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Der Kommentar von NDR-Journalist Thomas Berbner sorgte für unterschiedliche Reaktionen. bild: screenshot ard

"AfD-Niveau": "Tagesthemen"-Kommentar sorgt für Wirbel

Die Krawalle und Angriffe gegen Polizisten in Stuttgart dominieren weiterhin das Nachrichtengeschehen. Auch in den "Tagesthemen" der ARD ging es am Montagabend um die gewalttätigen Ausschreitungen von Samstagnacht. Ein Kommentar eines Redakteurs sorgte für zahlreiche Reaktionen in den sozialen Netzwerken.

Zunächst hieß es in einem Beitrag der Nachrichtensendung: Gewalttaten und feindliche Einstellungen gegen Polizisten nähmen immer weiter zu.

Doch Rafael Behr von der Akademie der Polizei Hamburg widersprach dieser Aussage im Gespräch mit Moderatorin Caren Miosga. Die Gewalt nehme nicht in dem Maße zu, wie es die Politik behaupte, so der ehemalige Polizist. Die Gewalttaten gegen Polizisten seien formell auch deshalb angestiegen, weil Angriffe auf Einsatzkräfte erst seit wenigen Jahren als Straftat in der Statistik gezählt würden. Außerdem sei nicht alles, was die Polizei als Gewalttaten verzeichne, mit körperlicher Beschädigung verbunden. Das müsse man "runterkochen und nüchtern betrachten".

Rassismus in der Polizei seien dagegen "keine Einzelfälle", es gebe eine "systemische Grundlage", so der Polizeiwissenschaftler. Er wolle nicht behaupten, dass es einen strukturellen Rassismus in der Polizei gebe, aber das Problem sei, dass es auch keine Strukturen gebe, die Rassismus verhindern.

Kommentar kritisiert feindliche Haltung gegen Polizei bei jungen Einwanderern

Die Aussagen Behrs schienen selbst Moderatorin Caren Miosga zu überraschen. Vor allem aber standen sie im Kontrast zu dem anschließenden Kommentar, der von NDR-Journalist Thomas Berbner vorgetragen wurde.

Die Gewalt in Stuttgart sei das Ergebnis einer "immer weiter sinkenden Hemmschwelle", argumentierte Berbner. Polizisten hätten berichtet, dass sich bei jungen Einwanderern eine gefährliche Haltung gegen die Polizei etabliere. Körperliche Angriffe auf die Polizei seien "in der linksextremistischen Szene" längst etabliert, so Berbner.

Doch es gebe auch geistige Brandstifter. Als Beispiel nannte er die Kolumne einer "Taz"-Journalistin, die Polizeibeamte auf eine Stufe mit Müll setze. Es sei nicht der erste Versuch der "Taz", "linksextremistisches Gedankengut salonfähig zu machen." Die Äußerungen der SPD-Vorsitzenden Saskia Esken zum "latenten Rassismus in der deutschen Polizei" nannte Berbner in seinem Kommentar eine "verbale Entgleisung."

Er betonte:

"Was sollen Polizeibeamte, die jeden Tag irgendwo im Land beleidigt, bedroht oder angegriffen werden, daraus für Schlüsse ziehen?"

Thomas Berbner quelle: tagesthemen

"AfD-Niveau" vs. "guter Kommentar"

Der Kommentar sorgte vor allem in den sozialen Medien für Wirbel. Viele begrüßten die Meinung Berbners und zeigten sich von dessen Worten überrascht. Andere wiederum kritisierten, er würde ein überspitztes Bild der "bösen Migranten" und "bösen Linken" zeichnen und sich somit auf AfD-Niveau begeben.

Weitere User bezeichneten den Kommentar als "populistisch" und kritisierten, dass der Polizeiwissenschaftler die Darstellungen des Journalisten zuvor widerlegt habe.

