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Das neue Android Q wird super – dank vom iPhone geklauter Features

Für sein neues Betriebssystem, Android Q, hat sich Google schamlos beim großen Rivalen bedient. Das musst du über die innovative Gestensteuerung wissen.

Daniel Schurter

Das Wichtigste in Kürze

"Gute Künstler kopieren, großartige Künstler stehlen. Und wir haben immer schamlos gute Ideen geklaut."

Steve Jobs

Dreht sich der Apple-Gründer gerade im Grab um oder schaut er grinsend von seiner iCloud herunter?

Am Dienstag hat Android-Entwickler Google nicht nur neue Smartphones präsentiert, sondern auch eine Vorschau auf das neue mobile Betriebssystem gegeben. Und was soll man sagen: Mit Android 10, aka Android Q, erweist sich Apples großer Rivale als absolut großartiger Künstler.

"Die Schamlosigkeit dieses Plagiats ist erschütternd. Hat Google keinen Stolz? Kein Gefühl der Scham?"

John Gruber, Daring Fireball

So richtig wohl scheint es den Künstlern selbst nicht zu sein mit ihrem, äh, Werk. In der offiziellen Ankündigung im Google-Blog ("Das ist neu bei Android Q") wird die "neue" Gestensteuerung jedenfalls nur am Rande erwähnt.

Der Tech-Journalist Dieter Bohn, der für The Verge von der Entwicklerkonferenz I/O berichtet, rechnet mit Ärger. Googles neue Gestensteuerung sei der umstrittenste Teil von Android 10, und zwar aus folgenden Gründen:

Die neuen Gesten im Video

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Video: YouTube/The Verge

Zur Erinnerung: Google hatte schon mit Android 9 (Android Pie) eine Art Gestensteuerung eingeführt. Allerdings blieb dabei eine (virtuelle) Zurück-Taste erhalten.

In der neuesten Vorschauversion von Android Q ist der kleine Pfeil links unten verschwunden. Stattdessen wischt man von links oder rechts, um die Funktion der Zurücktaste auszuführen. Gewischt wird vom Rand Richtung Display. So wie man es auch schon vom iPhone X und neuer kennt.

Angst, Schadenfreude, Spott, Erleichterung ...

Er vermute, schreibt der US-Tech-Journalist, dass all diese iPhone-ähnlichen Gesten und Animationen "eine Kombination aus Angst, Schadenfreude, Spott oder Erleichterung" hervorrufen werden, je nachdem, wen man frage.

Der "größte" Unterschied zur iPhone-Gestensteuerung bestehe darin, dass sich bei Android der schmale Balken ganz unten in einem separaten Teil des Displays befinde, statt einen Teil des an sich angezeigten Inhalts zu bedecken.

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Bild: watson

Die Reaktionen ließen nach Googles Präsentation am Dienstag nicht lange auf sich warten ...

Die Vor- und Nachteile

Wobei: Apple warf 2008 dem Rivalen Google vor, dessen neues Betriebssystem Android basiere "auf einem einzigen großen Diebstahl". Ihre Anwälte schickten die Kalifornier dann nur gegen Samsung in den globalen Patent-Krieg, Google kam ungeschoren davon.

Was Steve Jobs bei seinen Wutreden gegen die iPhone-Kopierer tunlichst ausblendete, war seine eigene Gaunerei, die überhaupt erst Apples Siegeszug ermöglicht hatte.

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Der Macintosh von 1984, mit «revolutionärem» Bedienkonzept. Bild: apple

Die Apple-Ingenieure hatten hemmungslos die Schreibtisch-Oberfläche kopiert und verbessert, die ihr Chef in einem Forschungszentrum der Firma Xerox entdeckt hatte.

1989, also fünf Jahre nach dem Start des ersten Apple Macintosh, ging Xerox gerichtlich gegen den Ideenklau vor – und scheiterte. Die Klagefrist war abgelaufen.

Wird mein Android-Handy [füge hier Modellnamen ein] die neue Gestensteuerung auch erhalten?

Das ist noch nicht bekannt.

Einige Smartphone-Hersteller lassen die User entscheiden, ob sie eine Navigationsleiste oder Gesten benutzen wollen. Dazu gehören etwa Samsung und Huawei.

Hier zeichnen sich Konflikte zwischen Google und den großen Android-Abnehmern ab.

Tech-Journalist Bohn vermutet, dass Google hart daran arbeiten werde, die neue Gestensteuerung für alle Varianten von Android-Q-Geräten verfügbar zu machen. Dies "um Konsistenz und Vorhersehbarkeit zu gewährleisten".

Angesichts der Trends im Android-App-Design und der Trends, wie Hersteller wie Samsung das Betriebssystem angepasst haben, sei das eine große Sache. Es sei gerade wegen der Zurück-Funktion mit Widerstand zu rechnen.

Was ich davon halte ...

Bleibt anzumerken, dass Apple die Gestensteuerung 2017 mit dem iPhone X lancierte, dem ersten iPhone, das keinen physischen Home-Button mehr besitzt. Der Touchscreen-Bildschirm führt unten bis an den Rand des Geräts, dafür prangt zuoberst die "Notch", das ist die schwarze Einbuchtung im Display, unter der sich Front-Kamera und Sensoren für die 3D-Gesichtserkennung (FaceID) befinden.

Ich nutze die Gestensteuerung seit November 2017, als ich von Apple ein iPhone X als Testgerät erhielt, und seit Herbst 2018 mit einem iPhone XS Max. Auf beiden funktioniert das Navigieren hervorragend und blitzschnell, vor allem auch in Kombination mit der sicheren biometrischen Identifizierung per 3D-Gesichts-Scan. Man tippt zuerst kurz das Display an, um das Gerät zu aktivieren, und wischt dann ohne zu warten mit dem Finger nach oben, so dass der Bildschirm in Sekundenbruchteilen entsperrt wird.

Smartphone-User, die an den herkömmlichen Home-Button gewöhnt sind, müssen sich natürlich umgewöhnen wegen der Gesten. Meine Frau, die ein iPhone 7 nutzt, schimpft jedenfalls immer, wenn sie auf meinem entsperrten iPhone XS Max nur mal schnell eine bestimmte App öffnen will.

Android Q Beta ist ab sofort für diverse Android-Smartphones über android.com verfügbar. Installieren und ausprobieren auf eigene Gefahr: Die Software bringt Androiden gefährlich nah ans "Touch and Feel" des iPhones heran. 😉

PS: Wo Google Apple zuvorgekommen ist ...

Fürs iPhone soll der "Dark Mode" laut Gerüchteküche mit iOS 13 im Herbst kommen.

Verwendete Quellen:

So sehen Emojis im Real Life aus

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