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"Mama ist kaputt" – Doku zeigt den erschreckenden Alltag von Wohnungslosen in Deutschland

1,2 Millionen Menschen in Deutschland sind wohnungslos, schätzen Experten. Sechs Mal so viele wie noch vor knapp zehn Jahren. Die Dunkelziffer soll noch höher liegen. Immer mehr Familien und Normalverdiener sind von Wohnungslosigkeit betroffen.

Es ist ein erschreckendes Bild, das am Montagabend von der ARD in der Dokumenation "Wohnungslos – Wenn Familien kein Zuhause haben" aus deutschen Ballungszentren gezeichnet wird:

Während in manchen Bezirken luxussaniert wird, sind immer mehr Deutsche von Wohnungslosigkeit bedroht. So wie Jana aus Berlin, die mit ihren drei Töchtern bald auf der Straße landen könnte.

Jana und ihren drei Töchtern droht die Obdachlosigkeit

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Jana aus Berlin mit ihrer jüngsten Tochter. Ihnen wurde die Wohnung gekündigt. ARD/screenshot

Vor einem Jahr verlor die Verkäuferin ihren Job, überwies die Miete ein paar Mal zu spät, da das Amt die Sozialleistungen zu spät bezahlte und prompt hatte sie die Kündigung ihres Vermieters im Briefkasten. Nun droht der Alleinerziehenden die Obdachlosigkeit.

Während ihre beiden 16-Jährigen Zwillinge sich nicht vor der Kamera zeigen wollen, kämpft ihre jüngste Tochter mit den Tränen:

"Mama ist kaputt. Mir tut das so leid.“

Der Wohnungsschock geht insbesondere an den Kindern nicht vorbei. Ihnen könnte noch stärker als den Eltern die gesellschaftliche Ausgrenzung drohen, ein Schulwechsel oder auch der Verlust alles Gewohnten. Seit einem Jahr lebt Jana in Angst: "Ich weiß nicht, was passieren wird und wo wir hin sollen. Ich bin schon in psychologischer Behandlung. Und meine Tochter auch."

In Deutschland fehlen fast zwei Millionen bezahlbare Wohnungen

Das, was Jana und ihren Kindern droht, hat Adrian aus München schon hinter sich. Der Elfjährige musste mit seinen Eltern erleben, wie es ist, mehr als ein Jahr in einer Notunterkunft zu leben. Die dreiköpfige Familie hat sich dabei ein Zimmer geteilt – ein Zimmer in dem sie gegessen, geschlafen und gelernt haben. Dreimal mussten sie die Notunterkunft wechseln, genauso wie auch Adrian dreimal binnen eines Jahres die Schule wechseln musste – eine absolute Zumutung für Kinder. Erst nach 1,5 Jahren hat die Familie eine Sozialwohnung zugewiesen bekommen.

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Adrian lebte mit seinen Eltern ein Jahr in einer Notunterkunft in München. ard/screenshot

In Deutschlands Großstädten fehlen 1,9 Millionen bezahlbare Wohnungen, so eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung. Allein 300.000 davon in Berlin. Während es im Jahr 2000 noch 2,5 Millionen Sozialwohnungen gab, sind es heute nur noch knapp die Hälfte. Und die Lage spitzt sich weiter zu.

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Olaf Scholz (l.), Angela Merkel (m.) und Horst Seehofer (r.) stellen zwar Geld für den Bau neuer Wohnungen zur Verfügung, doch könnte die Politik zu spät dran sein, um das Problem zu lösen. ard/screenshot

Weil sich die Bayerische Landesbank in der Finanzkrise so enorm verspekuliert hatte, beschloss der damalige Finanzminister Markus Söder 2013, allein in Bayern 33.000 landeseigene Wohnungen an den Meistbietenden auf dem Markt zu verkaufen. Seitdem fehlen diese Wohnungen im gesamten Bundesland – insbesondere in München, wo die Lage mittlerweile prekär ist. Auf eine Sozialwohnung bewerben sich in der bayerischen Hauptstadt schon mal gut 200 Personen, schildert ein Sachbearbeiter vom Münchener Wohnungsmarkt in der Doku. "Ich habe Familien, die warten seit zehn Jahren auf eine Wohnung", sagt er.

