Deutschland
HANDOUT - 15.11.2020, Berlin: Ein Paar sitzt in einer fiktiven Zukunft auf dem Sofa und erinnert sich an das Jahr 2020. Die Bundesregierung wirbt mit augenzwinkernden Videos f

Eine Szene aus dem "Besondere Helden"-Video der Bundesregierung. Bild: dpa / -

Augenzwinkerndes Corona-Video der Bundesregierung löst Diskussion aus

"Faul wie die Waschbären" auf der Couch – so können junge Menschen zu "Helden" im Kampf gegen das Coronavirus werden. Das ist jedenfalls die Botschaft ironischer Videos, mit denen die Bundesregierung zum Zu-Hause-Bleiben aufruft. Das Echo fällt gemischt aus.

Die Bundesregierung wirbt mit augenzwinkernden Videos für das Zu-Hause-Bleiben in der Corona-Krise, in denen sie Nichtstuer auf der Couch zu Helden erklärt. Die unter dem Schlagwort "#besonderehelden" im Internet verbreiteten Clips sorgten am Wochenende für viel Aufmerksamkeit in den sozialen Medien – dabei gab es Lob, aber auch viele kritische Reaktionen.

Die mit dramatischer Musik untermalten Clips wurden im Auftrag der Bundesregierung von Florida Entertainment, der Produktionsfirma der Moderatoren Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf, produziert. Sie erzählen fiktive ältere Menschen aus der Zukunft rückblickend, wie sie als junge Leute die zweite Welle "damals in diesem Corona-Winter 2020" erlebt haben.

"Eine unsichtbare Gefahr bedrohte alles, woran wir glaubten", sagt ein Mann, der als Anton Lehmann vorgestellt wird. "Und das Schicksal dieses Landes lag plötzlich in unseren Händen." Also hätten sie getan, was von ihnen erwartet worden sei: "Absolut gar nichts. Waren faul wie die Waschbären", so der Mann. "Tage- und nächtelang blieben wir auf unserem Arsch zu Hause und kämpften gegen die Ausbreitung des Coronavirus."

Couch als Front

"Unsere Couch war die Front, und unsere Geduld war die Waffe." Das sei ihr Schicksal gewesen. "So wurden wir zu Helden." In einem zweiten Clip taucht neben der Figur Anton Lehmann auch seine Frau Luise Lehmann auf: "Damals" habe das ganze Land "voller Hoffnung auf uns junge Leute" geschaut, sagt diese.

"Vielleicht stimmte es, wenn die Leute damals sagten: Besondere Zeiten brauchen besondere Helden. Und weiß Gott, ja, das waren wir."

Die Videos enden jeweils mit dem Appell der Bundesregierung: "Werde auch du zum Helden und bleib zu Hause". Allein auf dem Twitter-Account von Regierungssprecher Steffen Seibert wurden die Clips, die in ihrer Inszenierung an TV-Geschichtsdokus erinnern, bis Sonntagnachmittag hunderttausendfach aufgerufen.

Ein Sprecher des Bundespresseamts erklärte auf Anfrage, die Videos seien Teil der Informationsmaßnahmen in der Corona-Pandemie. "Ihre Botschaft ist klar: Kontakte zu reduzieren ist derzeit unser wichtigstes und wirksamstes Mittel, um die Pandemie einzudämmen." Diesen Appell wolle man mit den Videos an möglichst viele junge Menschen herantragen.

Viel Lob – und viel Kritik

Der Versuch, diese Botschaft humorvoll zu verbreiten, stieß auf ein geteiltes Echo. "So stark. So herzerwärmend. Und so verdammt wichtig", schrieb die Berliner SPD-Politikerin Sawsan Chebli auf Twitter. Auch der Autor Micky Beisenherz drückte seine Unterstützung für das Video aus.

Viele Nutzer jedoch bemängelten etwa, dass Themen wie Armut, Einsamkeit, häusliche Gewalt oder Existenzängste in den Spots keine Rolle spielen – oder dass die eigentlichen Helden doch beispielsweise die Beschäftigten im Gesundheitswesen seien.

Andere stören sich an der Kriegsrhetorik und bemängeln, die Regierung glaube wohl, über solche Sprachbilder die Bevölkerung disziplinieren zu können.

Und schließlich bezweifeln User auch die Wirksamkeit des Videos.

Vom Bundespresseamt hieß es, man freue sich "über viele positive Rückmeldungen und die Aufmerksamkeit, die so auf diese wichtige Botschaft gelenkt werden kann". Zu kritischen Stimmen äußerte der Sprecher sich zunächst nicht. Zu den Kosten sagte er: "Die Videos fügen sich in unsere bisherigen Maßnahmen ein. Genauere Angaben können wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht machen."

(om/dpa)

"Ich bin es leid": Virologin Brinkmann mit leidenschaftlichem Appell

Auf der Bundespressekonferenz am Dienstag sprachen unter anderem Jens Spahn und der Vizepräsident des Robert-Koch-Instituts, Lars Schaade. Spahn sprach im Zusammenhang mit Corona von einer "Mammutaufgabe" für Regierung und Gesellschaft.

Zu Gast auf der Bundespressekonferenz war auch Virologin Melanie Brinkmann vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung. Sie kam erstmal einige Minuten zu spät, weil ihr Zug Verspätung hatte. Dafür legte sie dann umso vehementer los.

"Ich habe kein Skript …

Artikel lesen
Link zum Artikel