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Talkmasterin Sandra Maischberger: Erst sollte Suleman Malik in ihrer Sendung sein, dann wurde er wieder ausgeladen. Bild: dpa / Foto Unger

Maischberger lädt Muslim aus und AfD-Mann ein – dafür steht sie jetzt in der Kritik

Nach dem rassistischen Terroranschlag in Hanau war der Tenor eindeutig: Rassisten sollte keine Plattform mehr geboten werden, um ihre Hetze weiterzuverbreiten. Im Fokus der Kritik stehen dabei unter anderem auch Talkshows im deutschen Fernsehen. Regelmäßig sitzen dort Politiker der AfD oder auch andere Protagonisten, die umstrittene Meinungen vertreten.

Verteidigt wird das meist mit dem Argument Meinungsfreiheit. Was dabei jedoch übersehen wird: Indem man diese Ansichten zu einer Meinung unter vielen macht, gibt man ihnen Raum – und macht sie salonfähig.

Die Kritik an den Talkshows bringt nun eine Episode auf den Punkt: Suleman Malik, ein Muslim aus Erfurt, wurde zu der Sendung von "Maischberger. Vor Ort" am 11. März erst ein-, dann aber wieder ausgeladen. An der Sendung teilnehmen wird dagegen der AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla.

Malik, der in Erfurt stellvertretender Ortsteilbürgermeister ist, hat den Bau der ersten Moschee in Thüringen vorangetrieben. Er schilderte den Vorgang zunächst am Donnerstag auf Twitter.

Hier sein erster Tweet zu der Sache:

Am Donnerstag sei er dann aber wieder ausgeladen worden – und er habe erfahren, dass Chrupalla an der Diskussion teilnehmen werde.

Wenig später reagierte "Maischberger" auf die Vorwürfe. Auf Twitter erklärte die Redaktion, man habe Malik lediglich "für das Publikum" angefragt. Die Absage stehe außerdem in keinem Zusammenhang zur Einladung des AfD-Politikers Chrupalla.

"Maischberger" widerspricht:

Das sagt Suleman Malik zu der Sache

Dieser Darstellung widerspricht Suleman Malik entschieden. Gegenüber watson betont er, er sei als Gast angefragt worden. "Ich hab am 24. Februar einen Anruf bekommen. Da hieß es: Herr Malik, wir würden Sie gerne in unsere Talkshow einladen. Sie stehen ja in der öffentlichen Kritik wegen des Moscheebaus." Gleichzeitig habe man Interesse an diesem Thema signalisiert und ihn gefragt, ob er sich vorstellen könne, mit Politikern zu diskutieren.

"Darüber habe ich mich zuerst gefreut. Ich dachte mir, endlich gibt man uns bekannten Muslimen eine Bühne in Talkshows – zwei Wochen nach Hanau." Er sei auch schon einmal bei "Maischberger" zu Gast gewesen, das sei im Jahr 2016 gewesen.

Doch am Donnerstag habe man ihm dann abgesagt, erklärt Malik weiter. "Als ich nach den Gründen gefragt habe, hieß es, ich stünde ja sowieso in der Öffentlichkeit, und das wäre unfair gegenüber anderen Bürgern, die sonst nicht zu Wort kommen." Malik findet das seltsam. Im Gespräch mit der "Maischberger"-Redaktion habe sich dann herausgestellt, dass ausgerechnet Tino Chrupalla eingeladen worden sei. Er habe dann direkt gefragt, warum er als Muslim aus-, aber Chrupalla als AfD-Politiker eingeladen werde.

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Suleman Malik schildert gegenüber watson seine Sicht der Dinge. Bild: dpa-Zentralbild / Martin Schutt

Malik dazu:

"Wie passt das zusammen? Sie sagen mir, ich stünde schon in der Öffentlichkeit, aber laden jemanden ein, von dessen Hetze ich betroffen bin. Wie soll ich das verstehen?"

Weiter habe man ihm erklärt, man wolle Menschen aus der Mitte der Gesellschaft einladen. Er habe zurückgefragt, ob Muslime nicht zu dieser Mitte zählten. Dann sei der Sprecher am Telefon aber "unfreundlich und laut" geworden. Der Sprecher habe ihn "fast angeschrien, wir seien nicht so wichtig, und es müssten auch mal andere zu Wort kommen". Die Redaktion von "Maischberger" hatte auf Twitter hingegen erklärt, die Absage sei in "freundlicher und sachlicher Form" erfolgt.

Suleman Malik ist von der Ausladung weniger persönlich verärgert als vielmehr wegen des symbolischen Gehalts. "Am 3. März hat Frau Maischberger in einem Interview gesagt, keine Vertreter der AfD einzuladen, sei in unserer Demokratie nicht begründbar. Aber das, was sie mit mir machen, ist in unserer Demokratie begründbar? Zwei Wochen nach Hanau?"

Wer Rassisten und Faschisten eine Bühne biete, mache sich mitschuldig an Terroranschlägen wie in Hanau, so Malik weiter.

Er findet:

"Diese Partei, für die Herr Chrupalla da sitzt, ist mitschuldig daran, was Herrn Lübcke passiert ist, was in Halle passiert ist, und was in Hanau passiert ist."

Wütend sei er nicht, nur enttäuscht. Er habe sich eigentlich nur eins gewünscht: ein Zeichen der Solidarität. Nach dem rassistischen Anschlag in Hanau wäre es seiner Meinung nach richtig gewesen, Chrupalla auszuladen und nicht ihn. An die Adresse von "Maischberger" gerichtet fordert er: "Laden Sie doch Juden ein, laden Sie doch Betroffene aus Hanau ein. Sie sagen mir, sie wollen Menschen einladen, die nie zu Wort kommen – wo sind dann bitteschön unsere Stimmen? Warum lädt man uns aus?" Er habe dafür kein Verständnis.

Das sagt die Redaktion von "Maischberger"

In der Redaktion von "Maischberger" hat man offenbar verstanden, welch fatale Symbolik von der Ausladung ausging. "Die Redaktion hat bereits ausführlich mit Herrn Malik gesprochen und wird sich in der kommenden Woche persönlich mit ihm in Erfurt treffen, um sich mit ihm auszutauschen", heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme der Redaktion gegenüber watson.

Zur Sendung selbst erklärt man, es handele sich dabei um die erste Ausgabe des neuen Formats "Maischberger. Vor Ort". Das Konzept sei es, Politiker und Bürger aus einer bestimmten Region zusammenzubringen. "Das Publikum diskutiert aktiv mit den Politikern und Politkerinnen. Herr Malik wurde für das Publikum angefragt, wie viele andere engagierte Bürger und Bürgerinnen auch." Später sei, wie bei Sendungen mit Publikumsbeteiligung üblich, eine Auswahl getroffen worden.

"Bei der Einladung achtet die Redaktion darauf, dass das gesellschaftliche Spektrum bestmöglich abgebildet wird – darunter auch muslimische Bürger und Bürgerinnen."

Man schätze Herrn Malik als engagierten Diskutanten, der wichtige Probleme in unserer Gesellschaft anspreche. Die Entscheidung über seine Nicht-Teilnahme habe aber nie im Zusammenhang mit der Einladung bestimmter Politiker gestanden. Diese kämen von CDU, Linke und AfD – "da diese drei Parteien die Debatte in den Wochen seit der Wahl maßgeblich prägen", so die Redaktion am Ende.

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