Deutschland
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

Den meisten wäre es lieber, in Innenstädten wären Böller verboten (laut einer Umfrage)

Eine Mehrheit der Bundesbürger wünscht sich einer Umfrage zufolge Feuerwerksverbote in deutschen Innenstädten. Fast 60 Prozent von mehr als 5000 Befragten sprachen sich für einen solchen Böller-Bann aus, wie das Online-Meinungsforschungsinstitut Civey im Auftrag der Online-Portale der Funke-Mediengruppe herausfand.

Auf die Frage
"Sollte das Zünden von Feuerwerk Ihrer Meinung nach an Silvester in deutschen Innenstädten verboten werden?"
antworteten: 

Kanonenschlaege, am 28.12.2018 startet der Feuerwerksverkauf Feature zum Thema Feuerwerksverkauf, Silvester, Neujahrsfeuerwerk am 22.12.2018 in Freudenberg/Deutschland. *** Cannon blows on 28 12 2018 starts fireworks sales Feature on fireworks sales New Years Eve New Years fireworks on 22 12 2018 in Freudenberg Germany

Bild: imago stock&people

Unter Frauen stoßen solche Verbote der Umfrage zufolge auf etwas größere Zustimmung als unter Männern. Der Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI) hatte kürzlich die zunehmenden Verbote von Silvesterfeuerwerken in großen Städten kritisiert. Ganz entschieden oder "eher" gegen solche Verbote sind den Civey-Angaben zufolge weniger als ein Drittel der Befragten.

Die Deutsche Umwelthilfe warnte erst kürzlich vor einer hohen Feinstaubbelastung zu Silvester und fordert eine Verlegung von Feuerwerken aus belasteten Innenstädten. "Wir möchten eine Verschiebung der Feuerwerksaktivitäten raus aus der Innenstadt", sagte der Geschäftsführer der Umwelthilfe, Jürgen Resch. "Entweder auf Flächen am Stadtrand, wo die Menschen ihre Feuerwerkskörper abfeuern können oder noch besser ein professionelles Feuerwerk außerhalb sensibler Zonen, an dem sich alle erfreuen können und welches kaum Feinstaub erzeugt."

Feinstaub

Feinstaub-Partikel können laut Umweltbundesamt bis in die Lunge gelangen und in den Blutkreislauf eindringen. Sie können Entzündungen der Atemwege hervorrufen, außerdem Thrombosen und Herzstörungen. Der Feinstaub-Ausstoß ist in Deutschland seit Mitte der 1980er Jahre deutlich gesunken. Städte haben Umweltzonen eingerichtet, um ihre Feinstaubwerte zu senken. Der Grenzwert für Feinstaub für das Tagesmittel von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter darf an insgesamt 35 Tagen im Jahr überschritten werden.

Der Deutsche Städtetag wies die Forderung zurück, Feuerwerk in belasteten Innenstädten zu stoppen. Es sei zwar richtig, dass Umwelt und Gesundheit von Feuerwerk "in einem gewissen Umfang belastet" würden. "Daraus die Forderung abzuleiten, Silvesterfeuerwerk an den Stadtrand zu verlagern, geht mir jedoch zu weit", sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, Helmut Dedy, dem "Handelsblatt". Anders sehe es bei einem Stopp für Feuerwerk aus Sicherheitsgründen aus. "Einige Städte untersagen das Abfeuern von Feuerwerk und Raketen in bestimmten Teilen der Innenstädte, um die Sicherheit der feiernden Menschen zu erhöhen", sagte Dedy dem Blatt.

Fireworks from Yung Feng Fireworks Company in Taiwan light up the evening sky during the 9th Philippine International Pyromusical Competition Saturday, March 17, 2018 at the seaside Mall of Asia in suburban Pasay city south of Manila, Philippines. Various fireworks manufacturers from France, Germany, Italy, China, Canada, United Kingdom, Austria, Switzerland, Taiwan and the Philippines are taking part in the annual competition with the United Kingdom's Pyrotex Fireworks Ltd. being the back-to-back champion. (AP Photo/Bullit Marquez)

Lieber professionelle Feuerwerke an den Rändern der Städte? Bild: AP

Zum Jahreswechsel werden laut Umwelthilfe durch Feuerwerkskörper in wenigen Stunden 5000 Tonnen Feinstaub freigesetzt. Dies entspricht etwa 17 Prozent der jährlich im Straßenverkehr entstehenden Feinstaubmenge. Zugleich fordert die Umwelthilfe Verbote für Silvesterböller und mit Schwarzpulver angetriebene Raketen, die für die "extremen Feinstaubwerte", aber auch viele Brände und Verletzungen verantwortlich seien. Dies sei im Ausland häufig bereits Praxis, aber erst in wenigen deutschen Städten.

