Deutschland

Pranger für rechte Demonstranten – was die "Soko Chemnitz" mit Honig zu tun hat

Das "Zentrum für Politische Schönheit" hat seine umstrittene Aktion gegen mutmaßliche Rechte beendet und als "Honigtopf" entlarvt. Demnach sollten diese mit dem Online-Pranger angelockt werden und sich selbst identifizieren.

Mit diesen Worten löste die Gruppe ihren Online-Pranger "Soko-Chemnitz" auf – und sorgte für eine überraschende Wendung: Mutmaßliche Rechtsextreme sollten sich auf der Seite durch die Suche ihres eigenen Namen selbst identifizieren. Ein sogenannter "Honeypot", eine Falle, wie das Netzwerk auf der Soko-Chemnitz-Seite schreibt. 

Vergangenen Montag hatte das "Zentrum für politische Schönheit" öffentlich dazu aufgerufen, Teilnehmer der Chemnitzer Demonstrationen vom August und September dieses Jahres zu melden. In Chemnitz gäbe es auch ein Büro der "Soko Chemnitz", in dem Hinweise entgegengenommen und auch Belohnungen ausgezahlt werden sollen. "Denunzieren Sie noch heute Ihren Arbeitskollegen, Nachbarn oder Bekannten und kassieren Sie Sofort-Bargeld", lautete es auf eigens erstellten Internetseite. Ziel sei es, "den Rechtsextremismus 2018 systematisch" zu erfassen und unschädlich zu machen.

Nur wenige Tage später dann die Wendung: "Wir bauten eine Webseite mit einem einzigen Ziel: Ihr liefert uns Euer gesamtes Netzwerk selbst aus und zwar ohne es zu merken", schreibt die Gruppe auf der Seite, und adressiert den Eintrag an die rechte Szene. Bei der Aktion seien "1552 ermittelten Teilnehmerinnen und Teilnehmer" identifiziert worden. "Danke für das vorzeitige Weihnachtsgeschenk", heißt es weiter.

Laut einem Bericht der "Berliner Morgenpost" habe das Netzwerk über 2,6 Millionen Aufrufe der Seite in knapp drei Tagen gezählt. Die Suchfunktion habe Sucheingaben nach Relevanz gewichtet. 

Nach eigenen Angaben der Gruppe, habe jeder Besucher der Seite lediglich eine Auswahl aus 20 Profilen pro Kategorie zu sehen bekommen. 

Dabei sei ein "riesiger Datenschatz" entstanden, der nun über einen Algorithmus ein weites Netzwerk des Rechtsextremismus in Deutschland abbilden könne. Im Schnitt sei nach 6.72 Freunden oder Bekannten gesucht worden, wie die Gruppe auf der Seite schreibt.

Die Aktion war scharf kritisiert worden.

Unter anderem wurden Diskriminierungsvorwürfe und datenschutzrelevante Bedenken gegen das "Zentrum für politische Schönheit" laut. Einzelne Nutzer sahen darin auch eine Kritik an der groß angelegten Öffentlichkeitsfahndung der Polizei Hamburg nach den G20-Krawallen. Das "Zentrum für politische Schönheit" gab außerdem vor, "computergesteuerte Gesichtserkennung" eingesetzt zu haben und versteht die Aktion als Empfehlung, "diese legalen Technologien unverzüglich zu verbieten." Mindestens neun Strafanzeigen wurden laut einem Bericht des "Tagesspiegels" gegen das ZPS eingereicht. Der Deutsche Kulturrat sprach von einer "problematischen Kunstaktion". Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums betonte, eine Strafverfolgung liege beim Staat "und da solle es auch bleiben".

Zudem gab es Hinweise, dass Bilder gegen den Willen der Fotografen genutzt würden. Das teilte das Jüdische Forum für Demokratie und Antisemitismus (JFDA) auf Twitter mit. Man habe eine Kooperationsanfrage im Vorfeld ausdrücklich abgelehnt und werde rechtliche Schritte einleiten. Das "Zentrum für politische Schönheit" reagierte und schrieb, man werde sich kümmern. 

