Deutschland
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.
Bild

montage dpa/getty

Kann der Ex-VW-Chef noch ins Ausland? 4 Fragen zum Fall Martin Winterkorn

PHilipp Blanke

Die oberste Etage sei in die Manipulationen nicht eingeweiht gewesen, hieß es immer bei VW. Zumindest die US-Justiz sieht das anders - und klagt Ex-Konzernchef Winterkorn an. Sollte er verurteilt werden, droht ihm eine lange Haftstrafe.

Auch in Deutschland wird weiter ermittelt. Wir beantworten 4 Fragen zum Fall Winterkorn

Was ist passiert?

Der Top-Manager Winterkorn war im September 2015 von seinem Amt bei Volkswagen zurückgetreten, kurz nachdem US-Behörden Abgasmanipulationen von zahlreichen Dieselautos bei VW aufgedeckt hatten. VW hatte nur mit einer "Defeat Device" genannten Manipulations-Software die Schadstoff-Grenzwerte eingehalten.

In den USA waren rund 600.000 Fahrzeuge betroffen, weltweit etwa 11 Millionen. Winterkorn hatte trotz seines Rücktritts betont, sich keines Fehlverhaltens bewusst zu sein. Die US-Ermittler gehen davon aus, dass Winterkorn im Mai 2014 und Juli 2015 über die Abgasmanipulation informiert wurde und dann mit anderen Führungskräften entschieden habe, die illegale Praxis fortzusetzen.

Wie ist der Stand der Ermittlungen?

Die amerikanische Justiz klagt Ex-VW-Chef Martin Winterkorn an und will den früheren Top-Manager wegen Betrugs im Abgasskandal zur Rechenschaft ziehen. Außerdem wird ihm  Verschwörung zum Verstoß gegen Umweltgesetze und zur Täuschung der Behörden vorgeworfen. Winterkorn ist der neunte ehemalige oder aktuelle VW-Mitarbeiter, gegen den US-Behörden Strafanzeige stellen.

Auch in Deutschland laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Allein in Braunschweig prüfen mehrere Staatsanwälte mit Unterstützung des niedersächsischen Landeskriminalamts den Verdacht des Betrugs und der Marktmanipulation - auch gegen Winterkorn. Einen Haftgrund sieht man hier nicht. Aber der Austausch mit den amerikanischen Kollegen sei in allen Fragen "sehr eng und gut", hieß es aus der Behörde. Von Winterkorn selbst war keine Stellungnahme zu erhalten. Ihm könnten in den USA im Extremfall 25 Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe von bis zu 275.000 Dollar drohen.

Kann er noch ins Ausland reisen?

Kann er, aber er sollte es sich gut überlegen. Die US-Justiz kann Martin Winterkorn und viele andere deutsche Manager im Dieselskandal kaum zur Rechenschaft ziehen. Denn Deutschland liefert keine eigenen Staatsangehörigen an die USA aus. Gefährlich wird es für beschuldigte Deutsche, die ins Ausland fahren - und für beschuldigte Ausländer in Deutschland: Sie können unter Umständen von den örtlichen Behörden verhaftet und an die USA ausgeliefert werden.

Viele VW-Manager seien gut beraten, bis auf weiteres keinen Fuß auf US-Boden zu setzen, heißt es in Kreisen der deutschen Anwälte, die sich mit dem Volkswagen-Skandal befassen. Das gelte auch für Führungskräfte, die bisher nicht in den USA angeklagt werden. "Ich rate meinem Mandanten, das nicht zu riskieren", sagt einer der Juristen.

Was tut Winterkorn heute?

Justizkreisen zufolge soll er sich in Deutschland aufhalten. Laut einem Gerichtssprecher ist er nicht in Haft. Winterkorn wohnt in München. Kürzlich hatte der Ex-Manager das Eigentum an seiner Villa in München Bogenhausen, in der er mit seiner Ehefrau Anita wohnt, an eine GmbH & Co KG übertragen.

Zuvor waren Haus und Grundstück auf die Privatleute Anita und Martin Winterkorn eingetragen. Wie das Wirtschaftsmagazin BILANZ berichtete, kann die Übertragung des Eigentums auf die ebenfalls den Winterkorns gehörende Gesellschaft helfen, zumindest den Anteil von seiner Frau vor möglichen Schadenersatzansprüchen an Winterkorn zu sichern.

Bild

Martin und Anita Winterkorn 2009 bei einem Empfang in Berlin Bild: dpa-Zentralbild

Wenn Winterkorn nachgewiesen wird, dass er im "Dieselgate-Fall" mit Vorsatz gehandelt hat, greift seine Managerhaftpflichtversicherung nicht, er müsste mit seinem Privatvermögen (geschätzt rund 150 Millionen Euro) für Schadenersatzansprüche des Konzerns haften.

