Deutschland
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.
Bild

CDU-Mann Jens Spahn ist Verfechter des Paragrafen 219a zum "Werbeverbot für Schwangerschaftsabbrüche". Jetzt will er "seelischen Folgen" von Abtreibungen erforschen lassen. Bild: imago/watson-montage

"Hilfe statt Hass" - Bloggerin startet Petition gegen Spahns Abtreibungs-Studie

Die umstrittenen Pläne von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) für eine Studie zu den seelischen Folgen von Schwangerschaftsabbrüchen stoßen auf immer schärfere Kritik.

Jetzt regt sich aktiver Widerstand. Die feministische Bloggerin Nike van Dinther startete eine Petition auf der Aktivistenplattform change.org. Schon der Titel spricht eine eindeutige Sprache:

#WasFürnSpahn: Herr Spahn, 5 Millionen Euro für Hilfe statt Hass

Darin heißt es u.a.: "Die geplante Studie ist ... nichts anderes als ein schamloser Versuch, zutiefst frauenverachtende Gesetze und Geisteshaltungen zu zementieren."

Die Forderungen der Petition:

Spahn wird aufgefordert, die fünf Millionen Euro "tatsächlich für Sinnvolles" bereit zu stellen.

Nike van Dinther schließt ihre Petition mit den Worten:

"Seien Sie kein Verschwender. Kein misogyner Politiker, der seine Macht missbraucht. Seien sie doch einfach ein Helfer und investieren sie das Geld dort, wo es wirklich gebraucht wird. Ist nämlich gar nicht so schwer."

Nike van Dinther

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

PETITION - LINK IN BIO 🔥 2019? Stimmt gar nicht. Eher 1924. Jetzt erlaubt das Bundeskabinett diesem misogynen Vogel @jensspahn also tatsächlich, stolze 5 Millionen für eine hanebüchene Studie über die seelischen Folgen von Schwangerschaftsabbrüchen auszugeben, die erstens psychische Verletzungen aufgrund von gängigen Stigmata auslassen wird und zweitens ganz offensichtlich nichts anderes ist, als ein schamloser Versuch, zutiefst frauenverachtende Gesetze und Geisteshaltungen zu verbrämen. Natürlich sitzt da wieder ein (konservativer) Mann ganz oben, um über Frauengesundheit zu entscheiden; ein Witz ist das. Oder besser: Der! Einer, der meint, wir würden die 'Pille danach' wie Smarties fressen, so ganz ohne Rezept-Pflicht. Einer, der uns offenbar keineswegs als mündige Menschen respektiert und uns rein gar nichts zutraut - Selbstbestimmung und Entscheidungsfähigkeit aka bewusstes Handeln zum Beispiel. Weitere 5.000.000 in den Kampf gegen Kinderarmut zu stecken oder in die Ausbildung von FrauenärztInnen, wo kämen wir denn da hin. Und was wäre das für eine Welt, in der nur Kinder geboren würden, die gewollt sind? Die reinste Dystopie für eine Regierung, die mehr damit beschäftigt ist, ihre eigene Unverantwortlichkeit WählerInnen-freundlich zu verpacken, als endlich Politik für die zu machen, die aus überaus mannigfaltigen persönlichen, gesundheitlichen oder sozialen Gründen ganz sicher viel lieber bunte Schokolinsen fressen würden, als ungewollt schwanger zu sein und eine Entscheidung treffen zu müssen/können/dürfen, die größer ist als jeder Penis der Welt. Und als nächstes dann nochmal extra Cash für eine spahn'sche Studie über die Auswirkungen von #regrettingmotherhood, bitte. Ach. Immer wieder schön, diese Christdemokraten mit ihrer vorbildlich gelebten Nächstenliebe. Bisschen wie mit der Homo-Ehe, gell? Oder diesen psychisch Kranken. Aber schlagt ruhig weiter Kreuze an die Wände öffentlicher Einrichtungen - zwei Balken im Namen der Beschränktheit. #wasfürnspahn #prochoice #keinescheidekeineahnung (von gewissen Dingen)

Ein Beitrag geteilt von NIKE VAN DINTHER | JANE WAYNE (@nikejane) am

Darum ist die Studie so umstritten:

Die frauenpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Nicole Bauer, bezeichnete das Forschungsvorhaben als "Zugeständnis an radikale Lebensschützer".

Ein Erkenntnisgewinn sei nicht zu erwarten, denn die psychischen Auswirkungen von Abtreibungen seien seit Jahren ausführlich und umfassend untersucht.

"Dass der Steuerzahler für diesen Unsinn auch noch fünf Millionen Euro bezahlen darf, setzt dem Ganzen die Krone auf", urteilte Bauer. Angebracht sei stattdessen ein "enttabuisierter und aufgeklärter Umgang mit dem sensiblen Thema" Abtreibungen.

Studien legten nahe, dass "mitunter die Stigmatisierung zu psychischen Problemen" bei den Betroffenen führen könne, erklärte Bauer.

Hilde Mattheis (SPD-Bundestagsfraktion für Frauengesundheit) erklärt dazu: "Hier sollen für fünf Millionen Euro für eine wissenschaftlich unsinnige und ideologisch motivierte Studie vergeudet werden". Der Bundestag dürfe das Geld dafür nicht zur Verfügung stellen. Die Situation von Frauen bei Schwangerschaftsabbrüchen sei durch eine sehr umfangreiche Studienlage untersucht, argumentierte Mattheis.

