Deutschland
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

Ein Berliner Polizist spitzelte seine Kollegen aus – um die Kaffeekasse zu hacken...?

An einem Computer der Polizei Berlin wird ein Gerät zum Ausspionieren von Tastatureingaben gefunden. Die Innenverwaltung liefert nun die Begründung des Täters, und sie ist haarsträubend.

Lars Wienand

Es ging angeblich um eine Million Euro, als bei der Berliner Polizei ein Beamter ein Spionagegerät an einen Rechner steckte. Und zwar ein virtuelles Guthaben von einer Million Euro, das der Polizist sich in der Kaffeekasse gutschreiben und dafür an die Zugangsdaten des Chefs wollte. So erklärt die Berliner Innenverwaltung, warum bei der Polizei ein Keylogger zum Aufzeichnen von Tastatureingaben gefunden wurde. Kritiker beruhigt das wenig, und die Datenschutzbeauftragte hat ein grundsätzliches Problem.

Durch Recherchen von t-online.de war im September der Fall bekannt geworden, den die Polizei lieber unter der Decke gehalten hätte. Im März war ein Keylogger an einem Rechner der Bereitschaftspolizei gefunden worden. Damit können Tastatureingaben aufgezeichnet und Passwörter gestohlen werden.

Hier die Hintergründe der Geschichte im Detail:

Staatssekretärin informierte über Details

Es folgte ein Rundschreiben an einen kleinen Kreis Informationssicherheitsveranwortlicher anderer Direktionen mit Hinweisen, wie bei einem Fund vorzugehen ist. Nicht informiert wurden die Datenschutzbeauftragte des Landes, der zuständige Personalrat und die breite Belegschaft.

Es sei "ein Scherz" geplant gewesen, teilte die Polizei dazu mit. Fragen blieben offen.

Die versuchte Sabine Smentek, Berlins IT-Staatssekretärin, jetzt zu beantworten: Im Ausschuss für Kommunikationstechnologie und Datenschutz des Berliner Abgeordnetenhauses ging es eigentlich vor allem um die Abwahl des Vorsitzenden, des AfD-Politikers Roland Gläser, weil der den Chemnitzer Haftbefehl getwittert hatte. Unter "Verschiedenes" kamen die absurden Hintergründe der Späh-Attacke zur Sprache.

Zugriff auf die Kaffeekassen-Liste gewollt

Ein Rechner beim "polizeiärztlichen Dienst" sei betroffen gewesen, erläuterte Smentek. Dort habe ein Polizist, der im Kollegenkreis wegen Zahlungsrückständen bei der Kaffeekasse aufgezogen werde, damit einen Scherz treiben wollen.

Plan war demnach, mit dem Keylogger an die Zugangsdaten seines Chefs zu gelangen, um dann auf die Liste mit den Zahlungen zuzugreifen.

In der Datei habe er sich dann ein Guthaben von einer Million Euro gutschreiben wollen. Die Kollegen sollten große Augen machen und über seinen Witz lachen. So stellt es die Innenverwaltung dar. Nach dem Fund des Keyloggers an einem Montag und bei anlaufenden Ermittlungen hat der Mann sich dann offenbar Donnerstags selbst gemeldet.

Disziplinarverfahren erst nach Bekanntwerden

Die Folgen: Bisher keine, sagt Jörn Badendick, Pressesprecher der Personalvertretung der "Unabhängige in der Polizei e.V.", ein Verein, der sich als Alternative zu der gewerkschaftlichen Personalvertretung versteht. Zwar gab es ein Ermittlungsverfahren, doch die Staatsanwaltschaft fand laut Polizei "keine strafrechtlich relevanten Umstände". Und das Disziplinarverfahren sei erst nach öffentlichem Bekanntwerden des Vorfalls eingeleitet worden, so Badendick. 

Die "Unabhängigen" stört der Umgang der Polizeiführung mit solchen Vorfällen, weil die Verfehlungen Einzelner geeignet seien, die gesamte Polizei in schlechtes Licht zu rücken. Die Polizeiführung müsse ein Interesse haben, offensiv Verstöße aufzuklären und möglichst schwer zu machen. 

Badendick:

"Wir und die Öffentlichkeit werden aber hingehalten, beschwichtigt und belogen."

Es gebe Sicherheitsprobleme, die auf Sparen bei Hard- und Softwarekomponenten zurückzuführen seien. 

Nach anderen Vorfällen habe man gefragt, ob es noch mehr gebe – "da hätte das auf den Tisch gemusst". Ende September waren Vorwürfe gegen einen Polizisten bekannt geworden, der unter anderem Meldeadressen von Erdogan-Kritikern in Berlin an die türkische Botschaft übergeben haben soll. Die lassen sich über die Polizeirechner leicht abfragen – und noch viel mehr Daten zu Personen, die als Täter, Opfer oder Zeugen bei der Polizei registriert worden sind.

