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Bild: dpa-Zentralbild

Überfall auf jüdisches Lokal in Chemnitz – Staatsschutz ermittelt 

Nach dem Überfall auf ein jüdisches Restaurant in Chemnitz hat der Staatsschutz in Sachsen die Ermittlungen übernommen. Es liege "in dem Fall eine politisch motivierte Tat mit einem antisemitischen Hintergrund nahe", teilte das sächsische Innenministerium der "Welt am Sonntag" mit. 

Kretschmer will Restaurantbetreiber treffen

Zwei Demonstrationen in Chemnitz verliefen am Samstagabend ruhig. Für Uwe Dziuballa ist die Welt aber eine andere. Dziuballa ist Geschäftsführer des Restaurants "Schalom", das koschere Speisen anbietet. Es war, wie erst jetzt bekannt wurde, bereits am 27. August überfallen worden.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer, CDU, will sich nun mit Dziuballa treffen. 

So schildert der Gastronom den Überfall

Nach Dziuballas Schilderungen ist er am Montag, den 27. August, von mehreren Menschen angegriffen worden. An dem Tag habe es im Restaurant einen Vortrag gegeben. Gegen 21.40 Uhr – als schon fast alle Besucher das Lokal verlassen hatten  – sei er wegen eines Geräuschs vor die Tür getreten. Vor ihm hätten zwischen zehn bis zwölf zum Teil vermummte Personen gestanden. Dziuballa: 

"Entweder habe ich laut gedacht oder leise gesagt: Haut ab."

Uwe Dziuballa, Gastronom

Dziuballa meint, den Satz "Judensau, hau ab aus Deutschland!" gehört zu haben.

Ein Porträt des Gastronomen Uwe Dziuballa

In der derselben Sekunde seien Steine, Flaschen und eine Eisenstange an ihm vorbeigeflogen. Er wird an der rechten Schulter getroffen. "Nach weiteren drei oder vier Sekunden war das Ganze vorbei."

Dziuballa ruft die Polizei, die schnell am Restaurant ist. «Die Polizei hat sich bis zum heutigen Zeitpunkt mir gegenüber korrekt, respektvoll, kompetent verhalten», sagt er. Schon in der Vergangenheit war es mehrmals zu Angriffen aus das Lokal gekommen. Seit ein paar Jahren waren diese aber ausgeblieben. Die Polizei Chemnitz will sich voerst zu der Anzeige nicht äußern.

Die Reaktionen zu dem Überfall

Nach Informationen der "Welt am Sonntag" stellte die sächsische Bereitschaftspolizei bereits am Abend des 27. August Beweismittel wie Flaschen und Steine sicher.  "Doch dann dauerte es zehn Tage bis Ermittlungsbeamte auftauchten", so die Zeitung weiter. 

Der Grünen-Politiker Cem Özdemir forderte rückhaltlose Aufklärung der Tat und der Umstände der Ermittlung. tw

Felix Klein, der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung sprach von einer "neuen Qualität antisemitischer Straftaten".

Unions-Fraktionschef Volker Kauder, CDU, forderte "endlich ein umfassendes und nachprüfbares Lagebild".

Eine indirekte Kritik auch an Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen, der wichtige Beweismittel nach Übergriffen in Chemnitz in Zweifel gezogen hatte.

(afp, dpa, rtr)

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