Die Deutsche Umwelthilfe

Die Umwelthilfe spielt besonders in der Dieselkrise eine große Rolle. Sie hat mit Klagen vor mehreren Gerichten Fahrverbote für ältere Dieselautos in Großstädten erwirkt. Dabei geht es aber vor allem um den Ausstoß von gesundheitsschädlichen Stickoxiden durch Dieselabgase.

Nicht nur der Feinstaub ist eine Gesundheitsgefahr. Alljährlich sorgt Silvester für volle Notaufnahmen. Ärzte behandeln dabei nicht nur Hobby-Pyrotechniker nach Unfällen, sondern auch Zufallsopfer. Das sind vor allem Kinder, wie Experten der Deutschen Presse-Agentur berichten. Ihr Anteil unter den Silvester-Verletzten habe in den vergangenen Jahren bei Augen- und Ohrenverletzungen zugenommen, sagte der leitende Oberarzt der Notaufnahme am Virchow-Klinikum der Berliner Charité, Tobias Lindner.

Grund seien etwa Knaller-Würfe, die zu Explosionen nahe dem Gesicht oder dem Ohr führen. Opfer hätten in solchen Fällen keine Chance, sagt der Mediziner. Deutsche Augenkliniken meldeten rund um Silvester der beiden Vorjahre jeweils weit mehr als 800 Augenverletzungen durch Pyrotechnik, wie die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft mitteilte.

Die ersten Unfallopfer sehen die Notaufnahme-Teams schon vor dem 31. Dezember – sobald Feuerwerk zum Verkauf steht, wie Lindner sagt. An Silvester reißt der Zustrom an Verletzten von kurz nach Mitternacht an so schnell nicht mehr ab. An Neujahr schleppen sich dann noch viele in die Rettungsstelle, die ihre Verletzung in der Nacht noch unterschätzten.

Kanonenschlag, Boeller in einer Hand am 28.12.2018 startet der Feuerwerksverkauf Feature zum Thema Feuerwerksverkauf, Silvester, Neujahrsfeuerwerk am 22.12.2018 in Freudenberg/Deutschland. *** Boeller cannon strike in one hand on 28 12 2018 fireworks sales feature on fireworks sales New Years Eve New Years fireworks on 22 12 2018 starts in Freudenberg Germany

Der brennt immerhin noch nicht. Bild: imago stock&people

Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, Joachim Windolf, nennt Verletzungen durch Böller typisch für Silvester. Manche Patienten trügen trotz mehrwöchiger Behandlung bleibende Schäden davon, sagt er. Es gehe um dauerhafte Bewegungseinschränkungen der Hand und gebrochene sowie ganz oder in Teilen abgesprengte Finger. Auch Narben im Gesicht können an die Missgeschicke erinnern.

Die Druckwelle einer Böller-Explosion nahe der Hand muss nicht zwangsläufig blutende Wunden oder verbrannte Haut hinterlassen. Es könne auch innerlich Gewebe zerstört werden, warnt Windolf. Darauf wiesen etwa Schwellungen hin. Zeitnah zum Experten zu gehen, sei dann wichtig, sagt der Direktor der Klinik für Unfall- und Handchirurgie am Uniklinikum Düsseldorf. Ein Teil der Patienten habe aber "dann doch irgendwie Glück", sagt er.

Lindner findet, dass Feuerwerkskörper schon allein wegen gezielter Angriffe auf Rettungskräfte wie im Vorjahr in Berlin nicht in die Hände einer breiten Öffentlichkeit gehören. "Man sollte sich auf schöne Feuerwerke konzentrieren, die der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, so dass man das gemeinsame Erlebnis hat", sagt er. Den "Straßenkampf" hingegen solle man unterbinden.

Mediziner Windolf hingegen hält ein Feuerwerksverbot in einer "freien Gesellschaft" nicht für zielführend: Womöglich griffen die Leute dann erst recht zu gefährlichen illegalen Knallern, mit schlimmeren Folgen, befürchtet er – und setzt auf Aufklärung.

Umfrage

Was hältst du von Böllern?

