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Bild: screenshot youtube

So erklärte die AfD Satire-Dreharbeiten zum Möchtegern-Skandal

lars wienand

Öffentliche Dreharbeiten in Berlin für ein mögliches Satire-Video auf YouTube haben dazu geführt, dass sich AfD-Politiker "erschüttert" und "entsetzt" über "niederträchtige Methoden" beklagen. Die AfD kenne wohl Satire nicht oder wolle sie einschränken, erklärt dazu ein Experte. Das Rechercheportal "Correctiv" hatte hierzu zuerst berichtet.

Die offensichtlichen Filmaufnahmen mit einem großen Team werden aus der AfD zu einem "undemokratischen Versuch" erklärt, "Politik mit Fake-Videos" zu betreiben, das gehöre "unterbunden". Der Versuch sei "zufällig aufgedeckt" worden.

SWR: Anwohner waren vorab informiert

Ein SWR-Sprecher erklärte dagegen t-online.de, dass Anwohner durch Aushänge an den Haustüren vorab über die Dreharbeiten informiert worden seien und eine Telefonnummer für eventuelle Rückfragen angegeben worden sei. t-online.de hat sich vom SWR den Flyer zuschicken lassen. Gedreht wurde für das "Bohemian Browser Ballett", das auf satirische Weise aktuelle Themen aufgreift.

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Diese Information war nach Angaben des SWR im Vorfeld der Dreharbeiten verbreitet worden (Unkenntlichmachung durch t-online.de) quelle: swr

Ob und wann die Bilder verwendet werden, sei noch nicht klar. Der Partei war nach eigenen Angaben nicht bekannt, wer dort dreht. Sie hat ein Video verbreitet, in dem die Filmaufnahmen gefilmt wurden mit dem großen Hinweis "Fake-Video".

Über die AfD-Reaktion könne er sich nur wundern, sagte t-online.de Volker Lilienthal, Professor für "Praxis des Qualitätsjournalismus" in Hamburg. "Es kann sich nicht um ein Fake-Video handeln, weil ja offensichtlich etwas Fiktives aufgeführt wurde. Satire eben – aber die scheint man bei der AfD nicht zu kennen. Oder man billigt ihr nicht den weiteren Äußerungsrahmen zu, der ihr unter dem Grundrecht der Kunstfreiheit zusteht. Wahrscheinlich ist letzteres."

Wegen des Drehs kam auch Polizei

Das Szenario am Freitag hatte auch um 14 Uhr einen Polizeieinsatz ausgelöst, weil Anwohner eine rechte Spontanversammlung gemeldet hätten. Eine Polizeisprecherin sagte zu t-online.de, in dem Hinweis sei die Befürchtung geäußert worden, es gebe einen Auflauf mit Bezug zu Kundgebungen in Chemnitz und Köthen mit aufgeheizter Atmosphäre und Jagdszenen. Tatsächlich wurde vor der Kamera an dem Stand mit einem verfremdeten AfD-Logo auch ein dunkelhäutiger Mann verfolgt, in der Szene trat ein klischeehafter Skinhead auf.

Die Polizeisprecherin konnte nicht sagen, ob Anwohner beim Anruf von echter Sorge motiviert waren. "Für einen unbedarften Zeugen aus der Entfernung war da vielleicht nicht unbedingt zu erkennen, dass es sich um professionelle Filmaufnahmen handelt." Für die eingesetzten Polizisten hingegen sei das sofort klar gewesen. Der Einsatz sei dann auch schnell beendet gewesen, nachdem die Produktionsfirma den Schriftwechsel mit dem Bezirksamt Lichtenberg vorlegen konnte.

"Randständiges Ereignis im Berliner Alltag"

Für Journalismus-Professor Lilienthal zeigt es die "nervöse, aufgeheizte, empfindliche Stimmung, in der sich Politik, Medien und wir alle als Bürger uns derzeit befinden, wenn eine zufällig beobachtete Filmaufnahme in Lichtenberg, also ein randständiges Ereignis im Berliner Alltag, nun solche Wellen schlägt".

