Deutschland
Bild

Bodo Ramelow wollte Christine Lieberknecht übergangsweise zur Regierungschefin machen. Nachdem die CDU eine längerfristige Übergangsregierung forderte, will Lieberknecht nun nicht mehr. Bild: imago images / Christian Grube

Thüringen: Lieberknecht steht nicht mehr als Ministerpräsidentin zur Verfügung

Die frühere Thüringer CDU-Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht hat ihre Bereitschaft zurückgezogen, eine Übergangsregierung anzuführen. "Ich bin aus der Debatte raus", sagte sie am Mittwochmorgen der "Thüringer Allgemeinen".

Sie habe sich von Anfang an nur für den Vorschlag von Ex-Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) bereit erklärt. Der Widerspruch zu ihrer eigenen Partei, der CDU, die keine schnellen Neuwahlen will, lasse sich nicht auflösen.

Der CDU gab sie dabei noch einen Rat mit: Ramelow wählen. "Wer jetzt keine Neuwahlen will, muss Bodo Ramelow mit verlässlicher Mehrheit zurück ins Ministerpräsidentenamt verhelfen und dann am besten mit ihm in eine Regierung gehen, ob das nun Projekte-Regierung oder anders heißt", sagte sie weiter.

Sie selbst werde dabei aber keine Rolle spielen. "Ich hatte mich gegenüber Bodo Ramelow und dann auch gegenüber meiner Partei als Übergangsministerpräsidentin bereit erklärt, um den gordischen Knoten zu lösen. Es zeigt sich aber, dass dies nicht funktioniert, weil die Interessen diametral gegeneinander stehen."

Ramelow hatte Lieberknecht ins Spiel gebracht

Ramelow hatte Lieberknecht als Ministerpräsidentin einer technischen Übergangsregierung ins Gespräch gebracht, die mit einem kleinen Kabinett binnen 70 Tagen Neuwahlen in Thüringen auf den Weg bringt. Die Thüringer CDU akzeptierte zwar Lieberknecht als Personalvorschlag. Sie verlangte aber, dass diese ein aus Experten besetztes vollständiges Kabinett führen und einen neuen Landeshaushalt durch den Landtag bringen sollte. Dies hätte Neuwahlen über Monate verzögert.

CDU-Landtagsfraktionschef Mike Mohring erklärte den Rückzug Lieberknechts vor einer Sitzung der Fraktion mit unterschiedlichen Auffassungen zu den Zeitplänen. "Es gibt unterschiedliche Auffassungen über den Zeitrahmen des Übergangs." Der CDU-Vorschlag hätte eine Übergangsregierung für maximal ein Jahr bedeutet.

SPD-Landeschef Wolfgang Tiefensee schrieb bei Twitter, die CDU habe mit ihrem Gegenvorschlag Ramelows Angebot "pervertiert und damit verantwortungslos provoziert". Es sei verständlich und bedauerlich, dass Lieberknecht sich zurückgezogen habe. "Die CDU trägt die Verantwortung für ihren Rückzug."

Wie es nun weitergeht, ist offen. Linke, SPD, Grüne und CDU erklärten am Dienstagabend nach Beratungen, bis Freitag einen Vorschlag für einen Ausweg aus der Regierungskrise vorlegen zu wollen. Bei Twitter schrieb Ramelow: "Von CDU und FDP habe ich bislang keinen Vorschlag gehört, wie Thüringen endlich zu einer handlungsfähigen Landesregierung kommen könnte."

(om/afp)

1
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Hansi Daurippel 19.02.2020 10:54
    Highlight Highlight Typisch CDU, sie sind und bleiben eben doch nur Rechte oder die konservative Mitte wie sie sich gerne selber sieht. Dabei ist das ja an sich schon ein Widerspruch in sich. Nur doof das es eigentlich egal ist wann die Neuwahlen angesetzt werden. Die CDU wird eh nur noch drittstärkste Kraft. Wieviel % wird für die erwartet 12 %. Herbert Wehner schaut von seiner Wolke herab und grinst sich eins.

Klo-Deal mit der CDU? Bodo Ramelow dementiert

Das Thüringer Wahldebakel sorgt auch eine Woche später noch für einige Nachbeben. So tauchte am Mittwoch plötzlich eine neue Version der Geschichte auf. Bodo Ramelow soll einen "Klo-Deal" mit Mike Mohring von der CDU abgeschlossen haben. Doch der Linken-Politiker dementiert das umgehend.

Angefangen hatte alles mit einem Facebook-Post Ramelows. Unter dem hatte ein User in den Kommentaren gefragt, warum sich der abgewählte Ministerpräsident freiwillig zur Wahl gestellt habe, wenn er gewusst habe, …

Artikel lesen
Link zum Artikel