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Hat zumindest eine Debatte angestoßen: Kevin Kühnert. Bild: imago/watson-montage

"Realitätsfern und unsozial" – Wohnungsverband kritisiert Kühnerts Kollektivierungspläne

Kevin Kühnert muss sich gerade einiges anhören. Und das nicht nur vom politischen Gegner.

Der Vorsitzende der SPD-Nachwuchsorganisation hatte in einem Interview mit der "Zeit" zum Thema Sozialismus gesagt, dass er für eine Kollektivierung großer Unternehmen "auf demokratischem Wege" eintritt: "Mir ist weniger wichtig, ob am Ende auf dem Klingelschild von BMW 'staatlicher Automobilbetrieb' steht oder 'genossenschaftlicher Automobilbetrieb' oder ob das Kollektiv entscheidet, dass es BMW in dieser Form nicht mehr braucht."

Daraufhin sprach der Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) von einem "verschrobene(n) Retro-Weltbild eines verirrten Fantasten". CDU-Vize Thomas Strobl sagte: "30 Jahre nach dem Niedergang der DDR wollen die Linken wieder den demokratischen Sozialismus." Und CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak zeigte sich in der "Rheinischen Post" "fassungslos über den Zustand der ehemaligen Volkspartei SPD".

Doch nicht nur die Union schoss scharf. Auch aus der SPD waren deftige Töne zu hören: "Was hat der geraucht?", polterte etwa Johannes Kahrs auf Twitter.

Die Kollektivierungsfantasien mit Blick auf den deutschen Automobilkonzern brachten Kühnert die meiste Kritik ein. Kühnert hatte sich in dem "Zeit"-Interview aber nicht nur Gedanken über Großbetriebe gemacht, sondern auch eines der wohl zurzeit meistdiskutierten Themen aufgegriffen: 'Wohnen'.

Kühnert sagte der "Zeit", dass er nicht finde, dass es ein legitimes Geschäftsmodell sei, mit dem Wohnraum anderer Menschen seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. "Konsequent zu Ende gedacht, sollte jeder maximal den Wohnraum besitzen, in dem er selbst wohnt." Noch besser seien genossenschaftliche Lösungen, im Optimalfall gebe es überhaupt keine privaten Vermietungen mehr.

Der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen GdW, der größte Dachverband der Wohnungswirtschaft, kann den Vorschlägen Kühnerts wenig abgewinnen. Der Verband vertritt bundesweit und auf europäischer Ebene kommunale, genossenschaftliche, kirchliche und privatwirtschaftliche Wohnungsunternehmen.

Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW, teilt watson auf Anfrage mit:

"Die Versorgung mit Wohnraum auf derart extreme Weise einzuschränken, wie der Bundesvorsitzende der Jusos es fordert, ist realitätsfern, unsozial und schadet letztlich allen Bürgerinnen und Bürgern."

Statt Phantasien von Verstaatlichung brauche es schnell mehr bezahlbarer Wohnraum für alle Menschen, kritisiert Gedaschko. Und den bekomme man nur durch schnellere Grundstücksvergaben und Genehmigungsverfahren, den Ankauf von Belegungsrechten, den Bau von viel mehr Preiswerten und Sozialwohnungen und eine Förderung der Akzeptanz von Wohnungsneubau in der Bevölkerung.

Für Gedaschko habe Kühnerts Idee eine neue Dimension, weil darin ein klarer Bruch mit dem Leitbild der sozialen Marktwirtschaft stecke, "der in seiner Radikalität in keinem Land Europas – unter welcher Regierung auch immer – für erfolgversprechend gehalten wird."

Der Politikwissenschaftler Wolfgang Merkel verteidigt indes den Juso-Chef. Der habe zumindest eine überfällige Debatte angestoßen, sagte er im RBB Inforadio. Und: Von wem sonst als von den Jusos sollten solche Impulse kommen, fragte er und fügte hinzu: "Die Jusos müssen ein Stachel sein im Leib der SPD."

(ts/dpa)

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