Zugriffe werden protokolliert

Wer auf welche Daten zugreift, wird in der Regel protokolliert. So flog eine Polizistin auf, die ihre Nachbarschaft ausspioniert hat. Interne Ermittler stießen auch darauf, wer einen Drogenhändlerring mutmaßlich mit Polizeiinterna versorgt hatte. Ein 39-jähriger Oberkommissar wanderte in Untersuchungshaft. Diese Beamte hatten ihre eigenen Zugangsdaten genutzt. 

Für Polizisten mit zweifelhaften Absichten kann es von Interesse sein, sich mit dem Account eines anderen einzuloggen. Die "Unabhängigen" kritisierten auch, man habe sich nach dreimaligem falschen Einloggen einfach telefonisch ohne weitere Kontrollen ein neues Passwort geben lassen können.

Bild

Beispielhaft: t-online.de hat nach den Angaben eines Keylogger-Herstellers nachgebaut, wie mit einem einem Keylogger aufgezeichneter Text dann beim Auslesen aussieht. In einer txt-Datei stehen Tastaureingaben, wie sie auch auf dem Schirm bei der Eingabe erscheinen. Sondertasten wie Enter werden in eckigen Klammern dargestellt. t-online.de

Der Kaffeekassen-Scherzbold hat per Keylogger die Zugangsdaten seines Vorgesetzten ausgespäht, mit dem laut Badendick auch der Zugriff auf das Polizeiliche Landessystem zur Information, Kommunikation und Sachbearbeitung (POLIKS) möglich war. Das Teil wurde aber entdeckt, ehe der Mann es auslesen konnte. Und die Polizei ließ sich durch Nachfrage bei ihm beruhigen: "Eine Missbrauchsabsicht hinsichtlich sensibler polizeilicher Datenbestände konnte ausgeschlossen werden", teilte sie mit. 

Datenschutzbeauftragte fühlt sich ausgesperrt

Die Datenschutzbeauftragte des Senats wurde von der Polizei nicht eingeschaltet, "zum wiederholten Mal nicht", wie es von dort heißt. Die Behörde wurde erst durch die Recherchen von t-online.de aufmerksam, fragte nach – und hat "auf die entscheidenden Fragen keine Antwort bekommen", sagt Sprecherin Dalia Kues. 

Hier gibt es grundsätzlichen Streit: "Es geht darum, ob die Polizei uns in unserer Pflicht als Aufsichtsbehörde beschränken darf", sagt Kues.  Die Polizei stelle sich auf den Standpunkt, dass sie Fragen nicht beantworte, weil es staatsanwaltliche Ermittlungen gebe. So erklärte es auch die Staatsekretärin. Das würde bedeuten: Vorfälle in den eigenen Reihen müsste die Polizei demnach nicht der Datenschutzbeauftragten melden, wenn sie nur schwerwiegend genug sind.

"Und die Staatsanwaltschaft sieht kein strafbares Verhalten und wird auch nicht tätig", sagt der Linken-Abgeordnete Niklas Schrader, Mitglied in dem Ausschuss. "Da beißt sich die Katze in den Schwanz." Der Fall mache ihm Sorgen "wegen der allgemeinen Einstellung bei der Polizei zum Datenschutz. Zum wiederholten Mal wird hier bagatellisiert."

Hier habe es jemand nach offizieller Darstellung zum Scherz gemacht, sagt FDP-Ausschussmitglied Bernd Schlömer, Sprecher für Bürgerrechte und Digitalisierung. Für ihn stellt sich aber die Frage, "ob die Polizei solchen Missbrauch identifizieren kann und ausreichend Vorkehrungen gegen Innentäter unternimmt."

Ein US-Polizist auf der Suche nach seinem Mittagessen

abspielen

Video: undefined/Watson

Der Tag – was heute noch wichtig ist:

Geht am Sonntag wählen, weil wir nicht dürfen – fordern junge Klima-Demonstranten

Link zum Artikel

Dagi Bee, Alexi Bexi und Unge: Mehr als 80 Youtube-Stars fordern Boykott von Union und SPD

Link zum Artikel

Hier sind alle Retro-Referenzen, die ihr in Rins "Vintage" verpasst habt

Link zum Artikel

Live-Hochzeit bei "GNTM": Das Peinlichste, was Prosieben je gezeigt hat

Link zum Artikel

Das "GNTM"-Finale war ein Feuerwerk der Absurditäten. 13 spektakuläre Highlights

Link zum Artikel

Youtuber Rezo greift die CDU an – so wehrt sich die Partei

Link zum Artikel

"Grenze überschritten": GNTM-Vanessa wehrt sich gegen ProSieben – Simone schaltet sich ein

