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Ellwangen-Anwalt wird nach Dobrindts Asyl-Äußerungen angefeindet

Tibor Martini

Ein Anwalt und SPD-Mitglied gerät massiv in die Schusslinie. Der Grund: AfD und CSU diffamieren öffentlich seine Arbeit. Sein Mandant ist der Flüchtling, über den die Republik spricht.

Schon seit Oktober 2017 ist Engin Sanli als Anwalt für einen 23-jährigen Togoer tätig. Dieses Mandat sorgte lange Zeit kaum für Beachtung. Seit Asylsuchende in Ellwangen allerdings Anfang Mai die Abschiebung des jungen Mannes verhinderten, der Togoer schließlich bei einer Großrazzia festgenommen wurde und Sanli – als pflichtbewusster Anwalt – gegen die bevorstehende Abschiebung Verfassungsbeschwerde einlegte, gerät er selbst zunehmend in die Schusslinie.

In einem Facebook-Posting vom 8. Mai stellt die Stuttgarter AfD den Stuttgarter Anwalt an den Pranger: In einem langen Beitrag werfen ihm die Populisten die "Diskreditierung der Polizei" und ein "Trommelfeuer an formalen Einwendungen" vor, bezichtigen ihn, "Staat und Behörden am Jojo rauf- und runter[zu]ziehen".

Der Facebook-Beitrag unter der Überschrift "Kennen Sie Engin Sanli?" wurde bei Veröffentlichung dieses Artikels 395 Mal geteilt und 171 Mal kommentiert und dürfte mehrere tausend Facebook-Nutzer erreicht haben.

Wie die "Stuttgarter Zeitung" schreibt, ist der 29-jährige Anwalt seitdem die Zielscheibe von Anfeindungen und Beschimpfungen. Das SPD-Mitglied:

"Ich habe Angst."

Als erstes habe er sein Profil auf einer Bewertungsplattform für Anwälte sperren lassen müssen, weil sein Profil durch eine Kampagne offenbar massiv abgewertet werden sollte.

Seit Anfang Mai bekommt Sanli laut "Stuttgarter Zeitung" zudem mehrere Drohanrufe und anonyme Briefe; in seinem E-Mail-Postfach landen demnach täglich 3000 bis 4000 Nachrichten, in denen er teils übel beschimpft und beleidigt wird. Stapelweise leitet er sie täglich an die Polizei weiter, weil sie strafrechtlich relevant sein könnten.

Neben dem Facebook-Post der Stuttgarter AfD habe auch eine Aussage von CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt die Situation weiter angeheizt, berichtet Sanli. Dobrindt hatte nach den Vorfällen in Ellwangen gegenüber der "Bild am Sonntag" von einer "Anti-Abschiebe-Industrie" gesprochen, die die Mittel des Rechtsstaates nutze, "um ihn durch eine bewusst herbeigeführte Überlastung von innen heraus zu bekämpfen".

Die Folgen dieser Aussage bemerkt laut "Stuttgarter Zeitung" auch Sanli selbst. Bei den Hassmails, die ihn erreichten, stünde seither regelmäßig "Anti-Abschiebe-Industrie“ in der Betreffzeile. Einschüchtern lassen will er sich aber nicht.

Dieser Text ist zuerst auf t-online.de erschienen.

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