Unter dem Motto #liebegewinnt wird heute vielen gleichgeschlechtlichen Paaren der Segen ausgesprochen
Unter dem Motto #liebegewinnt wird heute vielen gleichgeschlechtlichen Paaren der Segen ausgesprochen
Bild: dpa / Felix Hörhager

#liebegewinnt – viele katholische Gemeinden segnen heute homosexuelle Paare

10.05.2021, 14:32

Es ist ein revolutionärer Schritt für die 103 teilnehmenden katholischen Gemeinden in Deutschland. Am heutigen Montag sollen unter dem Motto #liebegewinnt erstmals gleichgeschlechtliche Paare öffentlich gesegnet werden. Dazu werden deutschlandweit in Kirchen und im Netz Segnungsgottesdienste abgehalten, bei denen alle Paare unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung den göttlichen Segen erhalten können.

Mitte März kam ein Verbot von der römischen Glaubenskongregation

Erst am 15. März wurde die Segnung homosexueller Paare offiziell von der römischen Glaubenskongregation verboten, was in Deutschland viel Diskussion, Enttäuschung sowie Unmut gegenüber Papst Franziskus nach sich gezogen hatte. Das Verbot und die daraus resultierende Debatte führte jetzt zu dieser öffentlichkeitswirksamen Reaktion vieler deutscher Kirchengemeinden.

Die Entscheidung der 103 Gemeinden in Deutschland, Segensgottesdienste unabhängig von der sexuellen Orientierung der Paare abzuhalten, wendet sich offiziell gegen das Papier der römischen Glaubenskongregation. Zwar wurden auch vorher schon regelmäßig homosexuelle Paare von katholischen Geistlichen gesegnet, allerdings bis jetzt immer hinter verschlossenen Türen und unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

#liebegewinnt ist damit auch als Protestaktion zu verstehen, die auf die Ungleichbehandlung von homosexuellen Paaren in der katholischen Kirche aufmerksam machen möchte.

"Mein Anliegen ist, das aus den kirchlichen Hinterhöfen rauszuholen – dahin, wo es hingehört: mitten in das kirchliche Leben", sagte der Münchener Pfarrer Wolfgang Rothe laut "Deutsche Welle" in der Kirche St. Benedikt.

Segnung hat große Bedeutung für gläubige Katholiken

Für Menschen katholischen Glaubens bedeutet die Segnung durch einen Geistlichen sowohl eine Lobpreisung Gottes als auch eine Bitte um Schutz. Homosexuellen Paaren ist der für viele Gläubige so wichtige Segen ihrer Beziehung bislang jedoch offiziell verwehrt worden. Die Aktion am heutigen Tag ist deshalb ein wichtiges Zeichen für katholische gleichgeschlechtliche Paare in Deutschland.

In der ganzen Bundesrepublik wurden Regenbogenfahnen an Kirchengebäuden gehisst, um auf die Segnungen und den Einsatz gegen Homophobie hinzuweisen. Insgesamt bekannten sich zudem fast 3000 Priester, Diakone, Ordensleute und kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter öffentlich dazu, gleichgeschlechtliche Paare segnen zu wollen.

Eine Regenbogenfahne weht vor der Autobahnkirche St. Christophorus
Eine Regenbogenfahne weht vor der Autobahnkirche St. Christophorus
Bild: dpa / Benedikt Spether

Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz kritisiert die Aktion

Doch es gibt auch Kritik an #liebegewinnt. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Georg Bätzing schreibt in einer Pressemitteilung unter anderem: "Segnungsgottesdienste haben ihre eigene theologische Würde und pastorale Bedeutung. Sie sind nicht als Instrument für kirchenpolitische Manifestationen oder Protestaktionen geeignet". Zudem halte er öffentliche Aktionen "nicht für ein hilfreiches Zeichen und einen weiterführenden Weg."

Andere formulieren ihre Kritik deutlich radikaler. So wurde zum Beispiel eine Regenbogenflagge von der Tür der Augustinerkirche in Würzburg gerissen, und in Wuppertal demonstrierten Gegner der Segnungen mit einem Plakat mit der Aufschrift "Kein Segen für die Sünde" vor der Basilika St. Laurentius.

Zuspruch vom katholischen LSBT+Komitee

Das katholische LSBT+Komitee, begrüßte die Aktion #liebegewinnt derweil in einer Stellungnahme: "Wir halten die Segnungsgottesdienste für Liebende, die um den 10. Mai geplant sind, für ein besonders wichtiges und hilfreiches pastorales Zeichen. Damit gibt die katholische Kirche vor Ort den Paaren die Würde und Akzeptanz zurück, die ihnen durch das harsche Nein aus Rom am 15. März abgesprochen wurde."

(nb)

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