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Wie dieser Kardinal den Missbrauchsskandal in der Kirche verharmlost

Ungefähr acht Jahre ist es her, dass der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche die Öffentlichkeit erreicht hat. Seitdem spricht die Öffentlichkeit von einem Skandal. Den Missbrauch selbst gab es schon viel länger – Jahrzehnte, vielleicht sogar Jahrhunderte.

Die Opfer sind bis heute traumatisiert, das Vertrauen in die Kirche erschüttert, es gibt also genug Grund zur Empörung. Sollte man meinen. Der Kardinal Walter Brandmüller – der übrigens am Samstag 90 wird – sieht das anders. Er findet, die Empörung über den Missbrauchsskandal ist Heuchelei. Denn in der katholischen Kirche sei ja nur passiert, was sich in der Gesellschaft dauernd ereigne.

Dass die Kirche zum Beispiel in seelsorgerischer Hinsicht eine besondere Verantwortung trägt? Und dass in so einem Vertrauensverhältnis Missbrauchserfahrungen noch traumatischer sein können als ohnehin schon? Geschenkt. 

Die Aussage oben war aber nicht das einzige Highlight aus dem Gespräch Brandmüllers mit der Deutschen Presse-Agentur. Hier kommen drei Zitate, die es in sich haben:

"Was in der Kirche an Missbrauch passiert ist, ist nichts anderes, als was in der Gesellschaft überhaupt geschieht."

Sexueller Missbrauch sei alles andere als ein spezifisch katholisches Phänomen. Der eigentliche Skandal sei, dass sich die Kirchenvertreter in diesem Punkt nicht von der gesamten Gesellschaft unterschieden. Mit letztem Punkt mag er schon ein bisschen Recht haben. Denn wie gesagt: Priestern und Ordensleute tragen eine besondere Verantwortung. Deshalb aber der Gesellschaft das Recht abzusprechen, sich zu empören, ist schon frech. Es ist schließlich nicht so, als regte man sich nicht ebenso über außerkirchlichen Missbrauch auf.

"Nicht weniger wirklichkeitsfremd ist es, zu vergessen beziehungsweise zu verschweigen, dass 80 Prozent der Missbrauchsfälle im kirchlichen Umfeld männliche Jugendliche, nicht Kinder, betrafen."

Als würde das irgendwas besser machen! Und zur Krönung noch ein bisschen Homosexuellen-Shaming:

Es sei zudem "statistisch erwiesen", dass es einen Zusammenhang zwischen Missbrauch und Homosexualität gebe.

Das sind übrigens die Fakten:

Überraschung.

(sg/dpa)

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