Gänsehaut pur! Der 13 Jahre alte Nikita Semenow (M.) war kürzlich aus der Ukraine geflüchtet und durfte nun das Benefizspiel in Dortmund eröffnen.
Gänsehaut pur! Der 13 Jahre alte Nikita Semenow (M.) war kürzlich aus der Ukraine geflüchtet und durfte nun das Benefizspiel in Dortmund eröffnen. Bild: Revierfoto / Revierfoto

Tränenreiches Zeichen für Frieden: Emotionales Feuerwerk bei Benefizspiel in Dortmund

27.04.2022, 12:07

Der Krieg in der Ukraine wütet nun schon seit neun Wochen. Familien wurden entzweit, Existenzen zerstört und Leben gelassen. Angesichts des Krieges war die Stimmung beim Benefizspiel zwischen Borussia Dortmund und Dynamo Kiew (2:3) am Dienstagabend hochemotional. Es folgte ein rührender Moment im Stadion auf den anderen. Gänsehaut pur.

Tränen des Schmerzes und der Hoffnung im Dortmunder Westfalenstadion

Schon vor der Partie hatte Kiews Bürgermeister Wladimir Klitschko in einer bewegenden Videobotschaft den Veranstaltern und Unterstützern der Ukraine im Kampf gegen die russischen Invasoren gedankt.

Die ukrainische Sängerin Julija Sanina sang anschließend sichtlich emotional die Nationalhymne – und berührte damit Spieler, Trainer und Zuschauer. Tränen des Schmerzes und der Hoffnung führten noch vor dem Anpfiff zu einem unvergesslichen Moment.

Es war ein Friedensspiel. Das war ganz deutlich zu spüren – und der Ausdruck gewann dabei noch einmal mehr an Bedeutung als bei anderen Spielen dieser Art. Denn die Sehnsucht nach Frieden schien allgegenwärtig. "Stoppt den Krieg", "Wir stehen mit der Ukraine" oder schlicht "Frieden" stand auf Plakaten, die die Zuschauertribüne säumten. Als die Spieler zu den Klängen der legendären Fußball-Hymne "You'll never walk alone" den Rasen betraten, waren die Gäste teilweise in ukrainische Landesflaggen gehüllt und sichtlich gerührt.

Wo sonst Schwarz-Gelb regiert, bestimmten an diesem Abend die Farben Blau und Gelb der Ukraine die Szenerie.
Wo sonst Schwarz-Gelb regiert, bestimmten an diesem Abend die Farben Blau und Gelb der Ukraine die Szenerie.Bild: dpa / Bernd Thissen

Sehnsucht nach Frieden: Aus dem Krieg aufs Fußballfeld

Für einen der vielen hochemotionalen Momente in dem Stadion sorgte der 13 Jahre alte Nikita Semenow. Als er beim Anstoß auf Erling Haaland passte und damit das Spiel eröffnete, zeigten sich viele der 35.000 Zuschauer im Dortmunder Westfalenstadion bewegt. Der Grund ist das, was Semenow in den vergangenen Wochen erleben musste: Mit seiner Mutter war der Nachwuchsfußballer von Dynamo Kiew aus einem Luftschutzbunker über Polen nach Berlin geflüchtet. Nun durfte er das Benefizspiel zwischen der Borussia und dem ukrainischen Klub eröffnen.

Es war nur einer von vielen großen und kleinen Momenten, die die Sehnsucht nach Frieden und den Zusammenhalt verdeutlichten. Auch der ukrainische Spieler Alan Aussi durfte gemeinsam mit den Anwesenden seinen besonderen Moment erleben. Der 20-Jährige war erst vor zwei Monaten aus der Ukraine nach Dortmund geflohen, spielt dort in der 2. Mannschaft. Der junge Mann wurde in der 30. Minute unter tosendem Applaus eingewechselt.

Auch außerhalb des Spielfelds fanden sich zahlreiche vom Schicksal getroffene Menschen. Etwa Iwan Matwijtschuk aus der U17 von Schachtjor Donezk, der mit seiner Mutter und seinem Großvater aus der Ukraine geflüchtet war und momentan in Dortmund lebt. Er half Stadionsprecher Norbert Dickel beim Verlesen der Aufstellungen.

Der Sieg im Spiel? Reine Nebensache

Dass der BVB gegen Dynamo am Ende 2:3 (1:3) verlor, war nur Nebensache. "Mir war eine Niederlage noch nie so unwichtig wie heute", sagte BVB-Trainer Marco Rose. Wo sonst Schwarz-Gelb regiert, bestimmten an diesem Abend die Farben Blau und Gelb der Ukraine die Szenerie. "Stop War" stand auf den Banden und gefühlt in den Herzen der Zuschauer und Spieler. Ukrainer konnten Freikarten für das Spiel buchen, allen Fans wurden Solidaritätsarmbänder angeboten.

"Es geht darum, ein Zeichen zu setzen – und ein wenig Geld zu verdienen", sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke im ZDF, das live übertrug. Die stolze Zahl von 400.000 Euro kam schließlich zusammen. "Wir werden damit etwas Ordentliches machen, wir haben da viel Erfahrung", sagte Watzke.

"Wir hoffen, dass wir bald auch in der Ukraine wieder solche Spiele spielen können. Ich bete jeden Tag, dass es so schnell wie möglich zu Ende ist. Leider sehen wir kein Ende"
Andrej Voronin

Der frühere Bundesliga-Profi Andrej Voronin bedankte sich für die Unterstützung. "Wir hoffen, dass wir bald auch in der Ukraine wieder solche Spiele spielen können. Ich bete jeden Tag, dass es so schnell wie möglich zu Ende ist. Leider sehen wir kein Ende", sagte der langjährige Nationalspieler der Ukraine. "Es ist eine humanitäre und menschliche Katastrophe. Wir wollen Signale aussenden, mehr können wir leider nicht tun", meinte BVB-Trainer Rose.

(ast / mit Material von dpa)

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