Deutschland

Wegen dieses Plakats wollen AfD-Politiker jetzt Coca-Cola boykottieren

Was würde der Weihnachtsmann eigentlich von der Politik der AfD halten? Wenn man einem vermeintlichen Coca-Cola-Plakat, das am Montag in Berlin aufgetaucht ist, Glauben schenkt, nicht allzu viel. 

Auf dem Plakat steht:

"Für eine besinnliche Zeit: Sag' Nein zur AfD!"

Bild

Bild: Twitter/@matth_borowski

Ganz zufällig ist das Plakat wohl nicht platziert worden, steht es doch nur einige Meter von der AfD-Zentrale am Berliner Lützowplatz entfernt. Aber würde der Coca-Cola-Konzern wirklich politische Werbung für die AfD machen?

Einige AfD-Politiker stellten sich die Frage am Montag sehr ernsthaft. Der "AfD Gebietsverband Sonneberg" etwa postete auf Facebook:

"Fake oder now Fake 🤔🤔Politik ist jetzt Sache der Multis... 🤔🤔Wer möchte nun noch dieses Zuckergetränk...#AufwachenDeutschlandjetzt 🇩🇪💙"

Fehler und Emojis im Original. facebook

Die Facebook-Fans der AfD in der thüringischen Kleinstadt reagieren entsprechend empört. "Dreckspack! Nie wieder kommt eine Flasche von dem Dreckszeug über meine Schwelle!", schreibt einer. Ein anderer reagiert mit einem Kotzsmiley. Ein dritter denkt über noch drastischere Maßnahmen nach: "Wenn das so weiter geht, muss man überlegen, wohin man auswandern kann. Hier regiert der Wahnsinn." (Das vermutlich einzige Land, in dem dieser auswanderungswillige AfD-Fan noch vor Coca-Cola sicher ist, ist übrigens Nordkorea. Ob sich das lohnt?) 

Ist das denn nun wirklich ein echtes Coca-Cola-Plakat?

Wir könnten nun lang und breit aufschreiben, was alles dagegen spricht. Stattdessen lassen wir einfach eine Coca-Cola-Sprecherin zu Wort kommen. Die schreibt auf watson-Anfrage:

"Das Plakat stammt nicht von uns. Auf der Grundlage eines mehrere Jahre alten Weihnachtsplakats hat jemand diese Botschaft selbst gebastelt."

Und wer steckt nun dahinter?

Die "Taz" hat herausgefunden, dass das Projekt "#AfDentskalender" hinter dem Plakat steckt. Auf der Website des ungewöhnlichen Adventskalender stehen hinter jedem Türchen mögliche Aktionen gegen die Politik der AfD. "Kontaktiere deine Lokalpolitiker [...] und fordere sie auf, sich (stärker) gegen die AFD zu engagieren/positionieren", zum Beispiel. Oder eben auch Adbusting: Das Verändern von Werbung, für eine politische Aussage.

Hat sich die AfD jetzt wieder mit Coca-Cola versöhnt?

Nope, so gar nicht! Offiziell verkündete der Konzern zwar nur, dass er nicht für das Plakat verantwortlich ist. Nicht ganz so offiziell ließ die deutsche Kommunikationsabteilung des Konzerns jedoch durchblicken, dass sie das gefälschte Plakat nicht ganz verkehrt findet.

Der Kommunikationschef von Coca-Cola Deutschland, Patrick Kammerer, twitterte nämlich ein Foto des Plakats mit dem Zusatz:

"Nicht jedes Fake muss falsch sein."

Und das scheint nicht nur seine Privatmeinung zu sein. Der offizielle deutsche Account der Konzerns retweetete die Aussage nämlich auch noch.

Der AfD-Bundestagsabgeordnete Frank Pasemann beschwerte sich daraufhin über "politische Hetze" des internationalen Konzerns.

Der Autor Dushan Wegner sieht hier sogar Gleichschaltung am Werk. (Hier nochmal kurz zum Nachlesen, was Gleichschaltung eigentlich bedeutet.) 

Und der Heidelberger AfD-Sprecher Malte Kaufmann will künftig auf Cola verzichten.

Nun ja, Wasser ist eh gesünder.

Die AfD bejubelt das Aus von Angela Merkel – freut sich dabei aber zu früh:

abspielen

Video: watson/Max Biederbeck, Lia Haubner

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Die AfD macht Stimmung gegen Migranten – mit einem Schwimmbad-Video aus Israel

Die AfD-Bundestagsfraktion macht in einem Video über Gewalt in deutschen Freibädern Stimmung gegen Geflüchtete und Migranten. Doch Szenen einer Schlägerei, die laut AfD-Politikerin Beatrix von Storch am vergangenen Wochenende in Stuttgart aufgenommen wurden, stammen tatsächlich aus einem Freizeitbad in Israel. Mittlerweile hat die Fraktion ihre Posts gelöscht und durch neu geschnittene Videos ersetzt.

Seit mehreren Tagen wird in Deutschland über Gewalt in Freibädern diskutiert. Am Samstag war es in einem Düsseldorfer Freibad zu einem Streit mit mehreren Hundert Beteiligten gekommen. Die Polizei versuchte, den Streit mit Dutzenden Beamten zu schlichten. Der Verband der Schwimmmeister kritisierte anschließend eine zunehmende Aggressivität in deutschen Freibädern.

Für die AfD offenbar ein gefundenes Fressen: In den sozialen Medien nutzt die Partei die Vorfälle, um gegen Geflüchtete und …

Artikel lesen
Link zum Artikel