Bild

Fee Linke am Donnerstagabend im ZDF bei Maybrit Illner. zdf-screenshot

Alleinerziehende Mutter spricht bei Illner über Zeit mit Hartz IV

Bei Maybrit Illner ging es am Donnerstagabend im ZDF um die Sorgen der Kleinen: 2,7 Millionen Kinder gelten in Deutschland als arm – fast jedes fünfte Kind kann nicht sorgenlos aufwachsen.

Mit Fee Linke hatte Giffey eine aufmerksame Zuhörerin: Linke ist alleinerziehende Mutter von zwei Kindern. Im ZDF sprach Linke über Zeiten, in denen das Geld für sie und ihre Kids zum Leben fast nicht mehr reichte: "Die ersten Probleme tauchten kurz nach der Trennung auf."

Linke trennte sich damals während ihrer Studienzeit von ihrem Partner und arbeitete gleichzeitig, um ihre Familie zu ernähren: "Das war aber nicht möglich. Das war so eine Zeit, wo ich mit der Familie auch teilweise unter dem Hartz-IV-Satz geblieben bin. Das war eine sehr schwere Zeit."

Alleinerziehende Mutter spricht über ihre Zeit mit Hartz IV

Sie meldete sich arbeitslos: Niemand wollte die gelernte Journalistin anstellen. Kein Arbeitgeber glaubte, dass sie die Doppelbelastung von Job und Familie schaffen würde. Nach einer Umschulung fiel ihr Unterhaltsanspruch weg – der Vater der Kinder wurde krank, konnte ihr keinen Unterhalt mehr zahlen. Linke spricht von bürokratischen "Fallstricken", die der Staat ihr in ihr Leben als Alleinerziehende gelegt hätte. Ein wichtiger Faktor für sie: die ähnliche Besteuerung von Alleinerziehenden und Singles.

Bild

Fee Linke am Donnerstagabend im ZDF bei Maybrit Illner. zdf-screenshot

Für Linke ist klar: "Was uns fehlt als Alleinerziehende ist Planungssicherheit." Von der Politik ist Linke enttäuscht: "Alleinerziehende und ihre Kinder sind Familie. Durch die Erfahrungen, die ich den 14 Jahren gesammelt habe, habe ich den Eindruck gewonnen, dass Alleinerziehende von der Gesellschaft und der Politik nicht unbedingt als Familie gesehen werden."

Heute sind ihre Kinder 15 und 16 Jahre alt: Linke sucht nun wieder nach einem Vollzeitjob. Familienministerin Giffey sprach von "mehreren hundert Euro mehr im Monat", die ihre Familiengesetze Alleinerziehenden wie Linke bringen würden. Giffey versprach eine neue "Kindergrundsicherung", bei der der Staat bis zu 478 Euro pro Kind zahlen würde.

Ein Vorschlag für die Zeit nach der Großen Koalition. Ursprünglich hatten die Sozialdemokraten mit bis zu 600 Euro geplant. (mdr.de) Die Vertreterin der rechtspopulistischen AfD, Iris Dworeck-Danielowski, konnte der alleinerziehenden Linke keine Konzepte anbieten.

Wenig überraschend: Schließlich hält die Partei in ihrem Grundsatzprogramm am "klassischen Familienbild" aus Mutter, Vater, Kind fest. Zudem heißt es: "Kinder unter drei Jahren fühlen sich am wohlsten, wenn sie durch die eigenen Eltern betreut werden."

Dworeck-Danielowski erklärte diese verengte Sicht aufs Familienbild so: "Wir sind eben die Partei, die sich auf das normale Familienbild konzentriert." Alleinerziehend, das sei kein Familienmodell, das man bewusst wähle, so die AfD-Politikerin.

Das "Leben im Verbund" ist für Dworeck-Danielowski "die bessere Daseinsvorsorge" – zu diesem Schluss komme sie (angeblich) ohne moralische Bewertung. Man hätte gerne gewusst, was die alleinerziehende Mutter Linke darüber denkt. Nur wurde sie nicht gefragt.

(pb)

Die Geschichte des Bundestages in 17 Daten

1 / 19
Die Geschichte des Bundestages in 17 Daten
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Ab jetzt AfD-Osten? So ein Quatsch!

1
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Phyn Blake 23.11.2019 17:16
    Highlight Highlight So lächerlich. Es ist in vielen Fällen viel schlimmer, als diese eine Alleinerziehende berichtete. Die Vorschläge von Giffey sind nichts neues. Sie schmückt t sich in Punkto Kindergrundsicherung mit fremden Federn und hat bisher nichts für Alleineeziehende Mütter getan. Stattdessen arbeitet sie volle Kraft dafür, dass sie noch mehr Rwchte verlieren und größere Einbußen haben werden als sowieso schon

Exklusiv

Wagenknecht im watson-Interview vor dem Linken-Parteitag: "Wir können uns als linke Partei nicht eins zu eins hinter die Ideen von Fridays for Future stellen"

Die Linken-Politikerin im Gespräch über ihre Beziehung zu Fridays for Future und Black Lives Matter, darüber, warum sie sich ausgerechnet am Gendern abarbeitet – und die Frage, warum sie sich über manche antirassistische Proteste nicht freuen kann.

Mit Sahra Wagenknecht und der Linken ist es kompliziert, seit Jahren schon. Wagenknecht, bis November 2019 Chefin der Linksfraktion im Bundestag, ist eines der wenigen Gesichter der Partei, die auch halbwegs politisch interessierte Menschen auf der Straße erkennen würden. Laut ZDF-"Politbarometer" aus dem Mai 2021 ist sie wieder einmal unter den Top 10 der deutschen Spitzenpolitiker – und hat bessere Sympathiewerte als die grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock. Wagenknecht kann Reden …

Artikel lesen
Link zum Artikel