Digital
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.
SAN JOSE, CA - MAY 01:  Facebook CEO Mark Zuckerberg speaks during the F8 Facebook Developers conference on May 1, 2018 in San Jose, California. Facebook CEO Mark Zuckerberg deliverd the opening keynote to the FB Developer conference that runs through May 2.  (Photo by Justin Sullivan/Getty Images)

Bild: Getty Images North America

The Germans haben Zuckerberg ein blaues Auge verpasst, aber k.o. ist Facebook längst nicht

Das deutsche Kartellamt macht ernst und will Facebooks Datensammelwut beschränken. Doch kann das funktionieren? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

laura stresing / t-online

Was ist passiert?

Mehr als zwei Jahre hat das deutsche Bundeskartellamt untersucht, wie Facebook seine Nutzer im Internet verfolgt und ob es damit gegen Wettbewerbsregeln verstößt. Am Donnerstag verkündete die Bonner Behörde ihr Urteil: Facebook muss aufhören, Nutzerdaten nach Belieben über Apps und Webseiten von Drittanbietern abzugreifen und mit seinen eigenen Informationen zu verknüpfen.

Wie sammelt Facebook unsere Daten außerhalb des sozialen Netzwerks (selbst wenn wir Facebook gar nicht nutzen)?

Facebook sammelt Nutzerdaten nicht nur direkt auf Facebook, sondern auch ...

Dadurch weiß Facebook, was seine Nutzer außerhalb von Facebook treiben und kann ihnen überall im Web oder in Apps passende Werbung zeigen. (Wie du das Tracking abschalten kannst, erfährst du hier.)

Was muss Facebook nun ändern?

Das Kartellamt kritisiert die Sammlung von Daten über Drittanbieter und fordert, dass Facebook keine Informationen aus Drittquellen mehr mit Nutzerprofilen verknüpft. Das gilt auch für die konzerneigenen Dienste WhatsApp und Instagram. Facebook soll sich zuerst die ausdrückliche Einwilligung der Nutzer einholen, bevor es Daten bei Drittanbietern erhebt.

Facebook muss innerhalb von vier Monaten erklären, wie es die Vorgaben umsetzen will. Das Netzwerk hat insgesamt zwölf Monate Zeit, die nötigen Anpassungen vorzunehmen.

Gibt es Hinweise, dass Facebook seine Macht missbraucht?

Das Kartellamt stört sich vor allem daran, dass Facebook-Nutzer der Datensammlung über Drittanbieter uneingeschränkt zustimmen müssen – oder ganz auf Facebook verzichten müssen. Für Facebook-Nutzer heißt dies: "Friss oder stirb". Das sei nach geltendem Datenschutzrecht unzulässig.

Außerdem schade Facebooks Verhalten dem Wettbewerb auf dem Werbemarkt. Durch seinen umfassenden Zugang auf Daten aus verschiedenen Quellen könne das Netzwerk seinen Service verbessern. Dadurch werde das Facebook "für Werbekunden immer unverzichtbarer". Die Folge: Anzeigenkunden ziehen ihre Budgets von anderen Konkurrenten – zum Beispiel Newsportale wie watson – ab, und stecken das Geld in Facebook-Werbung. So wird Facebook immer mächtiger. Diese Spirale will das Kartellamt durchbrechen.

Bild

Wie reagiert Facebook?

Die Reaktion von Facebook kam prompt. Man werde gegen den Beschluss Beschwerde einlegen, kündigte das Unternehmen in einer Stellungnahme an. Das Netzwerk wehrt sich insbesondere gegen die Vermischung von Kartellrecht und Datenschutz. Es ist damit zu rechnen, dass der Streit durch mehrere Instanzen geht und Jahre dauern wird.

Warum ist die Entscheidung so wichtig?

Seit Jahren versuchen Politik und Datenschutzbehörden, Facebook einer strengeren Kontrolle zu unterziehen. Nun schalten sich zum ersten Mal die Wettbewerbshüter ein. Damit beschreiten sie allerdings juristisches Neuland.

Allein die Feststellung der Kartellrechtsexperten, dass Facebook eine große Marktmacht besitzt, kann enorme Konsequenzen nach sich ziehen. Sie könnte europaweite Strahlkraft haben und weiteren Regulierungsbemühungen die Tür öffnen. Nicht umsonst wehrt sich Facebook gegen die Annahme des Bundeskartellamts. Facebook sei zwar populär, aber nicht marktbeherrschend.

Wieso kümmert sich das Kartellamt um Datenschutz-Angelegenheiten?

Die Behörde geht davon aus, dass Facebook eine marktbeherrschende Stellung in Deutschland einnimmt. Das Netzwerk hat in unserem Nachbarland etwa 30 Millionen Nutzer im Monat. Das entspreche einem Marktanteil von 95 Prozent. In der Schweiz dürfte der Marktanteil ähnlich hoch sein.

