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Bild: dpa-Zentralbild

"Hau ab aus Deutschland" – Überfall auf jüdisches Lokal in Chemnitz

08.09.18, 10:45 09.09.18, 12:21

In Chemnitz hat es abgesehen von rechtsextremen Demonstrationen und Attacken auf Migranten auch einen Angriff von Neonazis auf ein jüdisches Restaurant gegeben. Nach einem Bericht der "Welt am Sonntag" ist in der sächsischen Stadt am Abend des 27. August das koschere Restaurant "Schalom" angegriffen worden. Die vermummten, schwarz gekleideten Täter hätten "Hau ab aus Deutschland, Du Judensau" gerufen.

Der Besitzer des Lokals

Die Angreifer bewarfen das Lokal dem Bericht zufolge mit Steinen, Flaschen und einem abgesägten Stahlrohr. Dabei sei Inhaber Uwe Dziuballa durch einen Stein an der Schulter verletzt worden, außerdem seien eine Fensterscheibe und die Fassade beschädigt worden. Das sächsische Landeskriminalamt bestätigte der Zeitung eine entsprechende Anzeige des Gastronoms.

Ein Blick in das Lokal von außen

Bild: dpa-Zentralbild

Ein Sprecher des sächsischen Innenministeriums teilte demnach mit, dass "derzeit eine politisch motivierte Tat mit einem antisemitischen Hintergrund" als naheliegend erachtet werde, die Ermittlungen seien allerdings noch nicht abgeschlossen. Dem Bericht zufolge beschäftigen sich mittlerweile auch der sächsische Staatsschutz und das polizeiliche Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum mit dem Fall.

Der Grünen-Politiker Cem Özdemir mahnte umgehend Ermittlungen an.

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, zeigte sich alarmiert. Er sagte:

"Sollten die Berichte zutreffen, haben wir es mit dem Überfall auf das jüdische Restaurant in Chemnitz mit einer neuen Qualität antisemitischer Straftaten zu tun."

Felix Klein, Antisemitismusbeauftragter der Bundesregierung welt am sonntag

Klein erklärte weiter:

"Hier werden die schlimmsten Erinnerungen an die dreißiger Jahre wachgerufen."

Felix Klein, Antisemitismusbeauftragter der Bundesregierung

 Klein forderte die sächsische Polizei und Staatsanwaltschaft auf, "nun unverzüglich und umfassend zu ermitteln und mit aller Härte" gegen die Täter vorzugehen.

Der Verfassungsschutz sieht aber erstmal keine Hetzjagden:

In Chemnitz war vor zwei Wochen ein 35-Jähriger getötet worden. Zwei aus Syrien und dem Irak stammende Männer wurden wegen des Tötungsdelikts in Untersuchungshaft genommen. Nach einem dritten Tatverdächtigen wird gefahndet. Seit der Gewalttat hat es in Chemnitz mehrfach Kundgebungen auch rechter Gruppen gegeben, die teilweise in Ausschreitungen mündeten. Dabei wurden auch Ausländer und Journalisten angegriffen. Die Vorfälle lösten eine bundesweite Debatte über Rechtsextremismus in Sachsen aus.

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