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App-"Shutdown": Apple blockiert Facebook – ist bald auch Google dran?

Apple bestraft Facebook mit dem Ausschluss von einem für Software-Entwickler wichtigen Programm. Und auch Google droht angeblich Ungemach, weil es eine iPhone-App an den Kontrollen vorbeischleuste.

Daniel Schurter / watson.ch

Apple hat mit einer drastischen Maßnahme auf die Enthüllungen zu Facebooks umstrittener "Research"-App reagiert. Der Facebook-Konzern könne ab sofort keine internen iOS-Apps mehr an die Mitarbeiter oder andere Personen verteilen, Apple habe die entsprechenden digitalen Zertifikate blockiert. Dies berichtete The Verge am Mittwoch.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Der "Shutdown" betrifft nicht die im App Store verfügbaren Apps. Aber:

Eine nicht namentlich genannte Quelle, die mit der Situation vertraut sei, verriet dem US-Techblog, dass Vorab-Versionen von Facebook, Instagram, Messenger und anderen in Entwicklung befindlichen Apps nicht mehr funktionierten.

Betroffen seien auch Apps, die Facebook-Angestellte nur innerhalb des Unternehmens verwenden, zum Beispiel für den Transport oder das Essen in Mitarbeiterkantinen.

Facebook behandle dies intern als "kritisches Problem", da die betroffenen Apps nicht mehr auf den Geräten der Mitarbeiter (iPhones, iPads und Macs) funktionieren.

Hat auch Google getrickst? 

Es sehe so aus, als ob Facebook nicht der einzige Konzern sei, der das System von Apple missbrauche, berichtete Tech Crunch am Mittwochabend. Auch Google habe eine App an den App-Store-Kontrollen vorbei auf die Geräte von Usern ausgeliefert, die nicht zum Unternehmen gehören.

Google lasse auf iPhones eine App namens Screenwise Meter laufen, die eine starke Ähnlichkeit mit der von Facebook vertriebenen "Research"-App aufweise. Also mit der Anwendung, die inzwischen von Apple blockiert wurde.

Ursprünglich sei Screenwise für User ab 13 Jahren zugänglich gewesen, genau wie Facebooks Research-App. Mittlerweile müsse bei Google der Hauptnutzer 18 sein – es könnten sich aber minderjährige Familienmitglieder beteiligen.

Wie Facebook locke auch Google Freiwillige mit finanziellen Anreizen. Sie sollten eine VPN-App installieren, um die Überwachung und Auswertung des Datenverkehrs zu ermöglichen. Als Belohnung für die Teilnahme an dem Online-Marktforschungsprogramm winkten Gutscheinkarten.

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screenshots: techcrunch.com

Obwohl Google transparenter sei als Facebook, was die Funktionsweise der Datensammel-App betreffe, verstoße es immer noch gegen Apples Richtlinien, so Tech Crunch.

Ein Apple-Sprecher hatte zuvor erklärt, dass das Unternehmen keinerlei Verstöße dulden werde.

"We designed our Enterprise Developer Program solely for the internal distribution of apps within an organization. Facebook has been using their membership to distribute a data-collecting app to consumers, which is a clear breach of their agreement with Apple. Any developer using their enterprise certificates to distribute apps to consumers will have their certificates revoked, which is what we did in this case to protect our users and their data."

quelle: recode.com

Was war der Auslöser?

Tech Crunch hatte in der Nacht auf Mittwoch publik gemacht, dass Facebook das Developer Enterprise Program von Apple missbräuchlich verwendete, um auf den iPhones von jugendlichen Usern eine "Research"-App zu installieren.

Gegen eine monatliche Bezahlung von 20 Dollar ermöglichten Teenager dem Konzern mit dem Installieren einer VPN-App umfassenden Zugriff. Die Research-App konnte die gesamten Online-Aktivitäten an Facebook übermitteln, inklusive Unterhaltungen in Chat-Diensten, verschickte Fotos, Adressen besuchter Websites sowie den Aufenthaltsort. Und auch die Einkäufe bei Amazon sollten die Probanden preisgeben.

Die für das Tracking verwendete iOS-App verstößt gegen die Datenschutz-Richtlinien, die Apple 2018 verschärfte.

Wie werden Apps außerhalb des App Stores verteilt?

Apples Developer Enterprise Programm ist dafür gedacht, dass Organisationen und Dritt-Entwickler Apps einem begrenzten Nutzerkreis außerhalb des App Stores zugänglich machen können. Diese sogenannten "Unternehmens-Apps" sind nur für den internen Gebrauch gedacht, etwa zu Testzwecken, wenn es darum geht, Beta-Versionen zu testen.

"Apple überprüft und genehmigt diese Apps nicht wie im App Store, da sie nur von Mitarbeitern heruntergeladen werden dürfen, die für den Ersteller der App arbeiten."

quelle: recode.com

Weil sich Facebook nicht an diese Bestimmung hielt, widerrief Apple die digitalen Zertifikate, die überhaupt erst ermöglichen, dass solche Apps auf iOS-Geräten laufen.

The Verge erklärt:

"Der Widerruf eines Zertifikats verhindert nicht nur die Verteilung von Apps auf iOS, sondern auch, dass Apps funktionieren. Und weil interne Apps desselben Unternehmens oder Entwicklers mit einem einzigen Zertifikat verbunden sein können, kann dies zu immensen Kopfschmerzen führen, wie sie Facebook heute hat, wo eine Vielzahl von internen Apps heruntergefahren wurden."

Zwischen Facebook und Apple war es schon 2018 zu Spannungen gekommen. Apples Konzernchef Tim Cook kritisierte Facebook-Chef Mark Zuckerberg öffentlich nach Bekanntwerden des Datenskandals um Cambridge Analytica. Es brauche eine gesetzliche Regulierung für Facebook.

Wie reagiert Facebook?

Facebook hatte es zunächst in Stellungnahmen so klingen lassen, als würde es die umstrittene iPhone-App freiwillig deaktivieren. Für Android will man die App weiterhin betreiben.

Bislang nicht geäußert hat sich der Konzern, ob man gegen die Bestimmungen zum Apple Developer Enterprise Program verstoßen hat. Hingegen wird betont, dass das Marktforschungsprogramm mit den Teenagern bereits seit 2016 und in korrektem Rahmen verlaufen sei. Die Minderjährigen hätten nur mit dem Einverständnis der Eltern mitgemacht.

Das US-Medium Recode erinnert daran, dass Facebook auf Apple angewiesen sei, um seine Apps (Instagram, WhatsApp etc.) an iPhone-User auf der ganzen Welt auszuliefern.

Es sei unwahrscheinlich, dass Apple Facebook, Instagram oder WhatsApp aus dem App Store lösche, schreibt Recode. Es werde aber interessant sein, zu beobachten, ob Apple versuche, Facebook noch auf andere Weise zu bestrafen.

Das Gleiche könnte schon bald für Google und dessen ebenfalls sehr populäre iOS-Apps gelten.

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