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Meine "neuste" Anschaffung: Ein über 4 Jahre altes Macbook Pro mit garantiert fehlerfreier (US-)Tastatur. Wer etwas Neueres kauft, braucht Nerven. watson

Warum ich kein neues Macbook kaufe – und auch anderen davon abrate

Auch dem erfolgreichsten Hardware-Hersteller passieren üble Design-Fails, wie das Schlamassel rund um Apples Macbook-Tastatur zeigt. Verheerend wird es allerdings, wenn man nichts daraus lernt ...

Daniel Schurter / watson.ch

Ein neues Macbook Pro zu kaufen kommt für mich zurzeit nicht infrage. Auch keine Gebrauchtware vom letzten oder vorletzten Jahr.

Der Grund liegt nicht beim hohen Anschaffungspreis. Ja, neue Macbooks sind teuer, aber erfahrungsgemäß lohnt sich die Investition. Man kann extrem lang damit arbeiten und sie verlieren kaum an Wert, so dass man sie nach Jahren noch gut weiterverkaufen kann.

Allerdings ist der Fakt, dass gebrauchte Apple-Produkte wertvoll bleiben, bei Macbooks in Gefahr. Stattdessen drohen böse Überraschungen, wie wir gleich sehen ...

Das Butterfly-Debakel

"Diese Tastaturen sind der größte Fehler in der Geschichte von Apple."

John Gruber, Daring Fireball

Der Grund, warum ich vorläufig kein neues Macbook kaufe und es auch niemandem empfehlen würde, liegt bei einem nicht nur für Schreiberlinge zentralen Element: der Tastatur. Konkret geht es um den von Apple entwickelten Butterfly-Mechanismus, der fehleranfällig ist.

Das Problem ist nicht erst seit gestern bekannt, sondern längst ein Running Gag, wie Tweets zeigen ...

Betroffen sind:

Apple selbst beschreibt die Symptome, die laut Einschätzung unabhängiger Experten früher oder später jedes der oben genannten Modelle lahmlegen können:

So (sehenswert) ärgert sich ein professioneller Gadget-Tester ...

abspielen

Video: YouTube/Unbox Therapy

Konsequenz: Macbooks müssen in die Reparatur, um die Tastatur oder gleich den ganzen Oberbau zu ersetzen, weil man mit dem Gerät nicht mehr richtig schreiben kann.

Das Problem: Bei reparierten Macbooks könnten die oben geschilderten Tastatur-Aussetzer erneut auftreten. Denn noch immer sind die Ursachen nicht restlos bekannt ...

Wie das Unheil seinen Lauf nahm

Das ganze Ausmaß des Schlamassels wird klar, wenn man Apples Macbook-Lancierungen der letzten vier Jahre betrachtet. Ausgerechnet der Hersteller, der das Premium-Segment anführt, hat es verpasst, ein fehlerbehaftetes Hardware-Design zu beseitigen. Und bringt stattdessen immer mehr Geräte mit der entsprechenden Technik auf den Markt.

Rückblick:

Was läuft falsch?

Es gibt drei Theorien, wie ein Reddit-User, der laut eigenen Angaben als von Apple autorisierter Techniker (AASP) arbeitet und auch Macbooks repariert, in einer lesenswerten, hervorragend bebilderten Analyse zusammenfasst:

  1. Die "Staub"-Theorie. Diese nehme Apples Angaben für bare Münze und dringe nicht tief in die Materie ein. Der Apple-Kenner kommt bei der Zerlegung eines Macbooks zum Schluss, dass sie nicht haltbar sei.
  2. Die "Hitze"-Theorie. Diese setze voraus, dass die Staub-Theorie falsch sei und gehe davon aus, dass sich das Material bei Überhitzung ausdehne und so weit verforme, dass die Tasten nicht mehr funktionsfähig sind (insbesondere bei TouchBar-Modellen 2018). Tests mit einem Heissluftföhn bestätigen die Theorie allerdings nicht.
  3. Die "Shit Design"-Theorie. Sie akzeptiere einfach, dass es sich "nur" um fürchterliches Design handle, kommentiert der nicht namentlich bekannte Apple-Techniker.

Der Reddit-User, der angeblich bei einer offiziellen Apple-Partnerfirma arbeitet, plaudert aus dem Nähkästchen. Am häufigsten von Tastatur-Defekten betroffen seien:

Also alles Leute, die viel auf ihren Macbooks herumtippen. Und besonders stark in die Tasten hauen?

Bild

Vergrößert: Eine schwarze Macbook-Taste, darunter der Schmetterlings-Mechanismus, eine Erfindung von Apple, die weniger Platz beansprucht. screenshot: youtube/apple

Der oben erwähnte Apple-Techniker geht in seiner Reddit-Analyse detailliert auf den Butterfly-Mechanismus ein. Wie bei einem professionellen "Teardown" üblich, zeigt er verschiedene problematische Punkte in Großaufnahme. Zum Beispiel geht er in diesem animierten GIF auf die elastische Membran ein, die jede einzelne Taste umhüllt.

Sein beunruhigendes Fazit zum Teardown:

"Es beweist, dass Apple selbst keine Ahnung hat, wie man mit dem Problem umgehen soll, und dass Staub entweder nur eine Ausrede war, um die Nachfrage der Kunden nach einer Antwort zu befriedigen, oder dass die Ingenieure bei weitem nicht so intelligent sind, wie jeder denkt."

Er sei nicht sicher, welche dieser beiden Erklärungen schlechter sei, hält der Reddit-User fest. In Anbetracht der Tatsache, dass die Apple-Ingenieure vier Jahre Zeit hatten, sich des Problems anzunehmen, tendiere er zu Letzterem ...