Da diese Nutzer nicht einfach zu einem anderen, vergleichbaren Anbieter wechseln können, muss Facebook nach Ansicht des Kartellamts strenge Auflagen befolgen. So will die Behörde verhindern, dass das Netzwerk seine Position zum Nachteil der Nutzer missbraucht.

Hat Facebook eine marktbeherrschende Stellung?

Das Problem ist, dass das Kartellrecht noch aus einer analogen Zeit stammt. Es fehlt eine klare Definition, wie sich Marktmacht im digitalen Raum und insbesondere bei sozialen Netzwerken äußert.

So argumentiert Facebook, dass es durchaus mit zahlreichen anderen Anbietern um die Aufmerksamkeit der Nutzer konkurriere. Genannt werden etwa Twitter, YouTube und Snapchat. Tatsächlich lässt sich schon seit Jahren beobachten, dass sich vor allem die für die Werbeindustrie interessanten jungen Nutzer anderen Plattformen wie Snapchat zuwenden. Mit WhatsApp und Instagram kann Facebook diesen Nachteil aber ausgleichen.

Das Bundeskartellamt ist jedenfalls der Meinung, dass es "keine Alternative" zu Facebook gibt und macht das an der Funktionsweise fest. Sämtliche vergleichbare Netzwerke – beispielsweise StudiVZ oder Google Plus – sind in den vergangenen Jahren in der Bedeutungslosigkeit verschwunden.

Wie wird sich die Entscheidung auf Facebooks Geschäft auswirken?

Nach Einschätzung des Social-Media-Experten Martin Fehrensen muss sich Facebook keine Sorgen machen. Zwar gebe es immer wieder Bemühungen, das Unternehmen strenger zu kontrollieren, diese zeigen jedoch kaum Wirkung. "Der Wind weht Mark Zuckerberg mittlerweile schon kräftig ins Gesicht, zumindest in Deutschland und Europa. Ich glaube aber, der spürt das gar nicht. Es ist ja noch ein Ozean dazwischen", sagt Fehrensen. Drohende Strafen würde die Konzernspitze "einfach weglächeln".

Zudem führe das Netzwerk die Politik schon seit Jahren "an der Nase herum". Mit der angekündigten Verknüpfung seiner Dienste – Zuckerberg verschmilzt WhatsApp, Instagram und Facebook-Messenger– setzte sich Facebook beispielsweise erneut über sämtliche wettbewerbsrechtliche Einwände und Vorgaben hinweg. Noch 2014 musste der Konzern versprechen, WhatsApp von seinem übrigen Geschäft zu trennen.

Auf das Geschäft dürfte sich die Zusammenlegung der Apps sehr positiv auswirken, da sich Werbung anschließend noch leichter ausspielen lässt – und das auf drei der nutzerstärksten Plattformen.

Kann Facebook überhaupt noch gestoppt werden?

Angesichts der fortschreitenden technischen Integration der einzelnen Facebook-Apps (WhatsApp, Instagram) werde es immer schwieriger, Forderungen nach einer wirtschaftlichen Entflechtung durchzusetzen, glaubt Fehrensen. "Es fehlen ja jetzt schon die Konzepte, wie eine Zerschlagung des Konzerns aussehen könnte." Bis diese Pläne ausgereift seien, habe Facebook längst Fakten geschaffen. Gemeint ist, dass Mark Zuckerberg seine Apps – Facebook Messenger, Instagram und WhatsApp – bis Ende 2019 technisch verknüpft und somit eine Zerschlagung der Firma viel schwieriger bis unmöglich wird.

Was sagt die Politik?

In der Politik stößt der Beschluss des Kartellamts auf Zustimmung. Der deutsche Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber sagte, dass das Kartellamt "ein klares Zeichen" für den Datenschutz setze. Auch Justizministerin Katarina Barley begrüßte die Entscheidung. "Facebook hat die Sammlung und Vernetzung von Nutzerdaten inzwischen weit über seine eigene Plattform hinaus ausgebaut", sagte die SPD-Politikerin am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Grünen-Politikerin Katharina Dröge sieht die Bundesregierung in der Verantwortung: "Die große Koalition hat es jahrelang versäumt, die Macht der Internetgiganten zu beschränken. Das richtet jetzt das Bundeskartellamt." Mit der Entscheidung werde Facebooks "Friss oder Stirb-Taktik" ein Riegel vorgeschoben. Gleichzeitig zeige die Entscheidung, dass die Genehmigung der Fusionen von Facebook und WhatsApp ein Fehler gewesen sei. "Hier gibt es weiterhin Nachschärfungsbedarf bei der Fusionskontrolle – auch auf EU-Ebene."

Die deutsche FDP hingegen sieht keinen Handlungsbedarf. Das Wettbewerbs- und Kartellrecht biete genügend Instrumente, um den Wettbewerb zwischen werbefinanzierten Online-Angeboten zu gewährleisten, sagt FDP-Generalsekretärin Nicola Beer.

