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Katja Kipping möchte aufzeigen: So nicht. Sie lieferte sich bei "Illner" Wortgefechte mit dem JU-Chef Tilman Kuban. Bild: screenshot zdf

"Das muss bei Ihnen ankommen": Kipping fetzt sich bei "Illner" mit der CDU

Für die Co-Vorsitzende der Linkspartei, Katja Kipping, gibt es einen ganz einfachen Grund, warum die CDU derzeit in der Krise steckt: Sie halte an der Gleichsetzung zwischen Linke und AfD fest.

Das ist die These von Kipping, mit der sie am Donnerstagabend bei "Maybrit Illner" den angekündigten Abgang von Annegret Kramp-Karrenbauer und die Krise in Thüringen erklärte.

"Solange die Union an dieser Idiotie festhält, wird sie sich im Osten immer wieder in dieses Problem hineinmanövrieren."

Zwei Männer in der Talkrunde sahen das natürlich anders: Tobias Hans, CDU-Ministerpräsident im Saarland, und Tilman Kuban, der Chef der Jungen Union.

Mit beiden geriet Kipping etwa zur Mitte der Sendung aneinander.

Wortgefecht 1 bei "Illner"

Der Auslöser für die Krise in Thüringen ist für Kipping: "Die CDU im Bund ist immer noch die westdeutschen Bonner Republik-Verhältnisse gewohnt. Wo man gewohnt war, eine der großen Parteien nimmt sich einen Juniorpartner und dann regiert man zusammen. Diese westdeutschen Verhältnisse gibt es in Thüringen nicht mehr. Und das muss bei Ihnen ankommen, denn solange..."

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Tilman Kuban und Tobias Hans bei "Illner" Bild: screenshot zdf

Weiter kam Kipping nicht, denn sowohl Hans als auch Kuban fielen ihr ins Wort.

Sie waren mit dieser Erklärung nicht einverstanden. Akkustisch zu verstehen für die Zuschauer war lediglich, was der JU-Chef sagte: "Herr Ramelow ist abgewählt worden, das ist der Kernpunkt. Es gibt für rot-rot-grün keine Mehrheit mehr im Landtag."

Da erhob Kipping ihre Stimme deutlich: "Herr Kuban, Sie haben bewiesen, dass Sie ins Wort fallen können. Das ist schön, aber was Sie nicht bewiesen haben: Die Mehrheitsverhältnisse in Thüringen in Umfragen sind klar. 71 Prozent wünschen sich Bodo Ramelow als Ministerpräsident." Diese Zahl hatte eine Umfrage unter Thüringer Wählern ergeben.

Kuban: "Aber es entscheiden nicht die Umfragen, es entscheiden die Wähler." Kipping schoß zurück: "Ihre Vorgehensweise hat dazu geführt, dass die Demokratie in die Krise gekommen ist."

Tatsächlich haben beide Recht. Ramelow hat seine Mehrheit verloren, Rot-Rot-Grün wurde abgewählt. Eine Lösung, wie man im Thüringer Landtag, in dem es ohne AfD oder Linke keine Mehrheiten gibt, zu einer regierungsfähigen Koalition kommen kann, blieb die CDU im Bund aber stets schuldig.

Wortgefecht 2 bei "Illner"

Der JU-Chef hielt jedenfalls am Beschluss seiner Partei fest, nach dem es keine Zusammenarbeit mit Linke und AfD geben wird. "Wenn wir sagen, wir arbeiten weder mit den SED-Erben noch mit Rechtsradikalen zusammen, sollen sich die Menschen darauf verlassen können."

Später in der Sendung plädierte er für einen parteilosen Kandidaten für die nächste Ministerpräsidentenwahl in Thüringen. Da ging ihn Kipping wieder scharf an: "Der Jüngste in der Runde mit den ältesten Argumenten."

Thüringen sei eine "Ausnahmesituation", sagte Kipping. Es brauche eine "pragmatische Lösung". Die ist für die Linke aber natürlich: Die CDU muss Ramelow als Ministerpräsident ermöglichen.