Weitere Zahlen aus der Doku: In ganz Deutschland sind die Mietpreise in den vergangenen Jahren im Schnitt um 30 Prozent gestiegen – in Berlin sogar um rund 70 Prozent. Während beispielsweise in Wien von politischer Seite darauf geachtet wurde, dass mindestens zwei Drittel der Wohnungen sozial verträglich bezahlbar sein müssen, gibt es eine solches Gesetz in Deutschland nicht – es wurde davon ausgegangen, dass der Markt das schon regeln würde.

Eine Staatssekretärin des Innenministeriums, Anne Katrin Bohle, glaubt dabei immer noch an die Kraft des Marktes, der die Schwierigkeiten regulieren solle. Sie sagt in der ARD: "In Deutschland gibt es vielleicht sieben Schwarmstädte mit Problemen und 20 angespannte Wohnungsmärkte, aber das ist nur ein kleiner Ausschnitt eines großen Marktes."

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Die Staatssekretärin des Inneren, Anne Katrin Bohle. ard/screenshot

Keine Wohnung für eine Familie trotz 3000 Euro Netto-Gehalt

Ob Daniela, die hochschwanger mit ihrem Mann und ihrer elfjährigen Tochter seit einem Jahr in einer Familien-Notunterkunft der AWO (ein Zimmer) in München lebt, das genauso sieht, ist fragwürdig. Mit 3000 Euro netto, die der Familie zur Verfügung standen, bekamen sie für ihre bald vierköpfige Familie keine Wohnung in München.

Sie wohnten zunächst bei Danielas Eltern. Doch auch dort schmiss der Vermieter sie wegen Überbewohnung aus dem Haus. Seitdem wohnt die Familie auf 28 Quadratmetern – und das bald zu viert.

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Daniela kann ihre Tränen nicht zurückhalten. ard/screenshot

Die junge Mutter kann nicht glauben, was sie durchmacht, weint viel und macht sich große Sorgen um ihre Tochter, die sich seither sehr zurückgezogen hat. Die Tochter sagt:

"Ich schäme mich. Ich kann keine Freunde einladen. Ich brauche ein Zimmer zum Lernen für die Schule. Warum bekommen andere eine Wohnung und wir nicht?“

Daniela weiß nicht mehr, wie es mit ihrer Familie weitergehen soll. Und muss beobachten, wie es ihrer Tochter zusehends schlechter geht.

Diskriminierung, Scham, Ausgeschlossenheit – die Folgen für Familien und insbesondere Kinder, die mitten in Deutschland plötzlich wohnungslos werden, sind vielfältig. Welche psychischen Schäden diese Tatsachen bei Familien hinterlassen, ist ungeklärt.

Nachdem in den vergangenen Jahren in ganz Deutschland der Wohnungsmarkt privatisiert wurde, versucht die Politik nun eine Kehrtwende. Der Bund hat im vergangenen Jahr mehr als fünf Milliarden Euro Zuschuss für die Länder versprochen, um den sozialen Wohnungsbau anzukurbeln.

Doch kommt der Bau kaum hinterher. In Berlin wurde zwischen 2007 und 2012 keine einzige Sozialwohnung gebaut, heißt es in der Doku. Um die soziale Not zu lindern, müssten nun jährlich 80.000 neue Wohnungen gebaut werden, zitiert die ARD aus einer Studie. Tatsächlich gebaut werde jedoch nur ein Drittel davon.

Und da die Mietpreisbremse bislang wenig Wirkung gezeigt hat, dreht sich das Preiskarussell bislang munter weiter. Dass die Folgen dieser Entwicklung mittlerweile vielen Familien in Deutschland an die Substanz gehen – das hat die Doku auf teils bedrückende Art und Weise vor Augen geführt.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Zweiundvierzig 09.07.2019 16:24
    Highlight Highlight Und schon wieder eine Alleinerziehende.
    Warum immer in Berlin?
    Wo ist der Vater des Kindes?
    Warum kommt er seinen Unterhaltspflichten nicht nach?

    Warum soll ich mit meinen Steuern für die Fehler und Unterlassungen (Unterhalt) anderer mir unbekannter Menschen die nicht in wirklicher Not sind aufkommen.

    Die Frau ist arbeitslos, das Kind geht zur Schule - da kann man auch billig auf dem Land wohnen und nicht in einer teuren Großstadt.

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