Die AfD hatte einem eigens produzierten Video zu den Filmaufnahmen mit Interviews zweier Politiker noch eine Pressemitteilung ihres Bundesvorstandsmitglieds Georg Pazderski folgen lassen. Darin hat die AfD auch Strafanzeigen angekündigt. Eine Nachfrage, ob daran festgehalten wird, hat die Partei noch nicht beantwortet.

Lilienthal kritisiert das Verständnis der Kunstfreiheit: Selbst wenn die Dreharbeiten vom "politischen Gegner“ seien: "Jede Partei in einem freiheitlichen Rechtsstaat muss es aushalten, dass der Gegner sie nötigenfalls auch scharf kritisiert. Hier eben mit den Mitteln der Satire."

Den Vorwurf eines "Fakes" könne man auch erst anhand des fertigen Beitrags beurteilen: "Ich kann mir aber schlechterdings nicht vorstellen, dass diese gestellten Aufnahmen aus Lichtenberg später redaktionell so verarbeitet werden, als sei es ein echter AfD-Stand gewesen." Genau das unterstellt die "empörte" AfD jedoch.

Lilienthal: "Eher ist doch zu erwarten, dass die AfD vor dem jungen Publikum von 'Funk' der Lächerlichkeit preisgegeben wird. Und das muss die Partei aushalten. Wegen Kunst- und wegen Rundfunkfreiheit."

"Bohemian Browser Ballett" kein "staatlich finanziertes Angebot"

Mit dem konstruierten Vorwurf wird von der AfD behauptet, es gebe keine anderen Wege mehr, ihr inhaltlich zu begegnen. Für die Darstellung erntete die AfD viel Spott, das Video wurde aber auch von Anhängern vielfach geteilt, die sich der Empörung anschließen.

Die in dem Video zu sehenden Filmarbeiten sind für das "Bohemian Browser Ballett" um den als "Schlecky Silberstein" bekannten Autor und Blogger Christian Brandes. Dem "Bohemian Browser Ballett" macht Medienexperte Lilienthal auch einen Vorwurf. Er kritisiert die Selbstbeschreibung, in der es heißt: „Das Browser Ballett ist ein staatlich finanziertes Unterhaltungsangebot für Deutschland.“

Was auch satirisch gemeint sein dürfte, ist in Lilienthals Augen "Futter für diejenigen, die schon immer meinten, der Rundfunkbeitrag sei eine staatliche Beihilfe bzw. die Medien seien eher alle 'Systemmedien' im Dienste des 'Merkel-Regimes'. Schade, dass diese Programmmacher, die im Auftrag von Funk tätig wurden, nicht mehr Sensibilität haben."

Christian Brandes  Schlecky Silberstein (Blogger, Autor), Aufzeichnung von Markus Lanz Sendung 2 im Studio Stahltwiete, Hamburg, 17.06.2015 | Verwendung weltweit

Christian Brandes aka Schlecky Silberstein Bild: rtn - radio tele nord

Silberstein hatte in einem privaten Projekt 2016 getrennt von dem YouTube-Angebot auch die "Fake-Fake-News"-Seite "moselkurier.de" betrieben, die den Empörungsmechanismus hinter bewusst gestreuten erfundenen Meldungen vorführen sollte. Wer auf Facebook auf die Wut-Überschriften klickte, landete bei einem Text, nicht jeden Mist zu glauben, nur weil er ins eigene Weltbild passt.

Silberstein ist Autor eines Buchs "Das Internet muss weg", in dem er aufzeigen will, wie das Netz mit Algorithmen in sozialen Netzwerken die Menschen programmiert und nicht mehr andersherum der Mensch das Netz.

Seine Produktionsfirma wollte sich zu den aktuellen Dreharbeiten nicht äußern.

Dieser Artikel erschien zuerst auf t-online.de

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