Deutschland
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.
Image

Rot markierte Personen: Eine Szene aus dem Video des "Zentrums für politische Schönheit" zu ihrer "Soko Chemnitz". Im Original sind alle Gesichter zu erkennen. Bild: screenshot

Aktivisten wollen rechte Chemnitz-Demonstranten an den Pranger stellen

lars wienand

Unter dem Motto "Erkennen Sie Ihren Arbeitskollegen" fordert das sogenannte Zentrum für politische Schönheit (ZPS) auf, Teilnehmer der Chemnitzer Demonstrationen vom August und September dieses Jahres zu melden. Dafür wollen die Aktivisten "3 Millionen Bilder von 7.000 Verdächtigen" ausgewertet haben.

Das Ziel laut ZPS-Website:

"Problemdeutsche aus der Wirtschaft und dem öffentlichen Dienst zu entfernen".

Die linken Aktivisten gehen sogar noch einen Schritt weiter: Unternehmen sollen Teilnehmer der rechtsgerichteten Demonstrationen in Chemnitz entlassen. Man biete arbeitsrechtliche Beratung für Unternehmen, heißt es auf der Internetseite. 

Das Zentrum für politische Schönheit ist bekannt für kontroverse Aktionen, die auch in der linken Szene zum Teil heftig kritisiert werden. Zuletzt hatten die Aktivisten bundesweit Schlagzeilen gemacht mit dem Bau eines Holocaust-Mahnmals in der Nachbarschaft von Björn Höcke. Morddrohungen an Organisatoren waren die Folge.

Belohnungen werden im Büro ausgezahlt

In Chemnitz gibt es den Angaben zufolge auch ein Büro der "Soko Chemnitz", in dem Hinweise entgegengenommen und auch Belohnungen ausgezahlt werden sollen.

Die Aufforderung auf der Seite:

"Denunzieren Sie noch heute Ihren Arbeitskollegen, Nachbarn oder Bekannten und kassieren Sie Sofort-Bargeld."

Ziel sei es, "den Rechtsextremismus 2018 systematisch" zu erfassen und unschädlich zu machen.

Auf der Seite heißt es, es würden "1.524 Drückeberger vor der Demokratie" vorgestellt. Das ist allerdings irreführend. 15 Personen sind unverpixelt zu sehen mit Belohnungen für Hinweise. Andere werden mit abgekürztem Namen aufgeführt, aber mit Balken über dem Gesicht oder dem Hinweis "Foto folgt". Das Zentrum könnte auch eine viel kleinere Datenbank haben und mit der vorgeblich großen Zahl der Aktion noch mehr Wirkung verleihen wollen. 

Die gezeigten Personen sollen "abschwören"

Abgebildeten Personen wird ein Formular angeboten, um ihr Bild entfernen zu lassen. Dazu sollen diese die Teilnahme an den Demonstrationen bereuen und eine "Verpflichtungserklärung" unterschreiben, die eine lange Liste von Verhaltensregeln aufführt und im Kern ein Bekenntnis zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung und eine Distanzierung von Extremismus und Hetze fordert. Verlangt wird auch, Kollegen, Auszubildende oder sonstige Betriebspartner nicht aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Religion oder ihrer Herkunft zu diskriminieren. 

Diskriminierungsvorwürfe werden nun jedoch auch gegen das "Zentrum für politische Schönheit" laut. Einzelne Nutzer sehen in der Aktion auch eine Kritik an der groß angelegten Öffentlichkeitsfahndung der Polizei Hamburg nach den G20-Krawallen. Das "Zentrum für politische Schönheit" gibt auch vor, "computergesteuerte Gesichtserkennung" eingesetzt zu haben und versteht die Aktion als Empfehlung, "diese legalen Technologien unverzüglich zu verbieten".

Die Aktivisten hatten für den 3. Dezember bereits eine Aktion angekündigt – mit dem Hinweis, unter Berufung auf die Freiheit der Kunst noch keinen Prozess verloren zu haben.

Die rechtspopulistische Gruppe "Pro Chemnitz" ruft bereits unter ihren Anhängern zu Spenden für Betroffene möglicher Rechtsstreitigkeiten mit "Political Beauty" auf. Das Land Sachsen hat gegenüber der "Freien Presse" erklärt, die Aktionskünstler abzumahnen. Auf der Seite werde unzulässig das Logo der sächsischen Standortkampagne "So geht sächsisch" verwendet.

Dieser Artikel ist zuerst auf t-online erschienen. 

Wir waren mit der Kamera bei den rechtsextremen Protesten in Chemnitz:

Play Icon

Video: watson/Felix Huesmann, Lia Haubner

Das könnte dich auch interessieren:

Wie Reichsbürger in gelben Westen eine Autobahn lahmlegen wollten 

Link to Article

Was WhatsApp dazu sagt, dass Rechtsextreme sich verbotene Nazi-Sticker schicken

Link to Article

70.000 Hass-Nachrichten – Journalist gerät ins Visier von AfD und Rechtsextremen

Link to Article

Straftäter und russische Hooligans – so vernetzt sich die Neonazi-Szene beim Kampfsport

Link to Article

Jeder dritte Deutsche denkt ausländerfeindlich oder antisemitisch, warnt eine Studie

Link to Article

Das steckt hinter den Nazi-Flyern in der Uni-Bibliothek in Berlin

Link to Article

Wie dieser Dozent rechtsextreme Störer bei seinem Vortrag blamierte

Link to Article

Rechte verbreiten Zweifel am Suizid eines "Hogesa"-Aktivisten – der Faktencheck

Link to Article

Lichtenhagen, Heidenau, Köthen – so stacheln Neonazis rassistische Stimmungen an

Link to Article

AfD-Politiker verbreitet Schmäh-Karikatur – und will von Antisemitismus nichts wissen

Link to Article

So erklärte die AfD Satire-Dreharbeiten zum Möchtegern-Skandal

Link to Article

Nach Chemnitz: "In der Polizei gibt es Sympathie für das rechtsextreme Spektrum"

Link to Article

AfD marschierte in Chemnitz mit Terror-Sympathisanten

Link to Article

AfD will offenbar verhindern, dass ihre Mitglieder mit Neonazis demonstrieren

Link to Article

Fraktionsräume von Pro Chemnitz durchsucht

Link to Article

Thomas Oppermann will, dass Verfassungsschutz AfD-Kontakte zu Neonazis prüft

Link to Article

"Hau ab aus Deutschland" – Überfall auf jüdisches Lokal in Chemnitz

Link to Article
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

AfD-Abgeordneter will vorschreiben, wer Deutscher ist – und zeigt Nähe zu den Nazis

Ein echter Deutscher müsse "deutschen Blutes sein". Davon waren die Nazis überzeugt, und diese Einstellung vertreten Neonazis bis heute. Ihre Vorstellung davon, was ein Volk ist, wird durch das Abstammungsprinzip bestimmt. Sie wollen eine ethnisch einheitliche "Volksgemeinschaft" schaffen. 

Dieser Volksbegriff, der etwa von der rechtsextremen NPD vertreten wird, spielte auch im letzten Verbotsverfahren gegen die Partei eine Rolle. Die Verfassungsrichter verboten die NPD 2017 zwar nicht, …

Artikel lesen
Link to Article