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Anrufer konnten heimlich mithören – was über die Apple-Facetime-Panne bislang bekannt ist

Daniel Schurter / watson.ch

Wegen eines Softwarefehlers war die Privatsphäre von iPhone- und Mac-Usern gefährdet. Hier sind die wichtigsten Fragen und Antworten zu #facetimebug.

Was ist passiert?

Apple muss eine gravierende Sicherheitslücke bei seinem Videochat-Dienst Facetime schliessen und hat darum die Telefonkonferenz-Funktion (Group Facetime) vorübergehend deaktiviert. Der Fehler soll laut Ankündigung bis Ende der Woche per Software-Update behoben werden.

Warum die Aufregung?

Wegen eines Softwarefehlers konnten Facetime-Anrufer die angerufene Person über deren Mikrofon hören, noch bevor der Anruf angenommen wurde. Zudem schaltete das Gerät, auf dem der Anruf einging, unter gewissen Umständen (siehe nächster Punkt) ungewollt und ohne Warnung auf Videotelefonie um. Sprich: Im schlimmsten Fall wurden User von der Frontkamera ihres Geräts ungewollt gefilmt.

Wie funktionierte das?

Laut Schilderungen musste man nur die eigene Telefonnummer (Facetime) noch einmal über die Gruppentelefonie-Funktion hinzufügen, während der Anruf rausging.

Wer ist betroffen?

Theoretisch alle Apple-User, die auf einem iOS-Gerät oder Mac Facetime aktiviert hatten und deren Betriebssystem-Software Facetime-Gruppenanrufe beinhaltete. Sprich:

Facetime-Gruppen-Anrufe funktionieren grundsätzlich mit dem iPhone und anderen iOS-Geräten (iPad, iPod Touch), auf Mac-Computern sowie mit der Apple Watch.

Facetime funktioniert nicht plattformübergreifend. Android- und Windows-User sind also nicht betroffen.

Ist Skype sicherer?

Nope. Siehe golem.de.

Das deutsche Techportal berichtete Anfang Januar:

"Mit einem einfachen Skype-Anruf lassen sich trotz PIN-Sperre Fotos, Kontakte und mehr auf einem Android-Smartphone einsehen. Ein Update wurde veröffentlicht, steht aber noch nicht für alle Geräte zur Verfügung."

Was sollen Apple-Nutzer jetzt tun?

Wer auf Nummer sicher gehen will, kann den Facetime-Dienst in den System-Einstellungen deaktivieren.

Seit wann besteht die Sicherheitslücke?

Das ist nicht bekannt. Mutmaßlich seit der Einführung der Gruppen-Facetime-Funktion Ende Oktober 2018. Das Feature wurde mit iOS 12.1 lanciert.

Wie schlimm ist es?

Kommt auf die Perspektive an.

Für Apple ist es ein Debakel. Der bekannte Apple-Blogger John Gruber (Daring Fireball) schreibt von einem "Albtraum-Fehler".

Das Problem: Apple präsentiert sich als das Tech-Unternehmen, das die Privatsphäre der Kunden achtet und alles tut, um die persönlichen Daten zu schützen.

Als sich die Konkurrenz Anfang Januar in Las Vegas zur Fachmesse CES traf, warb Apple in einem PR-Coup auf einer öffentlich einsehbaren Hotelwand damit, die Daten mit dem iPhone besser zu schützen als die Konkurrenz.

Wer hat den Facetime-Bug entdeckt?

Das wissen wir nicht.

Ein New Yorker Künstler twitterte am Montag als einer der ersten darüber. Dann berichteten der Techblog 9to5Mac und weitere US-Medien und das Thema verbreitete sich in der Nacht auf Dienstag viral im Web.

Wer verwendet Gruppen-Facetime?

Videotelefonie ist in den USA sehr beliebt. Weil fast jedes zweite in den USA verkaufte Smartphone ein iPhone ist, war der Aufschrei dort entsprechend riesig. Ob es zu Schadenersatzklagen kommt, wird sich schon bald zeigen ...

Was lernen wir daraus?

100-prozentige Sicherheit gibt es nicht. Und: Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.

Weitere Informationen: 

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