(aj/pb/dpa)

Rechtsextremismus

Warum das BKA rechtsextreme Feindeslisten nicht Feindeslisten nennen will

Link zum Artikel

"Sie bereiten sich vor": Experte warnt vor rechten Schläfer-Zellen und nennt Details

Link zum Artikel

Synagogen, Abschiebung und "linke Zecken" – TV-Polizist Toto hält Rede im AfD-Sprech

Link zum Artikel

Der Strache-Skandal zeigt, was eine AfD-Regierung für Deutschland bedeuten würde

Link zum Artikel

Neonazis in Plauen: Neu ist nur die öffentliche Aufmerksamkeit

Link zum Artikel

Nach Absage an AfD: Rechte hetzen gegen Berliner Lokal – wir haben vor Ort nachgefragt

Link zum Artikel

So instrumentalisieren rechte Ideologen den Brand von Notre-Dame für ihre Zwecke

Link zum Artikel

Aus 7 wird 1: So brach die AfD im EU-Parlament auseinander

Link zum Artikel

Falscher Professor? Vorwürfe gegen einen AfD-Europakandidaten

Link zum Artikel

Wer Mövenpick-Eis kauft, unterstützt die AfD? Warum das falsch ist

Link zum Artikel

4 Aussagen des Botschafters aus Israel – gegen die AfD

Link zum Artikel

"Sprache dient immer auch dazu, Gewalt zu rechtfertigen oder zu verurteilen"

Link zum Artikel

Früherer Landesparteichef Poggenburg verlässt AfD – und will wohl neue Partei gründen

Link zum Artikel

Rechtsextreme bei der hessischen Polizei – 7 Fragen und Antworten zu den Ermittlungen

Link zum Artikel

"Einsame Wölfe" – so groß ist die Gefahr durch rechtsterroristische Einzeltäter

Link zum Artikel

Wie Reichsbürger in gelben Westen eine Autobahn lahmlegen wollten 

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

Luke Mockridge im ZDF-"Fernsehgarten": Sender widerspricht bisheriger Darstellung

Link zum Artikel

Vom Problemschüler zum Jura-Studenten: An Dennis hat früher niemand geglaubt

Link zum Artikel

Erzieherin: "Was viele Kollegen in Kitas tun, ist eigentlich Kindesmisshandlung"

Link zum Artikel

Miese Götze-Meldung lässt Fans wüten: "Mein Herz blutet"

Link zum Artikel

Almklausi kollabiert bei "Promi Big Brother" – Sat.1 wird scharf kritisiert

Link zum Artikel

Jede Menge Regelverstöße bei "Promi Big Brother" – doch der Sender ahndet das nicht

Link zum Artikel

Coutinho verrät seine Lieblingsposition – und bringt die Bayern damit in ein Dilemma

Link zum Artikel

Nach Tod von Ingo Kantorek: RTL 2 schneidet einige Szenen aus "Köln 50667"

Link zum Artikel

Segler-Paar über Gretas Segelreise: "Als würde man sich in eine Rakete setzen"

Link zum Artikel

"Promi Big Brother": Zlatko ist raus – warum er scheiterte und was er über Jürgen sagt

Link zum Artikel

Wie Salihamidzic die Transfers des FC Bayern vergeigte – und die Spieler dies ausnutzten

Link zum Artikel

Greta Thunberg liest auf dem Segelboot "Still" – was das über sie aussagt

Link zum Artikel

"Promi BB": Kollege von Bewohnerin stirbt – so wird Janine vom Tod erfahren

Link zum Artikel

Zuschauer stellt Höcke NPD-Frage – bei seiner Antwort schmunzelt er

Link zum Artikel

Warum der FC Bayern derzeit an sich selbst scheitert – und was das mit Sané zu tun hat

Link zum Artikel

Kuss bei "Promi Big Brother" war peinlich? Von wegen: Hier kommt Stalker Joey Heindle

Link zum Artikel

BVB-Doku auf Amazon zeigt Trauma des Anschlags – so nah waren wir noch nie dran

Link zum Artikel

Heidi Klum postet Grotten-Foto – und muss nach Shitstorm den Beitrag ändern

Link zum Artikel

Perisic richtet Worte an Sané – und erklärt, was er nach dem Bayern-Anruf tat

Link zum Artikel

Warum Whatsapp für das iPhone massiv überarbeitet werden muss

Link zum Artikel

FC Bayern stellt Perisic auf Instagram vor – viele Fans sind wütend

Link zum Artikel

"Promi Big Brother": Beliebter Kandidat sollte keine Sendezeit bekommen

Link zum Artikel

"Steh da wie ein Spacko" – Lena Meyer-Landrut kotzt sich bei ihren Fans aus

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Diese Erklärungen des Rechtsradikalismus sind 52 Jahre alt – und erschreckend aktuell

Die "Aspekte des neuen Rechtsradikalismus" sollten eigentlich nie zu einem Buch werden. Der Philosoph Theodor W. Adorno hielt 1967 lediglich einen Vortrag mit diesem Titel, frei gesprochen, nur mit einigen handschriftlichen Notizen. Vor einer Gruppe sozialistischer Studenten in Wien erklärte Adorno damals das Wiedererstarken rechtsextremer Parteien und Bewegungen im Westdeutschland der Nachkriegszeit. Erst vier Jahre zuvor war die NPD gegründet worden, kurze Zeit später wurde sie in vier …

Artikel lesen
Link zum Artikel