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Bild: Jörg Carstensen/dpa/Chris Grodotzki / Jib Collective/Sea-Watch.org/dpa/imago images/Revierfoto

ZDF weist Kritik an Dunja Hayalis Interview mit Carola Rackete zurück

Es war eine Premiere am Mittwochabend im ZDF: Die ehemalige Kapitänin der "Sea Watch 3", Carola Rackete, war zum ersten Mal in einer Talkshow eingeladen und das bei Dunja Hayali. Dort verteidigte sie ihre Rettungsaktionen und sagte, dass sie bereit wäre, wieder Geflüchtete zu retten. Nach der Sendung hagelte es Kritik für die Moderatorin – nun hat das ZDF dieser gegenüber watson widersprochen.

Für den Auftritt von Rackete wurde Hayali schon im Vorfeld massiv angegangen. So war in den sozialen Medien von "einseitiger Parteinahme", "Grünfunk" oder "Dauerwerbesendung" auf "Kosten der GEZ-Gebühren" zu lesen. Die Vorwürfe kamen vor allem aus der politisch konservativen bis rechten Ecke. Doch auch nach der Sendung riss die Kritik von dort nicht ab. Kritiker werfen Dunja Hayali vor, sie habe sich inhaltlich auf die Seite der Seenotretterin gestellt.

Wer ist Carola Rackete und warum wird sie angefeindet?

Die 31-Jährige aus Niedersachsen war Ende Juni mit Dutzenden Migranten an Bord ohne Erlaubnis der Regierung in Rom in italienische Gewässer und in den Hafen von Lampedusa gefahren. Dabei hatte sie ein Schiff der Finanzpolizei, die zu den Streitkräften gehört, gestreift, so der Vorwurf. Sie wurde festgenommen und unter Hausarrest gestellt – anschließend aber wieder freigelassen.
Im Juli teilte ihr Anwalt mit, dass Rackete nicht mehr Teil der "Sea Watch 3"-Besatzung sei.
Mit der Rettung der 53 Geflüchteten aus dem Mittelmeer stieß die Kapitänin auf viel offene Ablehnung – allen voran vom italienischen Innenminister Matteo Salvini.

Kommentatoren kritisieren Dunja Hayali für das mit Interview mit Carola Rackete

"Rackete darf simple Antworten geben, und Hayali hakt nicht nach", kritisierte beispielsweise die "Welt". Auf Twitter und Facebook, etwa unter dem entsprechenden "Welt"-Post zum Artikel, finden sich Dutzende Kommentare, in denen Hayali für ihre Interview-Führung kritisiert wird. "Es ist schon erschreckend, mit wie viel Naivität dieses Interview geführt wurde", schreibt ein User zum Beispiel.

Die Kritik richtet sich unter anderem gegen einen Moment in der Sendung, in dem Dunja Hayali zunächst sagt, Carola Rackete habe gefordert, alle Klimaflüchtlinge aufzunehmen.

Hayali fragt Rackete dann:

"Haben Sie Verständnis für die Menschen, die sagen: 'Jetzt reicht es aber auch'?"

Carola Rackete antwortet: "Nee, eigentlich nicht." Sie spricht von einer Verantwortung, die Deutschland habe und erntet Applaus im Publikum. Kommentatoren in sozialen Netzwerken kritisierten, dass Hayali an dieser Stelle nicht nachgehakt habe.

Das sagt das ZDF zur Kritik an Dunja Hayali:

Das ZDF wehrt sich gegen die Kritik, Hayali habe nicht kritisch nachgefragt. Auf Anfrage von watson teilt der Sender mit:

"Diese Kritik ist nicht ganz nachvollziehbar. Dunja Hayali hat in dem Interview mit Carola Rackete mehrfach kritisch nachgefragt. So wurde zum Beispiel nach dem Pull-Faktor gefragt."

Tatsächlich fragte Hayali im Anschluss auf Racketes obige Antwort nach dem "Pull-Effekt", wonach Seenotrettung die Menschen verleite, die Flucht übers Mittelmeer auf sich zu nehmen. Dieses sogenannte Pull-Faktor-Argument ist allerdings von vielen Wissenschaftlern widerlegt.

Weiter sagt das ZDF:

"Auch die Überforderung von Ländern wie Italien und Griechenland wurde angesprochen.In der Kürze des Interviews wurden wichtigen Punkte angesprochen, obwohl in einem solchen begrenzten Zeitrahmen natürlich immer noch Fragen offen bleiben."

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(hd/hau)

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