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Trigema-Chef Wolfgang Grupp verteidigt die hohen Preise für seine Masken. Dieses Bild stammt aus dem Jahr 2016. Bild: imago images / DeFodi / DeFodi

120 Euro für zehn Masken: Trigema-Chef rechtfertigt sich

Angesichts des Engpasses bei Schutzkleidung und medizinischer Ausrüstung stellen auch in Deutschland Unternehmen ihre Produktion um. Beim schwäbischen Textilhersteller Trigema löste allein die Ankündigung, in die Produktion von Atemschutzmasken einzusteigen, einen Bestellansturm aus.

Schon Ende März hat das Unternehmen von Wolfgang Grupp so seine Produktion zumindest teilweise auf Mund- und Nasenschutz-Masken umgestellt. Um die Nachfrage befriedigen zu können, werde auch samstags gearbeitet, hieß es damals. Mit der Produktion von Schutzausrüstung konnte die Umstellung auf Kurzarbeit verhindert werden. Denn wegen der Corona-Krise waren rund 50 Prozent des Absatzes weggebrochen.

"Da war ich nicht ganz undankbar, dass ich vorher großspurig gesagt habe: Ich kann das nähen", sagte Unternehmenschef Grupp vor fast drei Wochen.

Trigema verlangt 120 Euro für zehn Masken

Angesichts der Knappheit an Schutzmasken hilft es, wenn Unternehmen ihre Produktion umstellen. Wer allerdings denkt, Trigema agiere in der Corona-Krise mit karitativem Anspruch, der irrt sich.

Stolze 120 Euro verlangt das Unternehmen für zehn Stück des "Behelfs-Mundschutzes". 12 Euro für ein kleines Stück Stoff, das nicht einmal eine FFP2- oder FFP3-Maske darstellt und einen damit nicht mal selbst schützt, sondern nur andere. Ein Schnäppchen ist das keinesfalls.

Bei größeren Bestellmengen sinkt der Preis zwar. Ab 1000 Masken liege der Stückpreis bei sechs Euro, berichtet die "Welt". Bei der Konkurrenz gebe es dennoch billigere Angebote.

Firmenchef Grupp verteidigt den Preis

Gegenüber der "Welt" rechtfertigt der Firmenchef am Donnerstag den hohen Preis. Eine Maske herzustellen sei nicht so einfach, wie es aussehe.

Grupp sagt:

"Der Preis ist für mich angemessen, wenn die Löhne und Sonderausgaben gedeckt sind."

Und weiter: "Ich habe gerne geholfen, aber ich kann die Masken nicht verschenken." Schließlich seien fünf Arbeitsgänge pro Maske erforderlich, beginnend beim Stoffschneiden bis hin zum Verpacken der Ware.

HANDOUT - 23.03.2020, Baden-Württemberg, Burladingen: Mundschutz-Masken werden beim Bekleidungshersteller Trigema in einem Produktionssaal hergestellt. Der schwäbische Bekleidungshersteller Trigema hat wegen der Corona-Pandemie seine Produktion auf Mund- und Nasenschutz-Masken teilweise umgestellt. (zu dpa: «Trigema stellt wegen Corona-Pandemie Mundschutz-Masken her») Foto: Trigema/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der aktuellen Berichterstattung und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++

So sieht das bei Trigema in Baden-Württemberg aus. Bild: dpa / Trigema

"Der deutsche Lohn ist gedeckt und ich garantiere die Arbeitsplätze", rechtfertigt sich Grupp in der "Welt". Rund 350.000 Masken habe Trigema bisher ausgeliefert, täglich kämen 35.000 Stück dazu. Und eine ganze Million Masken-Aufträge gebe es noch. Das führe dazu, dass Bestellungen des heutigen Tages erst im Mai ausgeliefert werden könnten.

Das klingt nach einem funktionierenden Geschäftsmodell. Nach der Corona-Krise will Grupp trotzdem nicht weiter im Masken-Business bleiben. "Ich bin gottfroh, wenn die Nachfrage wieder nachlässt und ich zu meiner normalen Produktion von Sport- und Freizeitbekleidung zurückkommen kann", sagt der Trigema-Chef.

Anmerkung:

Wir haben den Text um die Information ergänzt, dass der Stückpreis der Masken bei größeren Bestellmengen sinkt.

(hau)

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    Alle Leser-Kommentare
  • vonZorn 17.04.2020 11:31
    Highlight Highlight Der Preis kommt auf den ersten Blick sicherlich hoch daher. Aber im Grunde hat er Recht. In unserer Stadt hat sich eine Koalition aus Schneidern und Näherinnen etc. zusammengeschlossen und produziert stylische Gesichtsmasken, um es irgendwie durch die Krise zu schaffen. Das Stück kann man für € 18,95 (!) erwerben. Nur sind das halt keine gierigen "Raffkes" und wir unterstützen sie.
  • Alex78 17.04.2020 10:41
    Highlight Highlight @Watson
    Im Artikel fehlen leider einige Details, z.B. dass der Preis bei Abnahme einer größeren Menge nur noch 6,- statt 12,- pro Maske beträgt.
    Damit gebt ihr dem Artikel einen ganz anderen (verfälschten) Tenor.
    • Leonhard Landes 17.04.2020 14:18
      Highlight Highlight @Alex78: Danke, wir haben die Info noch ergänzt.
    • Alex78 17.04.2020 17:09
      Highlight Highlight @Leonhard Landes
      Danke.
      Fairerweise könntet ihr auch noch erwähnen, dass das eine der ganz wenigen deutschen Firmen ist, die keinerlei staatlichen Hilfen (Kurzarbeit) beantragt haben, sondern sich immer noch komplett aus eigener Kraft finanzieren.
      Dann versteht der eine oder andere die Preisgestaltung vielleicht eher.
  • Dorian 17.04.2020 09:37
    Highlight Highlight Das sind Firmen, wo nur noch der Name existent ist, der Rest ist Marode. Große Schnauze in der Werbung mit einem Affen, denn der kostet nur eine Banane, aber mit Schutzmasken sich bereichern wollen. Nunja, Herr Grupp, einfach alles Marode, oder??
    • Alex78 17.04.2020 17:13
      Highlight Highlight Hauptsache keine Ahnung aber stänkern, oder?
      Hunderttausende Firmen schreien gerade nach Kohle vom Staat, und eine der wenigen, die vom Staat keinen Cent fordert, sondern noch brav Steuern zahlt, soll marode sein?
  • Hansi Daurippel 16.04.2020 21:46
    Highlight Highlight Neoliberaler Raffke.
    • Alex78 17.04.2020 10:38
      Highlight Highlight Du hast anscheinend weder Ahnung von BWL, noch vom deutschen Abgaben- und Lohnnebenkostenniveau.
    • vonZorn 17.04.2020 11:24
      Highlight Highlight ...der sich die Taschen viel voller machen könnte, wenn er auf seine Belegschaft einen Feuchten gäbe und seine Produktion ins schöne China verlagerte. Wer braucht schon "Made in Germany", wenn das von zarten Kinderhänden in Fernost auch erledigt weden kann... gelle.
    • Hansi Daurippel 17.04.2020 19:19
      Highlight Highlight @Alex78.Komisch,warum haben denn zig Betriebe Plexiglasschutz für Kassenbereiche hergestellt. Zum Selbstkostenpreis, võllig selbstlos.
      Ganz einfach, die einen sind in Kriesen solidarisch und die anderen wittern das dicke Geld.
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