  • Abstimmen

47

  • Gar nichts, sind mir zu laut, stinken und schön sehen sie auch nicht aus.77%
  • Ohne Böller? Ohne mich! Gehören einfach dazu an Silvester.19%

(dpa)

So schön ist der Winter:

Das könnte dich auch interessieren:

Warum Frauen an der Gitarre unterschätzt werden – Spoiler: Es hat mit Männern zu tun

Link zum Artikel

"Halt die Fresse, du erbärmliche Frau": Flugzeug-Crew droht 22-Jähriger mit Rausschmiss

Link zum Artikel

Zyklon "Idai": Zahl der Toten in Simbabwe auf 70 gestiegen

Link zum Artikel

Klimaschützerin Luise Neubauer: Anführerin einer wachsenden Bewegung

Link zum Artikel

19 Bilder, die dir zeigen: Es ist nicht alles, wie es scheint

Link zum Artikel

Tesla enthüllt das Model Y – so sieht es aus, und so viel kostet es

Link zum Artikel

Umstrittene Netflix-Doku zum Fall "Maddie" sorgt für Aufregung

Link zum Artikel

"Schulschwänzen nicht heilig sprechen" – Lindner schießt wieder gegen #FridaysForFuture

Link zum Artikel

Wie peinlich kann ein Sex-Date sein? Ja, lest mal dieses Jodlers Reim!

Link zum Artikel

Optische Täuschung: Künstlerin verschwindet dank Make-up in ihrer Umgebung

Link zum Artikel

Greta Thunberg in Schweden "Frau des Jahres"

Link zum Artikel

Katarina Barley: "Rabenmutter gibt's nur auf Deutsch"

Link zum Artikel

"Frauen der Mauer" von strengreligiösen Juden in Jerusalem bespuckt und beschimpft

Link zum Artikel

Wir waren mit Deutschlands bester Skaterin unterwegs. Sie ist 11 Jahre alt.

Link zum Artikel

9 Stars, denen völlig egal war, was Männer und Frauen tragen "sollten"

Link zum Artikel

In diesen Ländern haben die Frauen das Sagen (es sind immer noch zu wenige)

Link zum Artikel

Einen Tampon einzuführen erregt uns nicht und 32 weitere Wahrheiten über Frauen

Link zum Artikel

Der Tod des Patriarchats! Daenerys auf den Thron #TeamDaenerys

Link zum Artikel

"Pink Tax" für Frauen: Gleiches Produkt, gleicher Inhalt, aber teurer

Link zum Artikel

Ich habe mich mit Mama & Oma über Emanzipation unterhalten – es lief anders, als erwartet

Link zum Artikel

watson wird zur Frau! Ja, du hast richtig gelesen

Link zum Artikel

Virgin Atlantic hebt Make-up-Vorgaben auf – aber wieso gibt es die überhaupt noch?

Link zum Artikel

Sie hat alle überlebt, alleine dafür gebührt ihr der Thron #TeamSansa

Link zum Artikel

Chinesische "Harry Potter"-Fans reisten nach Sydney – sie dachten, dass dort Hogwarts sei

Link zum Artikel

#VansChallenge – Warum jetzt überall Sneaker durch die Luft fliegen

Link zum Artikel

Trumps Twitter-Feed ist verrückt? Dann schau dir mal den von Brasiliens Präsidenten an

Link zum Artikel

Die beliebtesten Länder-Slogans – erkennt ihr den Spruch eures Bundeslandes?

Link zum Artikel

Trump nennt den Apple-CEO "Tim Apple" – und die Reaktionen sind großartig

Link zum Artikel

Der Hundewurf von Straubing – und was die AfD daraus macht

Link zum Artikel

Diese Russin ist ein Insta-Star – weil sie ihr Wald-Leben inszeniert wie eine Stadt-Ikone

Link zum Artikel

So romantisch wie Fußnägelschneiden – Erster Heiratsantrag bei Jauch via Telefonjoker

Link zum Artikel

Wenn die Sonne stirbt, ist das wie ein leiser Pups

Link zum Artikel

Zitterpartie Brexit – Geht Mays Strategie schief? Und 5 weitere Fragen

Link zum Artikel

Die Oscars werden zum Queengasmus – unser Protokoll der Nacht

Link zum Artikel

Forscher stehen vor Rätsel: Was macht ein toter Wal im Dschungel?

Link zum Artikel

Darf er das? Chelsea-Torwart verweigert Auswechslung – sein Trainer tobt

Link zum Artikel

Es ist so warm in Deutschland, dass auch schon die Mücken unterwegs sind

Link zum Artikel

Grimassen und getretene Kleider – 13 Dinge, die du in der Oscar-Nacht verpasst hast

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

"Kritische Schwelle" erreicht: So heiß wird die Erde in den nächsten 5 Jahren

Überall in Europa haben Schüler bei Klimastreiks den "Klimanotstand" ausgerufen.

Und das offenbar nicht ohne Grund: Wie das britische "Met Office" am Mittwochabend bekannt gab, befindet sich unser Planet inmitten der wärmsten Dekade, welche die Erde seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1850 erlebt. 

Die Weltwetterorganisastion (WMO) veröffentlichte am Mittwoch ebenfalls ihre neuesten Auswertungen. 

Die vergangenen vier Jahre waren nach Angaben WMO die wärmsten seit Beginn der …

Artikel lesen
Link zum Artikel