Das Ehepaar Winterkorn hat sich aus der Öffentlichkeit weitestgehend zurück gezogen, besucht keine Bälle oder Premieren mehr wie früher. Winterkorn ist nach wie vor Mitglied im Aufsichtsrat des Fußballvereins Bayern München und zeigt sich hin und wieder bei Spielen. Ohne Bodyguards verlässt er laut BILD das Haus nicht. Ansonsten ist es still um ihn geworden.

(mit dpa/afp/Reuters)

Noch mehr Wirtschafts-News:

Kein Hartz IV für Unter-50-Jährige? Das sagt ein Wirtschaftsprofessor dazu

Link zum Artikel

Nach dem WM-Aus drohen Gastronomen und Werbern Millionenverluste 

Link zum Artikel

Du könntest bald Geld für ein Haus bekommen – der watson-Guide zum Baukindergeld

Link zum Artikel

Harley-Davidson ist nur der Anfang: Wie Trump sich im Handelskrieg verfahren hat

Link zum Artikel

Dieser "Airbag" soll dein Handy vor teuren Display-Schäden schützen 

Link zum Artikel

4 Fakten zum Kükenschreddern und warum es bald ein Ende haben könnte 

Link zum Artikel

Den watson-Kryptos geht's besser – die Branche bleibt leider unseriös (Pornos sind Schuld)

Link zum Artikel

11 Dinge, die du dich nicht mehr traust, zu Bitcoin zu fragen

Link zum Artikel

Zocke ich meinen Bäcker ab, wenn ich mit Karte zahle?

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

So instrumentalisieren rechte Ideologen den Brand von Notre-Dame für ihre Zwecke

Link zum Artikel

Diese Iranerin zog ihr Kopftuch aus und muss jetzt ein Jahr ins Gefängnis

Link zum Artikel

Hartz-IV-Sanktionen in der Schulzeit: "Ich lebte von 30 Euro im Monat"

Link zum Artikel

"Wir sind nicht bei der WM!" Club aus Brandenburg hat 5 Regeln für Helikopter-Eltern

Link zum Artikel

Bei der Hillsborough-Tragödie sterben 96 Fans – und werden dafür beschuldigt

Link zum Artikel

Vermisst und wieder aufgetaucht – 7 Fälle von Kindern, die verschwunden waren

Link zum Artikel

Der HSV wirbt mit seinen Fans – nur sind's keine Hamburger. Sondern Magdeburger!

Link zum Artikel

Weil Erdogan kam, drang die Polizei in das Büro dieses Abgeordneten ein – jetzt klagt er

Link zum Artikel

"Junge Mädchen werden hier kaputtgefickt" – Ex-Prostituierte will Sexkaufverbot erreichen

Link zum Artikel

Erstes Foto von einem Schwarzen Loch – und das Internet so 🤷‍♀️

Link zum Artikel

Findest du heraus, welche dieser traurigen Tier-Fakten stimmen?

Link zum Artikel

Die coolste Socke gehört auf den "GoT"-Thron! #TeamTyrion

Link zum Artikel

Pete wer??? Die neue Demokraten-Hoffnung ist jung, schwul und will Donald Trump besiegen

Link zum Artikel

"Finde das furchtbar!" Hamburg kämpft gegen Helikoptereltern – diese 3 Mütter machen mit

Link zum Artikel

Vorhaut-Cremes und Unten-ohne-Sonnenbäder: Die absurdesten Promi-Beauty-Tipps

Link zum Artikel

Wurden sie über Bord geworfen? Tote Kühe am Strand von Teneriffa angespült

Link zum Artikel

9 Eltern, die ihren Sinn für Humor hoffentlich weitervererben

Link zum Artikel

Frauenarzt?! Was im Rammstein-Video zu "Deutschland" keinem auffiel

Link zum Artikel

Nach dem sinnlosen Tod von Hund Sam warnt sie vor diesem Spielzeug

Link zum Artikel

19 Bilder, die dir zeigen: Es ist nicht alles, wie es scheint

Link zum Artikel

Der Tod des Patriarchats! Daenerys auf den Thron #TeamDaenerys

Link zum Artikel

Ich habe mich mit Mama & Oma über Emanzipation unterhalten – es lief anders, als erwartet

Link zum Artikel

Diese Russin ist ein Insta-Star – weil sie ihr Wald-Leben inszeniert wie eine Stadt-Ikone

Link zum Artikel

Wenn die Sonne stirbt, ist das wie ein leiser Pups

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Nach Artikel 13 kommt der Wahlkampf: So streben die Parteien ins EU-Parlament

Nach dem Artikel 13 ist vor den Wahlen. Vielen vor allem jungen Wählern wird die Abstimmung um das neue Urheberrecht mehr als frustrierend vorgekommen sein. Bei der Europawahl ist die Beteiligung sowieso gering, was da an Schlammschlacht um den Artikel 13 passiert ist, wird es kaum besser machen.

Aber genauso trommeln die ersten Frustierten einen ganz anderen Ton. So knallte etwa ein Tweet von Sascha Lobby in der Netz-Community am Dienstag ein wie eine Bombe.

Damit ist der Wahlkampf eingeleutet. …

Artikel lesen
Link zum Artikel