"In Deutschland einmaliger Vorgang" – BKA verhinderte offenbar Biobomben-Anschlag in Köln

20.06.2018, 06:4020.06.2018, 07:48

Der als Giftmischer verdächtigte Tunesier aus Köln hat nach Erkenntnissen des Bundeskriminalamtes (BKA) einen Anschlag neuer Dimension mit einem biologischen Sprengsatz geplant.

  • Gegen der Mann hatte der Bundesgerichtshof vor einer Woche Haftbefehl erlassen.
  • Der Verdächtige hatte dem BKA zufolge bereits damit begonnen, das hochgiftige Rizin herzustellen. Es lässt sich aus Rizinussamen gewinnen.
  • Ein ausländischer Geheimdienst hatte dem RBB zufolge dem Bundesamt für Verfassungsschutz gemeldet, dass der Tunesier im Internet Bestandteile zum Bau eines Sprengsatzes geordert hatte.
"Hier gab es schon ganz konkrete Vorbereitungen zu einer solchen Tat, mit einer, wenn Sie so wollen, Biobombe. Und das ist schon ein in Deutschland einmaliger Vorgang."
BKA-Präsident Holger Münch gegenüber dem RBB-Inforadio.

Weiter hieß dazu: "Es gibt entsprechende Anleitungen dazu, auch von islamistischen Organisationen im Internet, wie man so etwas tut. Daran hat sich diese Person offensichtlich auch orientiert."

Noch sind viele Fragen offen:

Nach Einschätzung des Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen plante der Mann "sehr wahrscheinlich" einen Terroranschlag. Er soll deutlich mehr als die zunächst bekanntgewordenen 1000 Rizinussamen bestellt haben. Es gebe Anhaltspunkte für eine noch größere Menge, teilte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft am Dienstag mit.

"Welches konkrete Tatziel in den Blick genommen wurde, dass wissen wir noch nicht", so der BKA-Präsident. "Auch die Frage zu weiteren Verbindungspersonen, Mittätern, auch das ist noch offen."

Sorge bereiten dem BKA die hohe Zahl von radikalisierten Einzelpersonen, die es im Auge zu behalten gelte. "Der große geplante Anschlag, so wie wir das in Paris und Brüssel erlebt haben, den halten wir mittlerweile nicht für völlig unwahrscheinlich, aber weniger wahrscheinlich, weil der sogenannte Islamische Staat doch schon sehr geschwächt ist", erklärte Münch. Aktuell seien 770 Personen als Gefährder eingestuft.

(pb/dpa)

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