Damit war nun auch Hans überhaupt nicht einverstanden. Er sagte zu Kipping: "Sie können sich doch hier nicht als Säulenheilige der Demokratie aufspielen." Wahlsieger hätten im Landtag eine Mehrheit, Ramelow habe keine.

Wer folgt auf AKK?

Bleibt die Frage, wer künftig eigentlich den Kurs vorgeben wird in der CDU. Nach dem Rückzug von AKK werden Jens Spahn, Armin Laschet und Friedrich Merz als Kandidaten gehandelt.

Tobias Hans sagte dazu: Die CDU müsse sich "Gedanken darüber machen, wer das Potential hat, beim Wähler anzukommen. Wer schafft es am ehesten, ein breites Spektrum der Mitte für sich zu begeistern." Das klang nicht wie ein Plädoyer für Merz.

Kuban betonte, dass ihn mit Jens Spahn eine Freundschaft verbinde. Eine Empfehlung für die Partei wollte er darin aber nicht verstanden wissen. Klar machten beide, dass es eine Lösung in der Personalfrage bis zum Sommer her müsse.

Kipping hatte eine Präferenz: "Ich glaube, ich verrate kein Geheimnis: Unsere Kampagnenabteilung würde sich natürlich freuen, immer wieder aufzuarbeiten, wie jemand wie Merz für die Privatisierung steht." Er sei der "Prototyp des Finanzmarktlobbyisten".

(ll)

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    Alle Leser-Kommentare
  • RoLo43 15.02.2020 14:13
    Highlight Highlight Da muss doch die CDU mit den Wahlergebnissen in Thüringen eine Rangliste aufstellen, um Frau Kipping nachzuweisen, dass die LINKE die eindeutige Wahlverliererin und sie als Partei strahlende Siegerin war. Von den Umfragewerten nach der Kemmerich-Nummer ganz zu schweigen (Ironie off). Für Talk-Show-Auftritte muss man eben gut geschult sein.
  • stahlbau-grauerwolf 14.02.2020 15:13
    Highlight Highlight der Herr Kuban sollte mal Knigges Anstandsbuch,
    "Gutes Benehmen von A-Z, studieren, damit er lernt
    nicht ständig andere ins Wort zu fallen
    Übrigens Links ist nicht gleich Rechts, was er ja doch
    gleichsetzt.
    Der Herr irrt.
    Was er da alles vorkramt, um nur Links ins Abseits zu
    stellen, wohl ein Linkenhasser, ist Schnee von übervor-
    gestern.
  • shorty 14.02.2020 12:07
    Highlight Highlight die Art zu diskutieren des Tilman Kuban, immer wieder Seitenhiebe auf andere Parteien bringt mich immer mehr zu einer anhaltenden Politkverdrossenheit, mindestens zum Prodestwähler.
    Keinesfalls wähle ich jedoch die AFD.
    Schlimm finde ich es, wenn junge Leute schon so anfangen. Reicht schon wenn die Alten so gar keinen Stil mehr haben.
    Längst überfällig wäre der Rücktritt von Lindner (auch ein rel. junger Politiker), der mit Sicherheit von den Machenschaften Thüringen wusste, so wie auch Teile er CDU.
    Auf Nimmerwiedersehen CDU/CSU/FDP und auch SPD

  • kalle_kullaa 14.02.2020 09:45
    Highlight Highlight Kipping hat mit ihrer Meinung teilweise Recht. Die Unions "Männer" leider gar kein Recht.
    Ja Ramelow jat keine Mehrheit, wollte also in eine Minderheitsregierung gehen (mutig).
    Auch CDU hat keine Mehheit ohne AfD. Also was machen ? Jetzt sollen echt externe Experten die Macht übernehmen ? Wozu hat es denn dann ein Parlament voll mit Politikern ? Naja eigendlich aus deren Sicht toll. Keine Arbeit leisten keine Verantwortung und dann doch tolle Bezüge einstecken. Geht ja garnicht !!!
    Es kann nur eine Neuwahl das Problem lösen. leider heißt das eben lange Führungslosigkeit.

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