Link zum Artikel

Im "GNTM"-Finale trifft Heidi Klum auf Tom Kaulitz – und es gibt feuchte Küsse

Link zum Artikel

Capital Bra versucht sein Glück bei Helene Fischer – das ist ihre Reaktion

Link zum Artikel

Daenerys wer? Die 17 fatalen Probleme des "Game of Thrones"-Finales

Link zum Artikel

Oops, they did it again: Fans entdecken peinlichen Fehler im "GoT"-Finale

Link zum Artikel

"GoT": Doku zeigt, wie Kit Harington am Set in Tränen ausbrach – jetzt wissen wir, warum

Link zum Artikel

Diese 13 Memes über Bran in "Game of Thrones" bringen dich trotz allem zum Lachen

Link zum Artikel

Das "GoT"-Finale war meine allererste Folge der Show – das habe ich über die Serie gelernt

Link zum Artikel

ESC: Peinlich! Sisters geben zu, wo sie bei der Punktevergabe waren

Link zum Artikel

Herzzerreißende "GoT"-Szene mit Daenerys und Jon – Fans sind erschüttert

Link zum Artikel

So emotional nehmen die "GoT"-Stars nach dem Finale Abschied von der Serie

Link zum Artikel

"GoT": 8 Fehler, die dir genauso entgangen sind wie der Kaffeebecher

Link zum Artikel

Achtung, Spoiler! Die besten Reaktionen zum "Game of Thrones"–Finale

Link zum Artikel

Vanessa rechnet nach "GNTM"-Aus mit ProSieben ab – jetzt antwortet der Sender

Link zum Artikel

So sehen BTS als alte Männer aus – und wir haben Fragen

Link zum Artikel

Darum ist das neue Album nur zu 80 Prozent Rammstein – eine (kleine) Enttäuschung

Link zum Artikel

ESC 2019: Dieter Bohlen über Luca Hänni: "Ich hätte den Mut dazu nie gehabt"

Link zum Artikel

Der neue Song von Shirin David ist eine Abrechnung mit ihrem Vater

Link zum Artikel

Samra und Capital Bra: Neuer Song Wieder Lila ist schon jetzt ein Hit

Link zum Artikel

16 Cartoons, die unsere Gesellschaft auf den Punkt bringen

Link zum Artikel

Strache-Skandal in Österreich – Kanzler Kurz soll Neuwahlen wollen

Link zum Artikel

"Zweifel, Ängste, schlaflose Nächte" – Das sagen "die Lochis" zu ihrem Aus

Link zum Artikel

Lena Meyer-Landrut macht Fan mit Post bei Instagram glücklich

Link zum Artikel

Falscher Professor? Vorwürfe gegen einen AfD-Europakandidaten

Link zum Artikel

Pressekonferenz in Sonnenbrille: Loredana streitet Betrug ab und wird laut

Link zum Artikel

Warum sind wir manchmal traurig nach dem Sex?

Link zum Artikel

Ed Sheeran und Justin Bieber: "I Don't Care" kann der Song des Sommers werden

Link zum Artikel

16 peinlichen Instagram-Werbungen, die nach hinten losgegangen sind

Link zum Artikel

180 Staaten bekämpfen jetzt den Plastikmüll – mit einem globalen Pakt

Link zum Artikel

Dieser seltsame Vogel ist ausgestorben ... kommt aber immer wieder zurück von den Toten

Link zum Artikel

Ariana Grande und BTS: Insider verrät, dass gemeinsamer Song "nur eine Frage der Zeit" ist

Link zum Artikel

Sie soll ein Paar um 614.000 Euro betrogen haben – Rapperin Loredana festgenommen

Link zum Artikel

Helene Fischer lief weg und schrie: Luxus-Makler plaudert über den Hauskauf mit Flori

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Synagogen, Abschiebung und "linke Zecken" – TV-Polizist Toto hält Rede im AfD-Sprech

Sie waren lange das bekannteste Polizistenpaar im deutschen Fernsehen: "Toto und Harry" aus Bochum wurden durch die gleichnamige Fernsehreihe auf Sat.1 zu Kultfiguren. Am Wochenende machte Torsten "Toto" Heim allerdings mit rechtspopulistischen Aussagen von sich reden. Die Polizei Bochum prüft, ob er damit gegen das Gesetz verstoßen hat.

Seit 2001 waren Torsten Heim und sein Streifenkollege Thomas "Harry" Weinkauf immer wieder im Fernsehen zu sehen. Als Ruhrpott-Polizisten im alltäglichen …

Artikel lesen
Link zum Artikel