Alle seriösen Arbeiten dazu hätten belegt, dass ein sogenanntes Post-Abortion-Syndrom, also eine schwere Belastungsstörung bei Frauen, die abgetrieben haben, nicht existiere.

"Richtig ist, dass Frauengesundheit in der Gesundheitsforschung systematisch vernachlässigt ist", erklärte Mattheis weiter. "Wenn das Gesundheitsministerium etwas für Frauen tun will, wären zusätzliche Gelder für Forschung in diesem Bereich richtig angelegt."

Beratungsstellen fordern offene Studie:

Die Sprecherin des Berliner Landesverband der Konfliktberatung von Donum Vitae plädiert im "Tagesspiegel" für eine offene Studie, die die "Selbstbestimmung von Frauen" ernst nehme und berücksichtige.

Sie begrüßt daher die geplante Studie, fordert aber: "Wir brauchen eine gut gemachte Studie zu den möglichen Folgen von Schwangerschaftsabbrüchen, denn Fakten und Daten sind kaum vorhanden."

Vor dem Hintergrund der einzigartigen deutschen Beratungslösung seien internationale Studien nicht wirklich auf Deutschland übertragbar.

"Wenn wir die Selbstbestimmung von Frauen ernst nehmen, müssen Frauen alle Informationen bekommen, die zur Verfügung stehen." Dazu gehöre eben auch, welche möglichen psychischen Folgen ein Abbruch haben könne.

(lj mit afp)

Das könnte dich auch interessieren:

Vermisst und wieder aufgetaucht – 7 Fälle von Kindern, die verschwunden waren

Link zum Artikel

Hartz-IV-Sanktionen in der Schulzeit: "Ich lebte von 30 Euro im Monat"

Link zum Artikel

Nach dem sinnlosen Tod von Hund Sam warnt sie vor diesem Spielzeug

Link zum Artikel

Vorhaut-Cremes und Unten-ohne-Sonnenbäder: Die absurdesten Promi-Beauty-Tipps

Link zum Artikel

Bei der Hillsborough-Tragödie sterben 96 Fans – und werden dafür beschuldigt

Link zum Artikel

Findest du heraus, welche dieser traurigen Tier-Fakten stimmen?

Link zum Artikel

19 Bilder, die dir zeigen: Es ist nicht alles, wie es scheint

Link zum Artikel

Die coolste Socke gehört auf den "GoT"-Thron! #TeamTyrion

Link zum Artikel

"Wir sind nicht bei der WM!" Club aus Brandenburg hat 5 Regeln für Helikopter-Eltern

Link zum Artikel

Weil Erdogan kam, drang die Polizei in das Büro dieses Abgeordneten ein – jetzt klagt er

Link zum Artikel

Frauenarzt?! Was im Rammstein-Video zu "Deutschland" keinem auffiel

Link zum Artikel

Diese Russin ist ein Insta-Star – weil sie ihr Wald-Leben inszeniert wie eine Stadt-Ikone

Link zum Artikel

"Finde das furchtbar!" Hamburg kämpft gegen Helikoptereltern – diese 3 Mütter machen mit

Link zum Artikel

Der Tod des Patriarchats! Daenerys auf den Thron #TeamDaenerys

Link zum Artikel

9 Eltern, die ihren Sinn für Humor hoffentlich weitervererben

Link zum Artikel

Erstes Foto von einem Schwarzen Loch – und das Internet so 🤷‍♀️

Link zum Artikel

Diese Iranerin zog ihr Kopftuch aus und muss jetzt ein Jahr ins Gefängnis

Link zum Artikel

So instrumentalisieren rechte Ideologen den Brand von Notre-Dame für ihre Zwecke

Link zum Artikel

Der HSV wirbt mit seinen Fans – nur sind's keine Hamburger. Sondern Magdeburger!

Link zum Artikel

Wenn die Sonne stirbt, ist das wie ein leiser Pups

Link zum Artikel

Pete wer??? Die neue Demokraten-Hoffnung ist jung, schwul und will Donald Trump besiegen

Link zum Artikel

Ich habe mich mit Mama & Oma über Emanzipation unterhalten – es lief anders, als erwartet

Link zum Artikel

Wurden sie über Bord geworfen? Tote Kühe am Strand von Teneriffa angespült

Link zum Artikel

"Junge Mädchen werden hier kaputtgefickt" – Ex-Prostituierte will Sexkaufverbot erreichen

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Darf man diese AfD-Politiker Neonazis nennen? Zwei Dresdner Gerichte sagen Ja

Seit ihrer Gründung vor sechs Jahren ist die AfD immer weiter nach rechts gerückt. Von Lucke zu Petry zu Gauland. Von der Anti-Euro-Partei zur Anti-Flüchtlingspartei. Antisemitismus-Skandale folgten auf Reden im Nazi-Duktus. Rassistische Ausfälle von Politikern der Partei sind mittlerweile mehr die Regel als die Ausnahme. Als Rechtsextremisten oder gar Neonazis wollen sich AfD-Politiker allerdings nicht bezeichnen lassen.

Zwei sächsische AfD-Politiker wehrten sich nun sogar juristisch dagegen. …

Artikel lesen
Link zum Artikel