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Maybrit Illner sorgt am Ende der Sendung für Lacher. Bild: screenshot ZDF

"Markus Söder" statt "Markus Lanz": Moderatorin sorgt nach Impfstoff-Debatte für Lacher

maik mosheim

Die Impfstoff-Forschung macht riesige Fortschritte. Mit dieser guten Nachricht beginnt die Donnerstagsabend-Sendung "Maybrit Illner" im ZDF. Doch bei aller Freude ist eins ganz wichtig: Die Pandemie wird auch mit einem Impfstoff nicht in wenigen Monaten beendet sein.

Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit konkretisiert: "Der Impfstoff ist nur ein Baustein".

Außerdem in der Runde zu Gast:

Was ist passiert? Das Mainzer Unternehmen Biontech hat am Montag via Pressemitteilung verkündet, dass die ersten Tests mit dem potenziellen Covid-19-Impfstoff von Biontech und dem US-Pharmariesen Pfizer eine Wirksamkeit von über 90 Prozent ergaben, ein sehr hoher und zu großer Zuversicht animierender Wert. Eine Zulassung soll es Stand jetzt noch in diesem Jahr geben. Die Wirkweise des Impfstoffs könnte zudem bahnbrechend für die Forschung sein.

Bei aller Freude herrscht auch Vorsicht

Auch wenn sich alle Gäste der Runde über die positive Entwicklung freuen, ist aus vielen Mündern auch Vorsicht zu hören. Oft ist an diesem Abend das kleine Wörtchen "aber" zu hören. Das "aber" steckt in diesem Fall vor allem darin, dass man bislang keine Studienergebnisse zu dem Impfstoff kennt, diese hat Biontech bislang nicht herausgegeben. Die Studie ist außerdem noch nicht beendet. Daraus resultieren dann auch verhaltene Aussagen.

"Wir müssen sehr vorsichtig diese Daten anschauen."

Stefan Kluge

Das sagt zum Beispiel Stefan Kluge. Der Mediziner ist in seiner beruflichen Funktion einer derjenigen, der wahrscheinlich priorisiert behandelt werden wird, wenn es dann einen Impfstoff gibt. Um alle Menschen zu impfen, wird es nicht genug Dosen geben, das scheint klar. Nach der Empfehlung der Ständigen Impfkommission werden es wohl Risikogruppen und systemrelevante Berufe sein, die zuerst den Impfstoff bekommen.

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Die Runde bei "Maybrit Illner". Bild: screenshot ZDF

Trotz Impfstoff-Hoffnung: Die Corona-Lage ist weiter kritisch

Der Impfstoff ist allerdings noch nicht da und wann er genau kommt, ist ebenfalls unklar. Und die sonstige Lage macht momentan wenig Grund zur Hoffnung. 20.000 Neuinfektionen pro Tag sind derzeit keine Seltenheit, die Zahl der Todesfälle steigt auch an. Der "Lockdown light" ist nun knapp eineinhalb Wochen alt, echte Auswirkungen lassen sich in den Zahlen aufgrund deren Beschaffenheit bislang noch nicht feststellen.

Am Montag treffen sich die Ministerpräsidenten der Länder mit Kanzlerin Merkel um ein Zwei-Wochen-Fazit zu ziehen. Wie sinnvoll das ist, ist umstritten, mittlerweile ist bekannt, dass die Infektionszahlen von heute eigentlich das Infektionsgeschehen von vor ungefähr zwei Wochen abbilden.

Illner provoziert Dreyer-Statement

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hatte dafür plädiert, das Treffen eine Woche nach hinten zu verschieben, da sich ein Treffen am Montag noch nicht lohne. Das sehen die Ministerpräsidenten Michael Kretschmer und Malu Dreyer anders.

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Malu Dreyer hält Treffen am Montag für sinnvoll. Bild: screenshot ZDF

Beide halten das Treffen für sinnvoll, auch wenn noch nicht fundiert über mögliche Anpassungen geredet werden könne. In der Sendung will Dreyer keine klare Aussage abgeben, was sie sich denn erhoffe, verweist auf das geplante Treffen. Illner provoziert dann doch noch ein Statement von der Ministerpräsidentin.

"Ich finde es im Moment ein bisschen falsch, über schärfere Maßnahmen nachzudenken."

Malu Dreyer

Wie das dann allerdings in einer Woche aussieht, wird sich zeigen.

Einigkeit, wo man nur hinschaut

Was an diesem Abend auffällt: Die Runde ist sich erstaunlich einig. Bestes Beispiel: Die Debatte um das Corona-Papier von Virologe Jonas Schmidt-Chanasit und weiteren Medizinerkollegen, das Ende Oktober veröffentlicht wurde. Eine der Kernaussagen darin – mehr Gebote statt Verbote, mehr Appell an die Eigenverantwortlichkeit. Aber das Papier sagt auch: Das geht nur, wenn die Zahlen weit genug unten sind.

Alena Buyx, Vorsitzende des Deutschen Ethikrats hat eine weniger positive Meinung dazu.

