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Polizeieinsatz Symbolbild, Polizeiwagen im Einsatz mit Blaulicht. München Bayern Deutschland *** Police deployment symbol picture, police car in action with blue light Munich Bavaria Germany

Die Pressekonferenz der Polizei München (links). Rechts der Twitterstreit zwischen der Polizei und einer AfD-Politikerin. Bild: imago images/Alexander Pohl/screenshot/watson-montage

Polizei nach Messerattacke: "Wir lassen uns nicht instrumentalisieren"

Der Sprecher der Polizei München wurde ziemlich deutlich:

"Wir lassen uns nicht politisch instrumentalisieren. Das ist eine ganz wichtige Aussage, die ich allen Brandstiftern mitgeben möchte."

Gesagt hat Marcus da Gloria Martins das auf der Pressekonferenz am Dienstag, auf der die Polizei Stellung zum Angriff auf einen Polizeibeamten am Münchner Hauptbahnhof nahm. Ein 23-Jähriger Deutscher hatte am Montag auf einen Polizeibeamten eingestochen und "allgemeinen Hass auf die Polizei" als Motiv angegeben.

Der Sprecher der Polizei reagierte mit seiner Aussage auf das, was sich nach dem Vorfall in den sozialen Netzwerken Bahn gebrochen hatte. Denn die "Brandstifter", wie er sie nannte, sie kommentierten und teilten im Internet. Und das "auf Kosten unseres Kollegen". Zwar habe es unzählige Nachrichten gegeben, die "eine unbändige Welle der Solidarität" zum Ausdruck gebracht hätten, lobte der Polizeisprecher und bedankte sich im Namen der Polizei ausdrücklich. Aber es gab eben auch die andere Seite:

"In den sozialen Netzwerken sind wieder die geistigen Brandstifter unterwegs, die diese unsägliche Frage nach Nationalitäten stellen, die hier versuchen einen Keil zu treiben in den Zusammenhalt der Gesellschaft."

Was war passiert?

Dem Appell des Polizeisprechers waren wilde Spekulationen in den sozialen Medien vorausgegangen. Nach Bekanntwerden des Attentats auf den Polizisten wurde in rechten Milieus munter über die Herkunft des Täters spekuliert. Die Polizei München sah sich via Twitter mit Kommentaren konfrontiert, in denen es nicht um Anteilnahme ging, sondern die sich mit Spekulationen um die Nationalität des Täters beschäftigten. Auch wurde der Polizei vorgeworfen, die "wahre" Herkunft des Täters zu vertuschen.

Die Berliner AfD-Politikerin Anne Zielisch etwa wollte den Vornamen des Täters wissen und twitterte ziemlich durchsichtig: "Bislang gibt es nur die Herkunftsangabe "Deutscher", aber keinen Vornamen? Weiß die @PolizeiMuenchen Näheres?"

Die konterte:

Auf der Pressekonferenz am Dienstag dann folgte die Kritik des Polizeisprechers München an der Instrumentalisierung von rechter Seite. Er wehrte sich gegen die im Netz verbreitete Grundstimmung, es gehe alles den Bach runter.

"Das ist Unsinn. Sie leben hier in der sichersten Stadt Deutschlands", entgegnete er den Apokalyptikern von rechts.

Und er machte noch auf ein nicht uninteressantes Detail aufmerksam. Nach der Messerattacke am Montagmorgen am Münchner Hauptbahnhof hat sich ein junger Mann aus Eritrea, der zuvor von den Beamten kontrolliert worden war, "aktiv am Festhalten des Täters beteiligt". Mit dessen Hilfe konnte der Täter zu Boden gebracht und fixiert werden. Das sei etwas, sagte der Polizeisprecher, "was man in der allgemeinen Diskussion über Herkunft und Nationalität nicht ganz unter den Tisch fallen lassen sollte."

(ts)

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