Deutschland
Bild

"Fridays for Future". Bild: watson/getty images

"Wir werden von der älteren Generation betrogen" – Warum Tausende Schüler heute streiken

Hunderte Schüler stehen am Freitagmorgen vor dem Bundestag. Es ist kalt, die Wintersonne blendet. Die Kinder und Jugendlichen hüpfen, aber nicht, damit ihnen warm wird. "Wer nicht hüpft, der ist für Kohle", rufen sie. Eigentlich müssten sie jetzt in den Klassenzimmern ihrer Schule sitzen. Um die Politik aufzufordern, mehr gegen den Klimawandel zu unternehmen, streiken sie jedoch. Nicht nur in Berlin, sondern in mehr als 50 Städten in ganz Deutschland. Das Motto: "Fridays for Future."

Um ihre, um unsere Zukunft geht es ihnen. Sie schwänzen die Schule, um die größtmögliche Aufmerksamkeit dafür zu bekommen. "Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut", heißt es in Sprechchören und auf Pappschildern.

Die 16-jährige Emma sagt: "Ich halte es einfach nicht aus, dass der Klimawandel stattfindet und die Politik augenscheinlich nichts dagegen macht", sagt Emma.

Die 16-Jährige erklärt:

"Der Klimawandel ist eine schlimme Krise, er wird jedoch nicht so wahrgenommen. Es sieht nicht so aus, als würden die Pariser Klimaziele eingehalten. Unsere Zukunft wird extrem bedroht sein, und das betrifft vor allem uns Schüler. Wir dürfen momentan noch nicht einmal was mitentscheiden. Darum ist es wichtig, dass wir zusammen mit vielen anderen Schülern auf der ganzen Welt ein Zeichen setzen."

Emma, 16

Bild

"Wir sind noch länger auf diesem Planeten, als ihr – und ihr macht unsere Zukunft kaputt", sagt Emma. bild: watson

Der 19-jährige Louis Motaal hat die Schulstreik-Kundgebung in Berlin mitorganisiert. Er ist kein Schüler mehr, sondern arbeitet für die Organisation "Plant for the Planet", die "Bäume für eine bessere Welt" pflanzen will. "Ich halte schon seit ich elf Jahre alt war Vorträge über die Klimakrise", erzählt er. Wie es auf einmal zu Kundgebungen in mehr als 50 Städten kam, kann er sich jedoch selbst nicht ganz erklären. 

Er sagt:

"Ich denke, der Punkt ist gekommen, an dem ganz viele Kinder und Jugendliche sich denken: Wir werden von der älteren Generation betrogen, die sich damit rausredet, dass es keine einfachen Lösungen gebe, und Ende einfach nichts tut."

Louis Motaal, 19

Bild

Louis hat schon mit elf Jahren Vorträge über den Klimawandel gehalten. Bild: watson

Vorbild für die Aktion ist die schwedische Schülerin Greta Thunberg. Sie hatte auf der Weltklimakonferenz 2018 eine beeindruckende Rede gehalten – und erklärt, dass sie jeden Freitag die Schule schwänzt, um vor dem Parlament in Schweden zu sitzen und für mehr Klimaschutz zu demonstrieren.

Darf man für das Klima die Schule schwänzen?

"Wenn wir nachmittags 'streiken' hört uns niemand zu", sagt Louis Motaal. Trotzdem sind nicht alle Fans von streikenden Schülern. In Baden-Württemberg machten etwa die Junge Union und die Schüler Union gegen die Kundgebungen mobil. Wer für das Klima demonstrieren will, solle das außerhalb der Schulzeit tun, schrieben die CDU-Jugendverbände. Und: "Um den Lehrkräften ein effektives Vorgehen zu ermöglichen, fordern wir, solche Fehlzeiten zukünftig im Zeugnis festzuhalten."

Viele der Schülerinnen und Schüler, die am Freitag vor dem Bundestag stehen, nehmen ganz bewusst in Kauf, dass das längst passiert. Die 16-jährige Emma etwa ist mit etwa 30 Mitschülern zur Kundgebung gekommen. Auf ihrem Zeugnis werden die verpassten Schulstunden als unentschuldigt eingetragen werden. 

"Ich habe meiner Schulleitung ganz offen gesagt, warum ich hier bin. Die hat mir das quasi verboten, dafür bekomme ich jetzt einen unentschuldigten Fehltag."

Emma, 16

Manche ihrer Lehrer hätten Verständnis fürs politisch motivierte "Schwänzen", andere würden die Notwendigkeit eines Schulstreiks hingegen nicht sehen. So ist es auch bundesweit: Einige Schulleiter hatten ihren Schülern die Teilnahme im Vorfeld verboten und mit Strafen gedroht. In Würzburg hingegen wollte ein Grundschul-Direktor gemeinsam mit seinen Schülern zur Schulstreik-Demo gehen – bis die Schulaufsicht seine Pläne durchkreuzte und den Ausflug verbot.

