen Vergewaltiger in Bielefeld, den sie auf frischer Tat ertappten, zogen ihn vom Opfer runter und rannten sogar hinter ihm her, als er flüchtete – während eine Gruppe männlicher Augenzeugen keinen Finger rührte. Auch watson.de berichtete am Wochenende über das Engagement der Frauen.

Was zwar für den Tathergang …

Artikel lesen
Link to Article