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Bei Markus Lanz gibt Manfred Weber nach verlorener Wahl zum EU-Kommissionspräsidenten zu: "Es schmerzt!" ZDF/Screenshot

Manfred Weber gesteht Markus Lanz nach EU-Postenpoker: "Es tut absolut persönlich weh!"

deana mrkaja

Manfred Weber macht gute Miene zum bösen Spiel: Der CSU-Politiker wollte EU-Kommissionspräsident werden – und musste dann jedoch Ursula von der Leyen (CDU) den Vortritt lassen. Bei Markus Lanz am Donnerstagabend wird seine Enttäuschung deutlich.

"Es schmerzt. Es tut absolut persönlich weh."

Manfred Weber über die verlorene Wahl zum EU-Kommissionspräsidenten

Es sind klare Worte, die der Fraktionsvorsitzende der Europäischen Volkspartei im EU-Parlament an diesem Abend findet. Die Enttäuschung über die verlorene Wahl sitzt offenbar tief. Doch was Manfred Weber noch mehr schmerzt als das, sei der Schaden, der der Europäischen Union durch diesen Postenpoker zugefügt wurde.

"Die Idee eines demokratischeren Europas wurde damit zerstört", fasst der 47-Jährige das Geschacher um den Spitzenposten zusammen. Weber kritisiert, nicht die Bürger der Europäischen Union hätten bei der Wahl zum Kommissionspräsidenten das Sagen gehabt, sondern die Regierungschefs der Länder. Und hierbei hatte der CSU-Politiker einige Gegner: den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán und allen voran den französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron.

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Manfred Weber (r.) glaubt, dass durch die Wahl von der Leyens Europa großer Schaden zugefügt wurde. zdf/screenshot

Letzterer warf ihm in der Vergangenheit vor, nicht genug Erfahrung für den Posten des Kommissionschefs mitzubringen. Die im Studio anwesende Journalistin Eva Quadbeck, die den Prozess genau mitverfolgt hat, glaubt eher, dass es Macron darum gegangen sei zu zeigen, wer die Hosen in Europa anhat, sobald Kanzlerin Angela Merkel sich von der politischen Bühne verabschiedet.

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Journalistin Eva Quadbeck über Manfred Weber: "Er hat sich absolut konstruktiv verhalten." zdf/Screenshot

Und Macron konnte sich durchsetzen: Am Ende musste Weber dabei zusehen, wie statt seiner Person eine andere das Spitzenamt der EU bekam: die ehemalige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen.

Quadbeck sagt dazu: "Manfred Weber ist den Marathon gelaufen, hat ihn gewonnen, musste dann aber seinen Titel einfach an von der Leyen abgeben." Zudem glaubt sie, dass Macron von der Leyen mehr möge, weil sich die beiden ähnlicher seien – beide eher elitär, hochgebildet und auf internationalem Politparkett sicher.

Weber verliert bei "Markus Lanz" kein schlechtes Wort über Merkel

Doch – wie in den Tagen nach seiner persönlichen Niederlage – verliert der Politiker weder über Ursula von der Leyen, noch über Angela Merkel ein schlechtes Wort bei Lanz. Er habe immer ein "vertrauensvolles Verhältnis" zur Kanzlerin gehabt und dieses habe sich bis heute nicht geändert. Weber gibt sich weiter als der große Europäer:

"Ich brenne für ein geeintes Europa. Von diesem Brennen wird mich niemand abbringen."

Manfred Weber zur EU

Trotzdem macht der aus Bayern stammende Politiker mehrfach deutlich, was er vom Ablauf dieser Wahl hält: "Man vermittelt den Menschen das Gefühl, dass das, was zu Beginn versprochen wurde, nicht eingehalten wird. Man hat die Wähler hinters Licht geführt. Sie haben Europa ernst genommen, aber jetzt haben wir diese Chance vertan."

Weber glaubt, dass durch das intransparente Wahlverfahren des Kommissionspräsidenten das Vertrauen der Bürger in die EU verlorengegangen sei.

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Zu Merkel habe Weber (r.) ein "vertrauensvolles Verhältnis". zdf/Screenshot

Markus Lanz und der leuchtende Weber

Dann kommt am Ende des Gesprächs wieder Moderator Markus Lanz und sagt (tatsächlich): "Sie leuchten von innen, so habe ich Sie immer erlebt. Ist das Leuchten nun weg?"

Doch auch diese Frage irritiert den Spitzenpolitiker nicht, er bleibt bei seinem persönlichen Kampf für die Europäische Union: "Ich will, dass die Bürger Europas solche Entscheidungen treffen. Ich werde weiterhin für ein demokratisches Europa kämpfen."

Weber sagt, er habe nach dem Postenpoker darüber nachgedacht, das Handtuch zu werfen und sich von der Politik zu verabschieden:

"Ich wollte aufhören. Spitzenpolitik ist brutal fordernd. Jeder Schritt kann ein Fehler sein."

Doch am Ende liebe er Europa zu sehr, sagt er. Und dafür möchte er sich weiterhin einsetzen.

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