Der Berliner Schulstreik in Bildern:

Demokratie statt Mathe

In Berlin wird das nicht überall so streng gehandhabt: Vor dem Bundestag steht auch eine Grundschulklasse versammelt. Die Neun- und Zehnjährigen rufen im Chor "Der Wald bleibt hier, sonst streiken wir", manche von ihnen haben Protestschilder gebastelt. Nachdem sie mit ihrem Lehrer über den Klimawandel gesprochen haben, hat der kurzerhand eine gemeinsame Exkursion organisiert.

"Ich bin hier, weil der Klimawandel scheiße ist", sagt Linus, neun Jahre jung. "Der Klimawandel zerstört Lebensräume von Tieren. Es wird viel wärmer und zum Beispiel in Afrika müssen die Menschen dann flüchten", erklärt er.

Seine Mitschülerin Bela ist zehn und findet den Klimawandel "auch nicht toll". "Tiere sterben, so wie der Eisbär, der auf seinen Eisschollen versinkt und nicht mehr an Land kann."

Anstatt Mathe und Deutsch zu büffeln, lernen sie die Demokratie an diesem Freitagmorgen ein bisschen besser kennen. "Ich finde es cool, hier demonstrieren zu können", sagt Bela. 

Wenn die Politik ihnen jetzt auch noch zuhört, wäre das doch eine erfolgreiche Unterrichtseinheit.

Das könnte dich auch interessieren:

Petition gegen beliebte dm- und Alnatura-Produkte: "Stoppt den ökologischen Irrsinn"

Link zum Artikel

Foodwatch kritisiert Edeka: Zwei Produkte, zwei Preise – trotz gleichen Inhalts

Link zum Artikel

"Wo ist es nur geblieben?": Fans rätseln über angekündigtes Interview mit Helene Fischer

Link zum Artikel

Lidl provoziert Netto – und der Supermarkt kontert "a Lidl bit" später

Link zum Artikel

"The Masked Singer": Mit seinem Helene-Fischer-Auftritt hat sich der Engel verraten

Link zum Artikel

McDonald's- und Burger-King-Mitarbeiter packen über dreisteste Kunden aus

Link zum Artikel

Ein Fehler veranschaulicht, worum es Plasberg beim EU-Streit wirklich ging

Link zum Artikel

"The Masked Singer": Dieser Star ist der Grashüpfer, und wir haben 7 Beweise!

Link zum Artikel

Gleiches Produkt, dreifacher Preis? Jetzt reagiert Edeka auf die Vorwürfe

Link zum Artikel

Ein Bobby-Car im Parkverbot – so reagiert die Polizei

Link zum Artikel

iPhone-Userin ruiniert besonderen Moment der Braut – so regt sich eine Fotografin auf

Link zum Artikel

"The Masked Singer": Das Monster ist diese Promi-Frau und wir haben 5 Beweise

Link zum Artikel

"Bachelorette": Das Lustigste an Folge 1 waren die Memes, guck!

Link zum Artikel

"Masked Singer": Faisal Kawusi empört mit üblem Merkel-Witz – ProSieben reagiert patzig

Link zum Artikel

Das denken Singles, wenn sie diese 5 Sprüche hören

Link zum Artikel

Ein Helene-Fischer-Song war für Florian Silbereisen gedacht – doch es kam ganz anders

Link zum Artikel

"In meinen Kühlschrank geschaut": So dreist kontrolliert das Jobcenter Hartz-IV-Empfänger

Link zum Artikel

"Die Bachelorette": Die beklopptesten Sprüche der ersten 15 Minuten

Link zum Artikel

"The Masked Singer": Dieser Promi steckt im Kudu-Kostüm!

Link zum Artikel

Autofahrer weichen aus: Gelbe Teststreifen plötzlich auf der A4 aufgetaucht

Link zum Artikel

Aldi startet neues Konzept in London – warum das in Deutschland nicht funktionieren würde

Link zum Artikel

Whatsapp-Panne: Tochter schickt Eltern Urlaubs-Selfie – Wiedersehen dürfte peinlich werden

Link zum Artikel

Samu Haber flirtet bei "The Masked Singer" mit dem Monster: "Ich schlafe gerne mit dir!"

Link zum Artikel

9 Hochzeitsplaner erzählen, welche "tollen Ideen" sie nicht mehr sehen können

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Kurz vor Geburt des Babys: Schwangere Pottwal-Mutter stirbt an 22 Kilo Plastik im Bauch

Sie hätte bald ihr Baby zur Welt gebracht. Doch kurz vor der Geburt verstarb eine Pottwalkuh vor Sardinien. Der Körper des toten Meeressäugers wurde vergangene Woche an einem beliebten Touristenort geborgen. Nach einer Obduktion ist klar: Die Wahlkuh hatte 22 Kilo Plastik im Magen, das sie verhungern und verdursten ließ.

Das bestätigten das Italienische Umweltministerium und die Organisation "Seame Sardinia", die diese Bilder postete:

Luca Bittau, der Präsident von "Seame Sardinia", sagte …

Artikel lesen
Link zum Artikel