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Rechte Gewalt am Wochenende – diese 2 Vorfälle solltet ihr kennen

Der mediale Fokus lag am Wochenende auf Berlin. Auf den Agrar-Demonstrationen von Verbrauchern und auf dem Women's March zu 100 Jahren Frauenwahlrecht.

Zweifelsohne wichtige Nachrichten. Im Rest des Landes kam es derweil weniger beachtet zu Zwischenfällen mit rechtsradikalen Hintergründen. Sie zeigen, wie aufgeladen die Stimmung im Land gerade ist.

Rechte Gewalt in Mannheim, BaWü

Leon Stockmann hat sich keinen besonders guten Zeitpunkt für seine Aktion ausgesucht. Am Samstag eröffnete in Mannheim ein neues linkes Zentrum, und Stockmann entschied mit rund 15 Freunden, dem "Ewwe Longt's" einen Besuch abzustatten. Er selbst ist Mitglied der Jugendorganisation der AfD, der "Jungen Alternative" (JA). Seine Freunde, so schreibt es das Ewwe Longt's auf Facebook, sollen zur rechtsextremen Identitären Bewegung gehört haben.

Und sie wollten demnach rein ins neue Zentrum. Aber die Besucher ließen sie nicht. Nach kurzer Diskussion soll es zu einem Handgemenge gekommen sein. Die nicht willkommenen Besucher antworten mit Pfefferspray und einer Signalfackel. Später wird Stockmann bei Facebook schreiben, er habe nur den Austausch gesucht. Das Pfefferspray habe nach der Ablehnung durch die Besucher nur der Selbstverteidigung gedient. (fr)

Die linke Plattform "Kommunalinfo Mannheim" hat das Ganze gefilmt:

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Video: YouTube/Kommunalinfo Mannheim

Jetzt ermittelt die Polizei wegen gefährlicher Körperverletzung und Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz unter anderem gegen Stockmann. Der Zeitpunkt ist deshalb mehr als ungünstig für die JA, weil sie gerade selbst ordentlich kämpfen muss. Auf der einen Seite mit der Einstufung "Beobachtungsfall" durch den Verfassungsschutz, auf der anderen mit einer internen Spaltung.

Rund 500 Mitglieder sind demnach bereits aus der "Jungen Alternative" ausgetreten, weil diese ihnen zu sehr in die Rechtsradikalität abdriftet. Auch die bewusste Vermischung mit den "Identitären" sei dabei ein Problem, schreiben bekannte JA-Mitglieder in einem Brandbrief an ihre Mutterpartei AfD.

Mutmaßlich linke und rechte Gewalt in Roßlau, Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt kam es am Sonntag zu einem "Gewalt-Gegengewalt"-Szenario.

Erst waren am Samstag vier Teilnehmer eines sogenannten "Trauermarschs" der rechten Szene in Magdeburg am Bahnhof Roßlau von Vermummten überfallen worden. Drei mussten zur Behandlung ins Krankenhaus. Zwei offenbar sogar auf die Intensivstation.

Der Staatsschutz ermittelt wegen "politischer Motivation", wie die Polizei mitteilte. Die Opfer seien polizeibekannte Rechtsextreme, bestätigte eine Polizeisprecherin gegenüber watson.

Rund 150 Rechte wollten die Ermittlungen aber nicht abwarten. Mit Bannern und Aufdrucken der Neonazi-Partei "Die Rechte" zogen sie am Sonntag als Antwort auf die Überfälle durch Roßlau.

In Redebeiträgen riefen sie laut Medienberichten zur Gewalt auf, entzündeten Fackeln, Journalisten sollen massiv bedrängt worden sein. Die Polizei soll diesen daraufhin geraten haben, sich zu entfernen, weil die Kräftelage auf Seiten der Beamten nicht ausreiche.  "Lageangepasst kamen genügend polizeiliche Kräfte zum Einsatz", widersprach die Polizei Dessau-Roßlau in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber watson. Die Handlungsfähigkeit der Beamten sei gewährleistet gewesen.

Dennoch kam es zu einem Angriff auf eine 14-Jährige Jugendliche. Eine rechte Gruppe vermutete sie aufgrund ihrer Kleidung im linken Spektrum. Erst verfolgten einige der Demonstranten mutmaßlich das Mädchen, dann soll einer von ihnen sie mit dem Fuß voraus angegriffen haben. Sie wurde dabei leicht verletzt, zitiert die "Mitteldeutsche Zeitung" den Polizei-Einsatzleiter. Der  Angreifer würde jetzt strafrechtlich verfolgt, sagt auch die Polizei Dessau-Roßlau.

Die Behörde bestätigte außerdem gegenüber watson, dass es am Tag  keine Gegendemonstration gegen den Nazi-Aufmarsch gegeben habe. Bei der angegriffenen 14-Jährigen handelte es sich allem Anschein nach um eine unbeteiligte Passantin. Wie vor Ort aufgenommene Fotos zeigen, bestand ihr einziger Fehler darin, ein "FCKNZS"-T-Shirt zu tragen.

(mbi)

#wirsindmehr – die Bilder des Konzerts

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