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Musste bei "Maischberger" fast ausschließlich über seinen Freund Friedrich Merz reden: Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble. Bild: screenshot ard

Maischberger fragt Schäuble immer wieder nach Friedrich Merz – CDU-Politiker weicht aus

Hoher Besuch bei "Maischberger": Am Mittwochabend war Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) zu Gast. Nach dem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier ist er – nominell – der zweitwichtigste Mann im Staat.

Dementsprechend unterhielt sich die Moderatorin mit ihm in einem Einzelgespräch. Und worüber spricht man mit so einem ranghohen Vertreter der Bundesrepublik? Natürlich über längst abgeschlossene Personaldebatten. Das jedenfalls dachte sich Moderatorin Sandra Maischberger. Sie wollte von Schäuble unbedingt wissen, ob das Land nach der Wahl von Annegret Kramp-Karrenbauer schlechter dran sei.

Wie sie darauf kam? Nun, Schäuble hatte sich vor der Wahl für Friedrich Merz als Parteivorsitzender eingesetzt. Da kann man ja nochmal nachfragen, auch wenn das inzwischen schon wieder ein bisschen her ist. Zur Erinnerung – es war im Dezember. 2018, also vor über einem Jahr. Beim Parteitag im vergangenen Jahr hatte sich Merz zurückgehalten.

Maischberger, Schäuble und Merz – ein zähes Gespräch

Er sei ja Bundestagspräsident, leitete Maischberger ihren investigativen Großangriff ein, aber in der Debatte um den CDU-Vorsitz habe er das Präsidiale völlig fallen gelassen. "Da haben Sie sich öffentlich für Friedrich Merz eingesetzt und gesagt, es wäre das Beste für das Land, wenn er auf dem Parteitag eine Mehrheit bekäme."

"Naja, richtig", versetzte Schäuble trocken.

Ob das heiße, dass es dem Land jetzt schlechter gehe, fragte Maischberger. Spoiler: Es war nicht das letzte Mal an diesem Abend.

"Nein, überhaupt nicht", erwiderte Schäuble – um dann in allgemeinere, geradezu präsidiale Ausführungen überzuleiten. Angela Merkel, die Bundeskanzlerin, habe nach den Landtagswahlen im März 2018 eine Erklärung abgegeben, die er, Schäuble, großartig gefunden habe. Darin habe sie auch gesagt, der Vorsitzende der Partei sollte eigentlich auch Kanzler sein. In der gegebenen Situation müsse man aber eine Ausnahme machen. "Dann gab es einen guten Personalentscheidungsprozess, ich fand ihn fast besser als bei der SPD. Und in diesem Rahmen habe ich auch meine Meinung gesagt."

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Nein, das Land ist ohne Friedrich Merz als CDU-Vorsitzenden nicht schlechter dran. Das musste Schäuble mehr als einmal wiederholen. Bild: screenshot ard

Maischberger probierte es nochmal. "Aber wenn Sie Ihre Meinung sagen, ist das doch was anderes, als wenn es irgendein Politiker aus der dritten Reihe tut", schmeichelte sie dem CDU-Politiker.

Der zeigte sich für solche Nettigkeiten unempfänglich. "Wollen Sie mir jetzt sagen, dass das ein Fehler war?", gab er zurück.

"Nein, nein, gar nicht, ich wollte nur wissen, ob das Land jetzt schlechter dran ist", beharrte Maischberger.

"Nein", wiederholte Schäuble, mittlerweile etwas genervt. "Wenn der Parteitag drei gute Kandidaten hat, und wir hatten drei gute Kandidaten, dann gibt es eine knappe Mehrheit, und die beiden, die nicht gewählt wurden, Jens Spahn und Friedrich Merz, haben beide nach der Wahl gesagt: Jetzt ist es entschieden, Annegret Kramp-Karrenbauer ist unsere Vorsitzende, und das gilt."

Maischberger blieb weiter dran

Das gilt – aber Maischberger versuchte es trotzdem nochmal. Die Frage war ja immer noch nicht beantwortet. Also, ein weiteres Mal: "Ist das Land jetzt schlechter dran, weil es nicht Merz geworden ist?"

Nein, sagte Schäuble zum dritten Mal. Wenn man eine Personaldebatte führe und die Entscheidung getroffen sei, dann sei die Entscheidung – genau – getroffen, sagte Schäuble. "Dann geht man doch nicht hinter die Entscheidung zurück. Das ist doch albern!"

Daraufhin änderte Maischberger ihre Taktik, nicht aber ihr Thema. Wenn der bayerische Ministerpräsident Markus Söder jetzt meine, das Kabinett brauche zur Halbzeit frische Kräfte – "wäre Herr Merz da nicht einfach gesetzt als Minister?", fragte sie.

Die großen Probleme – und das Dschungelcamp

Auch dieser Versuch scheiterte. Er werde sich wirklich nicht an Personaldebatten beteiligen. Man habe doch jetzt genug über Personal gesprochen und könne sich jetzt auf die anderen Themen der Politik konzentrieren. "Personaldebatten verdrängen immer die anderen Probleme – und dieses Land hat so furchtbar viele große Probleme."

Probleme? Damit konnte Schäuble eigentlich nur das Dschungelcamp meinen. Dachte sich jedenfalls Frau Maischberger. Und fragte ihn, was er empfunden habe, als der ehemalige Verkehrsminister Günther Krause, mit dem Schäuble vor 30 Jahren den Einigungsvertrag ausgehandelt habe.

"Hat mir wehgetan", erklärte Schäuble knapp, aber eindeutig. Wobei eindeutig – man konnte es auch gut auf sein gesamtes Gespräch mit Maischberger beziehen, in dem noch pflichtschuldig ein paar aktuelle Themen wie Iran, Russland und Australien eher oberflächlich abgehandelt wurden.

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