Deutschland

Selbstverbrennung in Ingolstadt – Kurden sprechen von Erdoğan-Protest

lars wienand

Nach dem Tod eines 26-Jährigen in Ingolstadt sprechen Kurden-Vertreter von einer Protestaktion. Dort hat sich am Donnerstag ein Mann mit einer brennbaren Flüssigkeit übergossen, sich angesteckt und ist gestorben. Das bestätigte die Polizei Ingolstadt t-online.de.

Die Polizei hat bislang keine Hinweise auf ein politisches Motiv. Ein Sprecher sagte, dass der Name des Toten auf einen türkischen Hintergrund hindeute, "eine kurdische Nationalität gibt es ja nicht". Ein Abschiedsbrief sei der Kripo bisher nicht bekannt.

Lass dir helfen

Du hast das Gefühl, in einer ausweglosen Situation zu stecken? Wenn du dir im Familien- und Freundeskreis keine Hilfe suchen kannst oder möchtest – hier findest du einige anonyme Beratungs- und Seelsorgeangebote.

Telefonseelsorge: Unter 0800 – 111 0 111 oder 0800 – 111 0 222 erreichst du rund um die Uhr Mitarbeiter, mit denen du über deine Sorgen und Ängste sprechen kannst. Auch ein Gespräch via Chat oder E-Mail ist möglich. telefonseelsorge.de

Kinder- und Jugendtelefon: Der Verein "Nummer gegen Kummer" kümmert sich vor allem um Kinder und Jugendliche, die in einer schwierigen Situation stecken. Erreichbar montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr unter der Rufnummer 116 111. nummergegenkummer.de

Muslimisches Seelsorge-Telefon:
Die Mitarbeiter von MuTeS sind 24 Stunden unter 030 – 44 35 09 821 zu erreichen. Bei MuTeS arbeiten qualifizierte Muslime ehrenamtlich. Ein Teil von ihnen spricht auch türkisch. mutes.de

Hier findest du eine Übersicht aller telefonischer, regionaler, Online- und Mail-Beratungsangebote in Deutschland: suizidprophylaxe.de

Faysal Sariyilidz, früherer Parlamentsabgeordneter der kurdischen Partei HDP, schrieb auf Twitter, der Mann habe sein Leben aus Protest gegen die schmutzigen deutsch-türkischen Beziehungen gegeben.

Im Netz kursiert ein Video, das offenbar die letzte Botschaft des Mannes zeigt. Der pro-kurdische Aktivist Kerem Schamberger, Doktorand an der Ludwig-Maximilian-Universität München (LMU), bezieht sich in einem Beitrag auf Facebook darauf.

Mit einem Foto eines Mannes schreibt er, dieser habe den Tag speziell deswegen ausgewählt, weil Erdoğan heute nach Deutschland komme. Die Aktion ist demnach auch als Botschaft gegen die Inhaftierung des PKK-Chefs Abdullah Öcalan gedacht. Bei allen Massakern, die die Türken an den Kurden verübt hätten, seien die Waffen aus Deutschland gekommen. 

Bis in die 90er Jahre war es in Deutschland immer wieder zu Selbstverbrennungen von PKK-Unterstützern als Solidaritäts- und Protestbekundung gekommen. Wenn sich der Hintergrund des Suizids in Ingolstadt bestätigt, wäre es der erste derartige bekannt gewordene Fall seit fast 20 Jahren.

Die PKK wurde in Deutschland 1993 als terroristische Gruppierung eingestuft und ist seither verboten.

Dieser Artikel ist zuerst bei t-online erschienen.

 

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