Apples Schlankheitswahn

Was wir kennen, ist das mutmaßliche Motiv, das die Probleme verursacht hat: Es ist Jony Ives Schlankheitswahn. Apples Chefdesigner, ein brillanter Kopf, zeichnet für den ungebrochenen Trend zu immer noch dünneren Geräten verantwortlich. Gestützt natürlich von Apple-CEO Tim Cook und den anderen Mitgliedern des Top-Managements.

Um die Macbook-Tastatur möglichst dünn zu halten, haben Apples Designer und Ingenieure versucht, die Tasten viel flacher zu halten als bei älteren Generationen. Gleichzeitig zielt aber der darunter liegende Schmetterlingsmechanismus, nach dem die Tastatur benannt ist, darauf ab, den Schwung einer herkömmlichen Tastatur zu reproduzieren.

"Die MacBook-Pro-Tastatur arbeitet mit einem Butterfly-Mechanismus für viermal bessere Tastenstabilität als bei der herkömmlichen Scheren­mechanik und ein angenehmeres Gefühl beim Bedienen."

Werbeversprechen des Herstellers quelle: apple.com

Irgendwo während der Entwicklungsphase der Butterfly-Tastatur muss es zu Fehleinschätzungen gekommen sein. Und die Qualitätskontrolle kann den Problemen offensichtlich nicht auf die Schliche kommen, weil sie erst im (längeren) alltäglichen Gebrauch der Macbooks auftreten.

So schlimm ist es wirklich

Nach meiner persönlichen Einschätzung ist es sehr schlimm. Da kann Apple noch so lang versichern, dass nur eine geringe Prozentzahl von Macbooks betroffen sei: Das grundlegende Problem ist doch, dass ich bei einem mehr als 1700 Euro teuren Notebook-Kauf kein Risiko eingehen will. Und selbst wenn man die weniger teuren Macbooks nimmt: Auch da fällt die Risikoabschätzung negativ aus: Warum soll ich ein neues Gerät kaufen, bei dem ich zum Abschluss einer Zusatzversicherung (AppleCare+) gezwungen bin, um mich gegen Ausfälle, jenseits der normalen Garantie, abzusichern?

Bleibt vielen Macbook-Fans nur die bange Frage, wann sich der Versorgungsengpass entschärfen wird ...

Der bekannte Apple-Blogger John Gruber, ein langjähriger Kenner des Unternehmens, der über beste Verbindungen nach Cupertino verfügt, schreibt:

"Selbst wenn sie diesen Sommer eine wirklich neue, zuverlässige Tastatur auf den Markt bringen (was sie meiner Meinung nach tun werden, denn wenn sie es nicht tun, bedeutet es, dass sie ein riesiges Problem in Abrede stellen); wie lange wird es dauern, bis diese neue Tastatur über die gesamte MacBook-Linie eingeführt wird?"

quelle: daringfireball.net

Sicher ist: Wegen der Sammelklagen drohen Apple Entschädigungsforderungen in Milliardenhöhe. Darum würde der Konzern niemals öffentlich Konstruktionsfehler zugeben.

Die größte Gefahr sei, dass der Ruf der ganzen Macbook-Reihe langfristig Schaden nehme, kommentiert Gruber. Darüber hinaus werden die Bemühungen des Unternehmens in Sachen Ökologie und Nachhaltigkeit gefährdet.

Apple präsentiert sich – meiner Ansicht nach zurecht – als Hersteller, der den Umweltschutz in der ganzen Produktionskette vorantreibt und auf Erneuerbare Energien setzt. Zu diesem grünen Image passt schlecht, dass Produkte extrem schlecht zu reparieren sind: So gab iFixit dem 2015er-Macbook bezüglich Reparierbarkeit nur 1 von 10 Punkten.

"Wenn der Computer nur repariert werden kann, indem man die Hälfte davon wegwirft und von vorne beginnt, ist das nicht auf Dauer angelegt."

Urteil der iFixit-Spezialisten quelle: ifixit.org

Was nun?

Macbook-Interessenten müssen sich bewusst sein, dass bei Geräten ab 2015 Probleme auftreten können. Dies sollte man auch beim Kauf von Occasionen berücksichtigen. Es drohen kostspielige Reparaturen von mehreren hundert Euro, die nicht durch eine Garantie abgedeckt sind.

"Mit der Leertaste ist es so gut wie unmöglich, die Tastenkappe zu entfernen, ohne den gesamten Schlüssel zu zerstören. Schlimmer noch, die Tastatur ist an den Akku, das Trackpad und die Lautsprecher des Laptops angeschlossen, so dass ein einfacher Austausch der Tastatur allein nicht möglich ist."

Urteil der iFixit-Reparturexperten

Weil die Butterfly-Tastatur bereits seit 2015 verbaut wird, ist auch das Angebot auf dem Gebrauchtmarkt dürftig.

Mein beunruhigendes Fazit bezieht sich auf einen Kritikpunkt, den ich schon bei früheren Reviews äußerte:

Der Schlankheitswahn von Apples Chef-Designer könnte das Unternehmen in eine existenzbedrohende Krise stürzen.

Apple tut gut daran, zu bewährten Grundsätzen zurückzukehren, wonach Benutzerfreundlichkeit an oberster Stelle steht. Sonst droht der Verlust vieler treuer Kunden.

Quellen

Die Recherche in den öffentlichen Diskussionsforen für Apple-Kunden, die unter discussions.apple.com zu finden sind und nicht von Apple selbst moderiert werden, lässt den Ärger erahnen. Eine Auswahl von Postings:

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