Die Debatte um die Polizei geht unterdessen weiter. Während die eine Seite rassistische Strukturen und rechtsextreme Tendenzen innerhalb der Polizei als größtes Problem sieht, kritisieren vor allem konservative Politiker die steigenden körperlichen und verbalen Angriffe auf Polizisten. Der CSU-Bundestagsabgeordnete Stefan Müller hatte etwa auf Twitter geschrieben: "Wir haben in Deutschland ein Problem mit Migranten, die keinerlei Respekt vor der Polizei haben." Sie seien angestachelt "von den Rassismus-Diskussionen der letzten Wochen".

Viele prominente Twitter-Nutzer wie Satiriker Michky Beisenherz widersprachen.

Die Polizei in Stuttgart selbst schloss eine politische Motivation aus.

(lau)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Kilian Kratzer 24.06.2020 16:32
    Highlight Highlight In Stuttgart täte man gut daran, die vorhandenen Beweise (Videoaufnahmen) schnellstmöglich auszuwerten und dann die tatsächlichen Täter auch transparent zu benennen. Die medial herbeigezogenen Experten oder der Kommentator vermischen immer wieder ihre subjektiven Eindrücke mit den Fakten, was nur menschlich ist. Transparente Fakten nehmen den Populisten den Wind aus den Segeln, egal von welcher Richtung.
  • RoLo43 23.06.2020 14:46
    Highlight Highlight Wenn ein Mediziner nur die Symptome einer Krankheit behandelt und nicht gegen ihre Ursachen vorgeht, nennt man ihn Quacksalber. Wenn Politiker und öffentliche Medien beim Beschreiben von Erscheinungen stehen bleiben und sich über tiefergehende, akademische Analysen erregen, sind sie genau solche Quacksalber.
  • Ansoko 23.06.2020 14:13
    Highlight Highlight Dieser etwas schlecht informierte Herr tut so, als ob diese krawalligen und sehr brutalen Jugendlichen ausschließlich aus Migranten und Linken bestanden hätten. Er scheint wohl n icht mitbekommen zu haben, dass die Polizei eindeutig NICHT von einer politischen Motivation ausgeht. Heutzutage fühlt sich ja sowieso jeder der ein Aluhütchen aufhat als kleiner Revolutionär. Wer in diesem Land von einer Polizeidiktatur spricht, scheint nicht gerade viel nachgedacht zu haben.
    • Kolos 24.06.2020 14:04
      Highlight Highlight Was meinen sie, wenn es offiziell nicht als politische Motivation sein soll, dann war es halt eine Party, sie hatten viel Spass gehabt und sie haben sich gegenseitig angestachelt. Das habe ich im Video hören können. Bei den Linken geht es immer um politische Motivation und die missbrauchen bei verschiedenen Gegendemonstrationen die Migranten, damit sie Kravalle machen. Ich möche noch wissen, wer an diesen Ekszessen neben Linken und Migranten noch teilgenommen hat. Da war nur die Polizei, die wurde aber die Betroffene.
    • Thorsten 24.06.2020 17:25
      Highlight Highlight Hey kolos! Linke missbrauchen Migranten? Hast du irgendwie deine Tabletten verschmissen,oder was ist bei dir schiefgelaufen?
  • teufelsgott 23.06.2020 13:25
    Highlight Highlight Der Fall Stuttgart ist doch längst kein Einzelfall. Wenn auch nicht in der Vergangenheit in diesen Ausmaßen. Das sind die Früchte unserer liberalen Politik, die wir jetzt so nach und nach ernten. Das dabei überporportional auch Migranten beteiligt sind, das wird unter den Tisch gekehrt, um die Bürger nicht noch mehr aufzubringen. Wenn ich lese, das ein Migrant 10x straffällig geworden ist und im Land verbleiben konnte, bis er Jemanden getötet hat, da verstehe ich die Welt nicht mehr.
    • Jaisalmer 23.06.2020 17:28
      Highlight Highlight Ja, wo liest du denn so etwas?
    • Thorsten 23.06.2020 17:41
      Highlight Highlight Teufelsgott, befürchte, sie verstehen mehr grundsätzliche Dinge nicht!

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