06.12.2020, Nordrhein-Westfalen, D

"Kein Rassismus": Das Bündnis "Düsseldorf stellt sich quer" Anfang Dezember bei einer Gegenveranstaltung gegen die Demonstration der Gegner der Corona-Maßnahmen. Bild: dpa / Jonas Güttler

Rassismus: Zunahme der Diskriminierungsfälle in der Corona-Pandemie

Die Corona-Pandemie hat zu einer deutlichen Zunahme der Diskriminierungsfälle in Deutschland geführt. Die Pandemie habe für die Diskriminierung einzelner Gruppen "wie ein Brandbeschleuniger gewirkt", sagte der Leiter der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Bernhard Franke, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Dienstagsausgaben). Die Zahl der Beratungsanfragen bei seiner Stelle sei drastisch gestiegen. Bis Ende November seien mehr als 6000 Fälle registriert worden - im Vergleich zu 3200 Fällen im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Menschen mit asiatischem Aussehen wurde der Zugang zu Geschäften verwehrt

Bei rassistischen Diskriminierungen habe es bis Oktober eine Zunahme von mehr als 70 Prozent gegeben, sagte Franke. Zunächst seien vor allem Menschen mit asiatischem Aussehen diskriminiert, angepöbelt und teilweise mit Gewalt angegangen worden. Ihnen sei etwa der Zugang zu Geschäften mit der Bemerkung versagt worden, dass nicht das Coronavirus ins Haus geholt werden solle.

Auch Sinti und Roma, "deren Wohnhäuser publikumswirksam abgeriegelt wurden", seien von Diskriminierung im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie betroffen gewesen, führte Franke weiter aus. Menschen mit türkischem oder arabischem Hintergrund hätten sich unter Generalverdacht gestellt gefühlt, "weil einzelne Hochzeitsfeiern zu Infektionssprüngen geführt hatten". Dabei sei auch anderswo gefeiert worden, in bayerischen Dörfern zum Beispiel. In Krisen gebe es aber die Tendenz, Sündenböcke zu suchen.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes bietet Beratung für Menschen an, die aufgrund der ethnischen Herkunft, Religion oder Weltanschauung, der sexuellen Identität oder des Geschlechts, des Alters oder einer Behinderung diskriminiert werden. Grundlage für die Arbeit der Stelle ist das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetzes (AGG).

(lau/afp)

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Exklusiv

Hofreiter über persönlichen Verzicht zugunsten des Klimas und die Zukunft der Mobilität: "Dann arbeitet in zehn Jahren gar niemand mehr bei BMW und VW"

Der zweite Teil unseres Interviews mit Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter – über die Frage, was der ökologische Umbau für junge Menschen bedeutet, wie die Jobs in der Autoindustrie gerettet werden können und was die Grünen jungen Nichtwählern zu bieten haben.

Während die Corona-Krise die Welt weiter Tag für Tag beschäftigt, macht die Klimakrise keine Pause. Ihre möglichen Auswirkungen bleiben sichtbar: Im Großteil von Deutschland ist der Boden weiterhin ungewöhnlich trocken, in Sibirien lässt Rekordhitze Permafrost-Böden auftauen – mit dramatischen Folgen für die Umwelt. Wie kann es klappen, die Corona-Krise zu bewältigen und gleichzeitig die Wirtschaft ökologisch umzubauen? Wir haben darüber mit Anton Hofreiter gesprochen, …

Artikel lesen
Link zum Artikel