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Der ehemalige amerikanische Präsident Barack Obama im Interview mit Markus Lanz in Washington. ZDF/Screenshot

Barack Obama bei "Markus Lanz": "Das habe ich nie überwunden"

Der ehemalige amerikanische Präsident, Barack Obama, hat den ersten Teil seiner Memoiren veröffentlicht. Darin spricht er nicht nur über Angela Merkel, sondern sagt auch, was er von Donald Trump hält. Moderator Markus Lanz traf sich in Washington mit Obama, um über das Buch, die Weltlage und ganz viel Persönliches zu sprechen. Dabei überrascht, was dem 44. Präsidenten der USA bis heute zu schaffen macht.

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Markus Lanz (l.) traf sich in Washington mit Barack Obama zum Gespräch. ZDF/Screenshot

"Sehr entspannt" – so beschreibt Markus Lanz den ersten afro-amerikanischen Präsidenten beim Gespräch. Dabei lockert der Moderator die Stimmung auch gleich zu Beginn mit einem Witz auf: "Ich habe Ihr Buch gerne gelesen, Sie haben auch einen tollen Stil. Es ist nur etwas kurz mit 1018 Seiten." Obama lacht und sagt, es sei eben viel los gewesen in der Anfangszeit seiner Legislaturperiode. Schnell dreht sich das Gespräch um Donald Trump und darum, wie er sich gegen das Anerkennen des Wahlergebnisses gesträubt habe.

"Schaut man auf sein Verhalten der letzten vier Jahre, verwundert es nicht, dass er nicht die Größe hat, seine Niederlage anzuerkennen."

Barack Obama

Obama glaubt daran, dass die transatlantischen Beziehungen sich durch den Einzug Joe Bidens und Kamala Harris' verbessern werden und die beiden "großartige Arbeit leisten" würden. Ob es schwieriger gewesen wäre ins Weiße Haus einzuziehen oder es nach acht Jahren zu verlassen, will Lanz von dem 59-Jährigen wissen. Das Verlassen sei "bittersüß" gewesen. "Ich war stolz auf das, was wir geleistet hatten und bereit zu gehen." Den Einzug beschreibt er physisch als sehr einfach, insbesondere weil das jemand für dich erledige, jedoch wurde ihm dann die richtige Verantwortung bewusst.

"Dir wird klar, dass alle Nachrichten in der Zeitung und im TV, alle Probleme weltweit jetzt deine eigenen Probleme sind."

Barack Obama

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Der 44. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. ZDF/Screenshot

Er habe das Land auch in einem katastrophalen Zustand übernommen, mitten in der Finanzkrise, hoher Arbeitslosigkeit und anderer Probleme. Niemand würde in dieses Amt gewählt werden und vor einem weißen Blatt Papier sitzen. Man würde vielmehr das Amt erben und damit auch die Politik der Vorgänger, so wie er den Irak- und den Afghanistan-Krieg von George W. Bush.

Obama beschreibt erste Nacht im Weißen Haus

Der zweifache Familienvater kann sich noch gut an seine erste Nacht im Weißen Haus erinnern, als er vor knapp zwölf Jahren dort einzog. "Man putzt seine Zähne, geht seiner normalen Routine nach, aber wenn man dann unter diesen Laken liegt, merkt man: Das ist nicht mein Zuhause." Er sagt, er würde es toll finden, dass viele Regierungschefs in Europa in ihrem eigenen Haus wohnen blieben. Im Weißen Haus sei es so gewesen, als habe man in einem Museum gelebt. Seine Frau Michelle habe sich auch darum gekümmert, dass die Zimmer der Töchter nach normalen Kinderzimmern aussehen und nicht nach der "Residenz von Thomas Jefferson".

Die größte Umstellung - psychisch betrachtet - sei für ihn die komplette Abschirmung gewesen. Er erhielt wie kein Präsident zuvor in der Geschichte der USA so viele Drohungen. Plötzlich hätte sich alles verändert. "Wenn man mit dem Auto auf der Straße fährt, gibt es keine anderen Autos, in einem Hotel gehst du immer durch den Hintereingang, es stehen Scharfschützen auf deinem Dach", beschreibt Obama die Situation im Interview. Und dann spricht er offen aus, was er bis heute nicht überwunden hat.

Obama redet über Persönliches

"Die normalen menschlichen Situationen verändern sich. Daran habe ich mich nie gewöhnt", gibt der gebürtige Hawaiianer offen zu. Er erzählt von einem wiederkehrenden Traum: "Ich laufe durch die Stadt, einfach eine Straße entlang und niemand kennt mich. Ich sitze in einem Café und trinke meinen Kaffee. Einfach so."

"Diese Idee, sich anonym durch die Welt zu bewegen, habe ich nie überwunden."