"Ich muss sagen, ich fand dieses Papier zu dem Zeitpunkt als es kam erstaunlich und auch problematisch."

Alena Buyx

Denn an diesem Punkt habe es klare Regeln und auch Verbote gebraucht, ansonsten hätte die Situation heute ganz anders ausgesehen. Was in einer ernsten Diskussion hätte enden können, tut Schmidt-Chanasit dann einfach ab. Es seien sich alle einig. Na dann ist doch alles super.

Sachsen und sein Ministerpräsident im Corona-Taumel

Für Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer ist aber nicht alles super. Der CDU-Politiker hat momentan nicht den leichtesten Stand, nachdem er über den Sommer einen der deutschlandweit lockersten Wege mit seinem Bundesland gegangen war. Jetzt weist Sachsen stark gestiegene Zahlen auf – und die Kritik an Kretschmers Politik wächst. Der sieht rückblickend aber keine Fehler. "Es war ein sehr erfolgreicher, touristischer Sommer", sagt er. Jetzt habe sich die Situation geändert und jetzt müsse man reagieren.

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Michael Kretschmer ist via Skype zugeschaltet. Bild: screenshot ZDF

Dass die große Anti-Corona-Demo am vergangenen Wochenende nun auch noch in Sachsen, genauer gesagt in Leipzig stattfand, hält Kretschmer aber nicht für bezeichnend. "Wir alle wollen solche Bilder nicht nochmal sehen", erklärt er dazu und behält sich klare Statements zu Sachsens Corona-Politik vor. Eine bemerkenswerte Aussage hinsichtlich der Anti-Virus-Proteste äußert Kretschmer dann aber noch.

"Es droht uns zu zerreißen."

Michael Kretschmer

Er meint damit die Gefahr der fortschreitenden gesellschaftlichen Spaltung angesichts der großen Zahl an Menschen, die Corona entweder nicht ernst nehmen oder sogar leugnen. Damit es uns nicht zerreißt, braucht es seiner Ansicht nach ein gemeinsames Vorgehen gegen die Widerspenstigen und Corona-Unbelehrbaren.

Wenn die Moderatorin für die Lacher sorgt

Zum Ende hin möchte Moderatorin Illner ein großes Thema schnell noch klein abhandeln: Die neue Corona-Teststrategie des Robert-Koch-Instituts. Das geht nicht zunächst so ganz gut: Sie spricht von der veränderten "Impfstrategie" und sorgt damit für verwunderte Gesichter. Während des Sprechens bemerkt sie ihren Fehler, hält inne, korrigiert sich, bringt Virologe Schmidt-Chanasit zum Lachen und moderiert ihren Fauxpas galant ab.

"Kleiner Lapsus, große Wirkung."

Maybrit Illner

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Maybrit Illner schmunzelt über ihren eigenen Fauxpas. bild: screenshot zdf

Als sie dann die Sendung beendet und an die nachfolgende Sendung "Markus Söder" übergeben will, sorgt das für ehrliches, herzhaftes Lachen aus der Runde. Nicht "Markus Söder", sondern "Markus Lanz" mit dem Gast Markus Söder, durfte dann natürlich wie gewohnt übernehmen. Und alle hatten noch was zu lachen.

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    Alle Leser-Kommentare
  • stahlbau-grauerwolf 13.11.2020 11:06
    Highlight Highlight mal im Klartext:
    Kinder und Erwachsene die den Krieg erlebt haben kommen mit der ganzen Sache Lebenseinschränkung etc. absolut besser klar.
    Was ich anprangere und kritisch betrachte ist die Inkonsquente
    Tätigkeit unserer Regierung.
    Von der ersten Welle bis jetzt sog. zweite Welle ist viel zeit
    vergangen.
    Wie hat man die genutzt, um dem entgegenzuwirken ?!
    Die Wissenschaft hat rechtzeitig hingewiesen und inf.
    Wo ist die einheitliche Langzeitstrategie gegen Corona ?
    Nun, da steht ja ein neuer Parteivorsitzender der CDU an,
    Bundestagswahlen; nur nichts falsch machen für den machterhalt.
    Schande
    • Wotan 13.11.2020 14:46
      Highlight Highlight Man kann ja wohl nicht Kriegszeiten mit einer Virus Epidemie vergleichen, wie sie regelmäßig vorkommt und eine abstrakte Gefährung, nicht aber eine konkrete Gefahr bedeutet.
    • stahlbau-grauerwolf 13.11.2020 19:03
      Highlight Highlight Wotan, nehmen Sie bitte unmißverständlich zur Kenntnis,
      ich habe in dieser Sache keinen Vergleich getroffen, sondern
      eine Feststellung gemacht.
    • Wotan 13.11.2020 19:27
      Highlight Highlight ja, das stimmt. Ich wehre mich nur generell dagegen, dass dieser Corona Vorgang mit wirklichen Krisen, wenn auch nur sprachlich, in Verbindung gebracht wird,so wie die ständigen Nazi-Vergleiche (was Sie aber nicht getan haben!)

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