Deutschland
Bild

Nicht das erste Mal, dass er Ziel eines Shitstorms wird: Dieter Nuhr weiß, wie man Twitter zum Glühen bringt, wenn auch dieses Mal nicht ganz freiwillig. Bild: imago images / VIADATA

Dieter Nuhr reagiert auf Rassismus-Kritik

In seiner Sendung Nuhr im Ersten hat Dieter Nuhr wieder einmal für ordentlichen Wirbel gesorgt. Am Donnerstagabend kritisierte er dort Autorin und Journalistin Alice Hasters für ihr Buch "Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten". Der Titel sei selbst rassistisch, da er alle weißen Menschen über einen Kamm schere und ihnen Rassismus unterstellen würde.

In den sozialen Netzwerken entfachten Nuhrs Aussagen noch am Abend, aber vor allem am Freitagmorgen, einen veritablen Shitstorm. Ihm wurde vorgeworfen, das Buch weder gelesen, noch verstanden zu haben. Außerdem führe er mit seiner Kritik den Diskurs über Rassismus in Deutschland ad absurdum.

Nuhr verbreitet Falschinformationen

Zusätzlich wurde kritisiert, Nuhr verbreite "Fakenews". Der Kabarettist hatte erklärt, am Flughafenkiosk über das Buch gestolpert zu sein und sich über den Titel gewundert zu haben. Aufgeschlagen hatte er es wohl tatsächlich nicht. Auch sonst hat er sich wohl nicht weiter mit dem Inhalt beschäftigt, denn im Folgenden erklärte er, dass das Buch in den USA ein riesengroßer Erfolg gewesen sei. Mehr noch, dieses Buch sei ein Grund dafür gewesen, dass Donald Trump in den USA so viele Stimmen holen konnte. Eine Aussage, die so nicht stimmen kann, wie Autorin Alice Hasters via Twitter klarstellt.

Nach der Kritik äußerte Nuhr via Facebook, dass er sich versprochen habe und natürlich sagen wollte, dass Bücher wie das von Alice Hasters in den USA große Erfolge feiern würden. Seine Kritik am Titel und dem – seiner Meinung nach – damit einhergehenden Rassismus bekräftigte Nuhr jedoch in seinem Statement.

RBB verweist auf Nuhrs Statement

Alice Hasters wurde von watson zu Nuhrs Sendung angefragt, wollte den Vorgang aber nicht weiter kommentieren. Stattdessen teilte ihr Management mit, dass Fragen zum Auftritt von Dieter Nuhr besser bei den Intendant*innen der Öffentlich-Rechtlichen aufgehoben seien.

Der RBB verwies auf Anfrage lediglich auf das Statement von Dieter Nuhr auf Facebook.

Für Alice Hasters kommt der Wirbel um ihr Buch möglicherweise gar nicht ungelegen. Viele von Dieter Nuhrs Zuschauern dürften erst über seinen Sketch auf die Autorin aufmerksam geworden sein. Um das Buch zu kaufen, müssen sie aber nicht erst zum Flughafen fahren. Die Bundeszentrale für politische Bildung bietet es seit neuestem für 4,50€ bequem im Onlineshop an.

Nuhr reagiert ausführlich – die Autorin knapp und präzise

Inzwischen hat Dieter Nuhr mit einem sehr langen und ausführlichen Statement auf Facebook erneut auf die Kritik reagiert. Er verteidigte seine Aussage, dass Alice Hasters Buchtitel Weißen pauschal Rassismus unterstelle und damit selbst rassistisch sei. Nuhr erklärte, dass sich seine Kritik ausschließlich auf den Titel des Buches bezog, nicht auf dessen Inhalt, den er nicht gelesen habe und bekräftigte seine Kritik, dass solche Titel den Diskurs erschweren würden und dafür sorgten, dass Populisten wie Donald Trump an die Macht kämen.

Die Autorin Alice Hasters äußerte sich auf die Kritik von Dieter Nuhr an ihrem Buchtitel ebenfalls und erklärte die Aussage ihres Buches noch einmal im Detail: "Alle Menschen sind rassistisch sozialisiert, weiße Menschen sind durch Rassismus privilegiert", erklärte sie. "Das ist es, was sie oft nicht hören wollen, aber wissen sollten."

Außerdem führte sie aus, dass die Bezeichnung "weiß" genau wie andere Rassifizierungen ein soziales Konstrukt sei, kein biologischer Fakt. Auch sie selbst könne in bestimmten Kontexten "weiß" sein.

(lw)

watson-Story

"Kanakenschlampe": Wie ich das Vertrauen in die deutsche Polizei verlor

Rassismus innerhalb der Polizei sorgte in den vergangenen Wochen immer wieder für Schlagzeilen: Sei es rechte Hetze in Chatgruppen der Beamten oder ihre Verstrickungen mit der NSU. Doch viele Fälle sind viel harmloser, kleiner und entwickeln erst als strukturelles Problem ihre Brisanz – zum Beispiel, wenn Rassismus-Opfer keine Unterstützung durch die Polizei erfahren.

"Das ist leider häufig", erzählt Roman Jeltsch, der für die Beratungsstelle "Response" arbeitet und viele solcher Fälle auf …

Artikel lesen
Link zum Artikel