Deutschland
German President Frank-Walter Steinmeier stands in front of a Christmas tree at Bellevue Palace during a photo session for his Christmas address in Berlin, Germany December 20, 2019. Picture taken December 20, 2019.  Kay Nietfeld/Pool via REUTERS

Bundespräsident Steinmeier. Bild: reuters

Steinmeier in Weihnachtsansprache: "Trennt uns mehr, als uns verbindet?"

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier appelliert in seiner Weihnachtsansprache (25. Dezember) an Bürgerinnen und Bürger, ihre Verantwortung für die Demokratie wahrzunehmen. Hier seine wichtigsten Aussagen im Überblick:

Steinmeier über die Demokratie

Deutschland lebe seit 30 Jahren "in Einheit, Freiheit und Demokratie. Nur: Nehmen wir das bitte nicht als selbstverständlich! Wir brauchen die Demokratie – aber ich glaube: derzeit braucht die Demokratie vor allem uns. (...)

"Was die Demokratie braucht, sind selbstbewusste Bürgerinnen und Bürger – mit Zuversicht und Tatkraft, mit Vernunft, Anstand und Solidarität. Ich weiß: Alles das steckt in uns, steckt in Ihnen, steckt in dieser gesamten Gesellschaft. Und deshalb glaube ich an uns. Deshalb glaube ich an dieses Land.

Sie alle sind Teil dieser Demokratie. Indem Sie wählen gehen, indem Sie sich politisch einmischen – auf einer Straßendemo oder in einer Partei oder in einem Gemeinderat, wo an vielen Orten heute so dringend Nachwuchs gesucht wird. Kurzum: Sie alle haben ein Stück Deutschland in Ihrer Hand!"

Steinmeier über den Anschlag auf eine Synagoge in Halle

Dieses Bild der Eingangstür der Synagoge "hat sich mir tief eingeprägt". Es sei ein Wunder, dass sie den 20 Schüssen des Angreifers standgehalten habe. Diese Tür stehe aber für noch mehr. "Sie steht auch für uns. Sind wir stark und wehrhaft? Stehen wir genügend beieinander und fest zueinander?"

Ein Appell:

"Die Antwort, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, die geben auch Sie. Sie stehen auf und halten dagegen, wenn im Bus Schwächere angepöbelt werden; wenn jemand, der anders aussieht, beleidigt wird; wenn auf dem Schulhof, in der Kneipe rassistische Sprüche fallen.

Sie haben Ihre Stimme im Netz und auch in den Sozialen Medien. Sie entscheiden, ob die krassesten und lautesten Parolen mit immer neuen Klicks belohnt werden oder ob Sie auf Fakten, Vernunft und bessere Argumente setzen. Sie packen an: ob in der Nachbarschaft oder im Verein, ob im Ehrenamt oder im Hauptamt. Auch heute Abend wieder: Tausende, Zehntausende auf den Polizeiwachen, in Krankenhäusern oder in Pflegeheimen."

Steinmeier über die Streitkultur

Nach seiner Mahnung vom vergangenen Jahr, auch mal mit Menschen anderer Meinung zu reden, habe er heute den Eindruck, dass "tatsächlich in diesem Jahr – landauf, landab – mehr miteinander gesprochen, auch mehr miteinander gestritten" werde.

Aber: "Wie wird aus Reibung wieder Respekt? Wie wird aus Dauerempörung eine ordentliche Streitkultur?", fragt der Präsident die Bürger. Manche stellten sie die Frage: "Trennt uns inzwischen sogar mehr als uns miteinander verbindet?"

Er schließt mit den Worten: "Mut und Zuversicht – das wünsche ich Ihnen und uns allen für das kommende Jahr. Gesegnete Weihnachten

(ll/dpa)

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

"Das ärgert mich sehr": Bei einer Frage nach Tests wird eine Altenpflegerin wütend

Die Coronavirus-Pandemie trifft besonders Berufe, die auf Nähe und Fürsorge vor Ort aufbauen. Das Personal in den Pflegeheim kommt am Kontakt mit den betreuten Menschen nicht umhin. Dennoch versuchen die Pfleger und Ärzte, den Alltag in Pflegeheimen aufrecht zu halten – auch wenn das nicht leicht ist.

Doch weil Senioren zur Risikogruppe zählen, gilt in vielen Einrichtungen deutschlandweit ein Besuchsverbot. So ist eine Lücke entstanden, die die Pfleger zusätzlich füllen müssen. Dabei sind …

Artikel lesen
Link zum Artikel