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Blick vom Burgfelsen Wallerstein über Benzenzimmern Bild: picture alliance/imageBROKER

Sahin ist Unternehmer, Fußballtrainer und Muslim – mit einem davon hat die CSU Probleme

Christoph Bernet / watson.ch

3327 Einwohner hat die beschauliche Marktgemeinde Wallerstein im Landkreis Donau-Reis im Freistaat Bayern. Am 15. März sind sie zur Kommunalwahl aufgerufen. Unter anderem gilt es, einen Bürgermeister zu wählen.

Zur Wiederwahl tritt der bisherige Amtsinhaber an, Joseph Mayer von der parteifreien Wählergruppe (PWG). Die wählerstärkste Partei in Wallerstein, die Christlich-Soziale Union (CSU), wollte Mayer mit einem eigenen Kandidaten herausfordern. Das ist die Geschichte, weshalb sie das am Ende jetzt doch nicht tut.

Ein Muslim will CSU-Bürgermeister werden

Der Ortsvorstand der CSU machte sich schon im vergangenen Jahr auf die Suche nach einem geeigneten Kandidaten. Das Gremium um den Ortsvorsitzenden Georg Kling war sich rasch einig, dass man auf Sener Sahin zugehen und ihn anfragen sollte, ob er sich eine Kandidatur fürs Bürgermeisteramt vorstellen könnte.

Sahin betreibt im Ort eine Firma für Maschinenhandel und trainiert die erste Mannschaft des im Nachbarort beheimateten Fußballvereins SV Holzkirchen. Geboren worden ist der 44-Jährige im fünf Kilometer entfernten Nördlingen. Man kennt Sahin in Wallerstein und Umgebung.

Er besitzt ausschließlich die deutsche Staatsbürgerschaft. Mit seiner aus einer christlichen Familie stammenden Frau hat er zwei Kinder. An Heiligabend wünschte er seinen Facebook-Freunden schöne Weihnachten und einen guten Start ins neue Jahr.

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Unternehmer und Fußballtrainer Sener Sahin. Bild: facebook

Doch Sener Sahin hat türkische Wurzeln – und ist muslimischen Glaubens.

Letzteres sorgte an der Basis der örtlichen CSU für Unmut. Wie der Ortsvorsitzende Georg Kling gegenüber "Spiegel Online" sagte, habe es in Teilen des Ortsverbandes seit der Bekanntgabe des Vorschlags im Dezember "scharfen Widerstand" gegeben.

Sahin zufolge haben von den 15 Kommunalwahl-Kandidaten der Wallersteiner CSU mindestens drei mit einem Rückzug gedroht, falls er auf der Ortsverbands-Versammlung am kommenden Donnerstag zum Bürgermeister-Kandidaten gekürt werde, berichtet der Bayrische Rundfunk (BR).

Anrufe aus ganz Deutschland

Nicht nur aus Wallerstein selber, sondern aus ganz Deutschland habe es zahlreiche Anrufe beim Ortsverband wie auch beim nordschwäbischen CSU-Bundestagsabgeordneten Ulrich Lange gegeben, der Sahins Kandidatur ebenfalls unterstützt hatte.

Keiner seiner Kritiker habe seine Eignung oder Qualifikation angezweifelt, sagte Sahin dem BR. Es sei allein um den Einwand gegangen, "ein Moslem als Vertreter der Christlich Sozialen Union, das geht doch gar nicht".

Sahin, der bisher nicht Mitglied der CSU war, aber für die Kandidatur in die Partei eintreten wollte, hat seine Kandidatur nun zurückgezogen, damit es bei der Mitgliederversammlung keinen Streit gebe.

Ablehnung kam von älteren CSUlern

Im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" ("SZ") sagt Sahin, er sei sicher, dass "das hier auf dem Land noch 30 Jahre dauern wird, bis die Leute bereit sind, einen wie mich als Bürgermeister zu wählen". Die jüngere Generation denke anders. Die Ablehnung sei vor allem von Parteimitgliedern über 60 gekommen, erklärte er dem BR: "Die kannst du nicht ändern."

Er habe noch nie so schlecht geschlafen wie in den letzten zwei, drei Wochen, sagte Sahin in der "SZ". Dennoch nehme er auch etwas positives mit aus seiner gescheiterten Kandidatur:

"Vielleicht ist es ja gut, dass die Leute sich mal Gedanken machen. Es gibt ja viele Menschen, die hier geboren und aufgewachsen sind und sowas erleben. Bei mir ist es vielleicht der Glaube. Bei anderen ist es wieder etwas anderes."

Die Wallersteiner CSU wird nach dem Rückzug Sahins bei den Kommunalwahlen am 15. März keinen Kandidaten fürs Bürgermeisteramt aufstellen. Der Ortsvorsitzende Georg Kling bedauert das Scheitern von Sahins Kandidatur enorm. Jenen Parteimitgliedern, welche ein Problem mit Sahins Glauben hatten, erklärte Kling jeweils, dass dieser "ja nicht Pfarrer, sondern Bürgermeister" werden solle. Genützt hat es nichts: "Wir sind auf dem Dorf und wir sind noch nicht so weit", so Klings Fazit.

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