Barack Obama

Der 59-Jährige dachte, sobald seine politische Karriere beendet sei, würde er auch wieder ein "normales Leben" führen können. Er erzählt, wie er einmal in Mailand über den Domplatz spazieren wollte, es einfach versuchen, als plötzlich 5000 Menschen um das Hotel herumstanden, wo er sich aufhielt. "Da musste ich akzeptieren, dass dieser Part meines Lebens vorbei ist." Er sei dankbar für seine guten Freunde, die er davor hatte, die während seiner Präsidentschaft an seiner Seite waren und es bis heute sind. Er lobt bis heute den Einzug seiner Schwiegermutter ins Weiße Haus, die für etwas mehr Normalität sorgen sollte und sowieso von "dem ganzen Zeug nicht beeindruckt" war. Er und seine Frau Michelle hatten sich zudem immer Sorgen darum gemacht, ihre Töchter könnten sich zu privilegiert fühlen. Heute sei er dankbar, dass aus ihnen zwei "wunderbare und freundliche" Menschen geworden seien.

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Barack Obama (l.) beim Gespräch mit Markus Lanz (r.). ZDF/Screenshot

Dann wird er noch ernster, als er über die Kriege im Irak und Afghanistan spricht. Zwar habe er die Truppen dort abgezogen, aber das habe noch zwei Jahre gedauert. Einige Kondolenzschreiben habe er in dieser Zeit verfassen müssen: "Daran gewöhnst du dich nie. Das nagt an einem". Als Obama 2011 Osama Bin Laden in einer nächtlichen Angriffsaktion töten lässt, steht er kurz vorher auf der Bühne einer jährlich stattfindenden Konferenz wichtiger Medien- und Wirtschaftsvertreter. Damals habe Trump bereits behauptet, er sei nicht in den USA geboren und forderte einen Nachweis. Obama machte sich an diesem Abend noch witzig darüber, zeigte einen Ausschnitt aus dem Film "König der Löwen" und behauptete, das seien Aufnahmen seiner Geburt. Auch Trump war an diesem Abend anwesend und nicht sonderlich glücklich über die Witzeleien auf seine Kosten. Obama zeigte zudem an diesem Abend auch, wie das Weiße Haus unter Trump aussehen würde – aus Spaß. Dass dies einige Jahre später tatsächlich so sein könnte, ahnte er damals nicht.

Die Juristin Sandra Navidi, die an diesem Abend bei Markus Lanz im Studio sitzt und dem Gespräch zuhört, ist der Meinung, dass dieser Abend ein Startschuss dafür gewesen sein könnte, dass Trump einige Jahre später gegen Obama angetreten ist. Trump habe keinen Humor und könne nicht über sich selbst lachen, erklärt Navidi. Diese Scham konnte er nicht einfach so auf sich sitzen lassen.

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Juristin Sandra Navidi zu Gast bei "Markus Lanz". ZDF/Screenshot

Für die Zersplitterung in den USA nennt Obama mehrere Gründe. Jedoch kritisiert er auch die Rolle der Medien, insbesondere von Social Media. Heute gebe es zu viele "alternative Fakten und alternative Realitäten" im Internet zu finden. Wer solche Medien konsumiere, sei nur schwierig zu erreichen. Das würde sich gerade bei Corona zeigen, erklärt er. Und natürlich macht er auch die Regierung für die hohen Fallzahlen in den USA verantwortlich, die immer noch behauptet, alles würde gut werden. Obama ist heute überzeugt, dass die Wähler nicht unbedingt Programme wählen würden, sondern gute Geschichten. Menschen wollten verstehen, wie das Leben, wie die Welt funktioniert. "Ich wurde Präsident, weil ich eine gute Geschichte erzählt habe, wie Amerika sein könnte."

Am Ende des Gesprächs sagt Obama nicht nur, dass er trotz der Probleme in den USA mit Zuversicht in die Zukunft blicke, sondern dass Bundeskanzlerin Angela Merkel seine "Lieblingspartnerin auf der Weltbühne" sei. Im Buch selbst erwähnt er auch ihre "großen, blauen Augen". "Frauen haben die Fähigkeit, kluge Entscheidungen zu treffen, die nicht vom Ego getrieben sind. Sie erledigen die Dinge einfach", sagt Obama am Ende des Interviews und ergänzt, dass es seine Frau und seine beiden Töchter gewesen seien, die ihn gesund gehalten hätten.

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Barack Obamas beiden Töchter im Oval Office. ZDF/Screenshot

Interview

Experte zu Corona-Demos: "Querdenken"-Bewegung ist in "Stadium des Verfalls angekommen"

Michael Blume, Antisemitismusbeauftragter in Baden-Württemberg, sieht mit Sorge, dass die "Querdenker" jetzt Kinder instrumentalisieren und warnt vor möglicher Gewalt durch Verschwörungsgläubige. Er erklärt, warum die Niederlage Donald Trumps die Bewegung hart trifft – und wieso diese sich gerade selbst zerlegt.

Tausende Menschen haben am Mittwoch in Berlin gegen das neue Infektionsschutzgesetz demonstriert. Nachdem die Anhänger der "Querdenker"-Bewegung – wie so oft in den vergangenen Monaten – alle wesentlichen Hygieneauflagen missachtet haben, hat die Polizei die Versammlung aufgelöst und dabei auch Wasserwerfer eingesetzt.

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