Deutschland
Thomas Kemmerich of the Free Democratic Party (FDP) attends a session of the state parliament in Thuringia during the election of a new state prime minister in Erfurt, Germany, March 4, 2020. REUTERS/Hannibal Hanschke

Thomas Kemmerich war kurzzeitig Ministerpräsident von Thüringen. Nun steht er erneut im Fokus der Aufmerksamkeit. Bild: reuters / HANNIBAL HANSCHKE

Protest gegen Corona-Regeln: Kritik an FDP-Politiker Kemmerich – auch von Lindner

Thüringens Ex-Kurzzeit-Ministerpräsident Thomas Kemmerich hat an einem Protest gegen die Beschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie teilgenommen und damit heftige Kritik auf sich gezogen. Seine Teilnahme bestätigte der FDP-Politiker am Samstagabend selbst bei Twitter. Er habe an einer Veranstaltung in Gera für "Verhältnismäßigkeit und einen Corona-Exit mit Maß und Mitte" teilgenommen, schrieb Kemmerich. In mehreren deutschen Städten hatten am Samstag Tausende gegen die Maßnahmen in der Pandemie demonstriert.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow kritisierte vor allem die mutmaßliche Nicht-Einhaltung von Corona-Regeln bei der Veranstaltung: "Abstand halten oder Mund/Nasenschutz/Bedeckung? - Fehlanzeige! Vorbildfunktion? - Fehlanzeige!", schrieb er zu einem Bericht mit einem Foto von Kemmerich.

Kemmerich und AfD-Politiker auf einer Demo

Das, was die User in den sozialen Netzwerken aber vor allem kritisieren, ist, mit wem zusammen Kemmerich Seite an Seite lief. Einem Bericht des "Redaktionsnetzwerks Deutschland" zufolge nahmen auch AfD-Politiker an dem Protest teil.

Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) kritisierte, dass der FDP-Politiker sich dafür lobe, zusammen mit der AfD und Verschwörungstheoretikern "gegen Verantwortung für unser aller Gesundheit" aufzulaufen.

Twitter-User fanden eindeutige Worte:

Ein "Tagesspiegel"-Autor kritisierte Kemmerich ebenfalls.

Lindner übt Kritik: "Habe dafür kein Verständnis" - Kemmerich entschuldigt sich

Kritik an Kemmerich kam auch aus der eigenen Partei. "Liberal sein heißt nicht, aus Prinzip gegen etwas zu sein, gerade, wenn es Menschen schützt", schrieb die Bundestagsabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann bei Twitter. Ria Schröder, die Vorsitzende der Jungen Liberalen, erklärte, ohne Kemmerich namentlich zu nennen, "wer bewusst Hygienemaßnahmen missachtet und sich mit Rechtsextremen einreiht, der ist nicht Mitte, sondern gefährdet uns alle und untergräbt die konstruktive Arbeit" der FDP. Parteichef Christian Lindner äußerte sich ebenfalls per Twitter kritisch über den Vorfall.

Kemmerich entschuldigte sich später dafür, dass er die Hygienevorschriften missachtet habe. Es sei auch nie seine Absicht gewesen, mit der Kundgebung der AfD oder Verschwörungstheoretikern eine Plattform zu bieten. Er sehe aber ein, dass er genau das getan habe.

Kemmerich steht nicht zum ersten Mal wegen seines Verhaltens in der Kritik. Der FDP-Politiker war am 5. Februar mit Stimmen von AfD, CDU und FDP in Thüringen zum Ministerpräsidenten gewählt worden, was bundesweit für Entrüstung und Proteste sorgte. Drei Tage nach seiner Wahl trat er zurück.

(hau/mit Material von dpa)

"Ich bin es leid": Virologin Brinkmann mit leidenschaftlichem Appell

Auf der Bundespressekonferenz am Dienstag sprachen unter anderem Jens Spahn und der Vizepräsident des Robert-Koch-Instituts, Lars Schaade. Spahn sprach im Zusammenhang mit Corona von einer "Mammutaufgabe" für Regierung und Gesellschaft.

Zu Gast auf der Bundespressekonferenz war auch Virologin Melanie Brinkmann vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung. Sie kam erstmal einige Minuten zu spät, weil ihr Zug Verspätung hatte. Dafür legte sie dann umso vehementer los.

"Ich habe kein Skript …

Artikel lesen
Link zum Artikel