Auch in Bezug auf einen möglichen Zusammenschluss der Dienste Facebook, WhatsApp und Instagram sprach sich die FDP-Politikerin für eine "politikfreie Entscheidung der Kartellbehörden aus". "Wichtig ist, dass Facebook Verbraucher und andere Anbieter nicht übervorteilt", so Beer.

Dieser Artikel ist zuerst auf T-Online erschienen.

Lest hier noch einmal die Original-Meldung:

Deutschland feiert 100 Jahre Bauhaus – warum?

abspielen

Video: watson/Katharina Kücke

Diese Charaktere könnten auf dem Eisernen Thron landen

Das könnte dich auch interessieren:

WLAN auf dem Mars? Bibis Beauty Palace liefert TV-Blamage für die Ewigkeit

Link zum Artikel

Boris Palmers verwirrender Berlin-Besuch: Im "Drogen-Park" wird es besonders bizarr

Link zum Artikel

Neue WhatsApp-Sicherheitsfunktion ist gar nicht so sicher ...

Link zum Artikel

1860 München hat offenbar ein Anti-Ismaik-Banner auf der Homepage zensiert

Link zum Artikel

Diese Schönheitskönigin will bei Olympia 2020 eine Medaille holen – im Gewichtheben

Link zum Artikel

6 Fotografen für "World Press Photo" nominiert: Hinter jedem Bild steckt eine starke Story

Link zum Artikel

Der neue Pixar-Kurzfilm ist da – und nimmt sich wieder einem ernsten Thema an

Link zum Artikel

Hauptsache weiterhin männlich – die verzweifelte Suche der Kirche nach Priestern

Link zum Artikel

"Wenn's dir gefällt, mach es einfach" – wieso Alexander in die sibirische Kälte zog

Link zum Artikel

Nach rassistischem Pullover – Rapper nehmen Entschuldigung von Gucci nicht an

Link zum Artikel

"Aber so ist es halt grad" – wir haben 3 Obdachlose an ihre Schlafplätze begleitet

Link zum Artikel

9 Promis, die gerne (un)heimlich im Foto-Hintergrund rumlungern

Link zum Artikel

Ja, ich gestehe, ich habe Modern Talking gehört

Link zum Artikel

Teste den Sound von DOCKIN und sag uns deine Meinung!

Link zum Artikel

Netflix macht's einfach selbst – und will 3 Filme mit deutschen Stars drehen

Link zum Artikel

Das Wunder von Montana: Gefrorene Katze Fluffy wurde aufgetaut und überlebt

Link zum Artikel

Wenn du deinen Job auch so im Griff hast wie diese 17 Menschen, darfst du heute früher heim

Link zum Artikel

Rechtsextremismusverdacht: Bundeswehr suspendiert offenbar Elitesoldaten

Link zum Artikel

Stelle dich unserem ultimativen GNTM-Quiz für Superfans!

Link zum Artikel

Spieler selbst aufstellen – dieser Verein ist der Traum jedes FIFA-Fans

Link zum Artikel

Kartellamt schränkt Facebook beim Datensammeln ein

Link zum Artikel

Kartellamt verpasst Facebook blaues Auge – muss Zuckerberg das Datensammeln einstellen?

Link zum Artikel

"Weißbier trinken und die Klappe halten" – Assauers 14 ikonischste Zitate

Link zum Artikel

Real gratuliert Ronaldo nicht zum Geburtstag – und die CR7-Fans sind empört

Link zum Artikel

Jetzt erkennen die Briten langsam den Brexit-Irrsinn – Panik kommt auf

Link zum Artikel

Jodel: Auf einer Party rast sie aufs Klo – und merkt zu spät, dass es gar keins war...

Link zum Artikel

Weil 5 Pfarrer Geflüchteten halfen, wurden nun ihre Häuser durchsucht

Link zum Artikel

Die Karriere von Rudi Assauer in 15 bewegenden Bildern

Link zum Artikel

Suche nach Fußballer Sala –  Erste Leiche aus Flugzeugwrack geborgen

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Facebook will WhatsApp, Instagram und Facebook-Messenger verschmelzen

Mark Zuckerberg plant offenbar, Facebook, WhatsApp und Instagram künftig eng zu verknüpfen. Dies berichtet die "New York Times", die sich auf vier interne Quellen beruft. Die populären Apps sollen zwar eigenständig bleiben, künftig aber die gleiche Technik nutzen, was die verschlüsselte Kommunikation zwischen den drei Apps erlauben würde. 

Nach Inkrafttreten der Änderungen kann ein Facebook-Nutzer beispielsweise eine verschlüsselte Nachricht an jemanden senden, der nur ein WhatsApp-Konto …

Artikel lesen
Link zum Artikel