Digital
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.
Facebook Smartphone

Bild: imago/unsplash montage

Wie Facebook deine Handynummer nutzt, um Werbung zu verkaufen

Daniel Schurter / watson.ch

"Die Menschen sind zunehmend paranoid wegen der gruseligen Genauigkeit der Werbung, die sie online sehen."

Kashmir Hill, Journalistin

Worum geht's?

Wer hat's enthüllt?

Die australische Tech-Journalistin Kashmir Hill hat das Problem publik gemacht. Sie recherchiert seit Jahren über die "Schattenprofile" von Facebook (siehe Box unten). Ihr aktueller Artikel bezieht sich auf eine Reihe von Tests, die Forscher von zwei amerikanischen Privat-Universitäten durchgeführt haben.

"Facebook lässt euch die Schattenprofile nicht sehen. Nicht mal wenn du Europäer bist und das tolle Recht hast, auf deine Daten zuzugreifen."

Hill schreibt von "Schatten-Kontaktinformationen" und meint damit die bei Facebook gespeicherten Kontaktdaten, auf die die User nicht zugreifen, bzw. die sie nicht sperren können.

Die wissenschaftliche Studie mit dem Titel "Investigating sources of PII used in Facebook’s targeted advertising" ist hier als PDF-Dokument verfügbar.

Wie macht sich das für Betroffene bemerkbar?

Hill erklärt die Problematik, die die Forscher mit einem Experiment untersucht haben, anhand eines Beispiels:

Wer profitiert?

Facebook kassiert Geld für gezielte Werbung, sogenanntes Anzeigen-Targeting.

Die Werbetreibenden können die gewünschten Zielgruppen erreichen und effizienter werben, wie Hill in ihrem Artikel beschreibt:

Was ist daran schlimm?

Das kommt auf die Perspektive an.

Viele User sind sich der Problematik überhaupt nicht bewusst (siehe weiter unten). Außerdem hielt sich Facebook bedeckt, was die "Schatten-Kontaktinformationen" betrifft.

Kashmir Hill schreibt:

"Ich habe seit fast einem Jahr versucht, Facebook dazu zu bringen, Schatten-Kontaktinformationen an die Nutzer weiterzugeben. Aber man hat es sogar abgelehnt, diese Schattendaten an Benutzer in Europa weiterzugeben, wo das Datenschutzrecht stärker ist und die Unternehmen ausdrücklich verpflichtet sind, den Benutzern mitzuteilen, welche Daten sie über sie haben."

quelle: gizmodo.com.au

Dabei würden wir das Handy gerne weiter bedenkenlos nutzen. Zum Beispiel hierfür: 

abspielen

Wie Spiegel Online schreibt, bräuchte es eine Nutzerbeschwerde bei einer europäischen Datenschutzbehörde, um die Rechtsklage in der EU zu klären. Dies ermöglicht die seit April geltende neue Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO).

Was sagt Facebook?

Der US-Konzern hat die Erkenntnisse der Forscher nicht bestritten, sondern verteidigt das Vorgehen und argumentiert seinerseits mit dem Schutz der Privatsphäre:

"Die Leute besitzen ihre Adressbücher. Wir verstehen, dass dies in einigen Fällen bedeuten kann, dass eine andere Person möglicherweise nicht in der Lage ist, die Kontaktinformationen zu kontrollieren, die jemand anderes über sie hochlädt."

Facebook-Sprecher quelle: gizmodo

In den Facebook-Einstellungen ("Werbepräferenzen") werden die Werbetreibenden aufgelistet, die entsprechende Anzeigen schalten. Facebook schreibt dazu:

"Diese Werbetreibenden schalten Anzeigen mithilfe einer hochgeladenen Kontaktliste, die Kontaktdaten von dir enthält. Diese Daten wurden in der Regel von dem Werbetreibenden gesammelt, nachdem du deine E-Mail-Adresse mit ihm oder einem seiner Partnerunternehmen geteilt hast."

Auf einer verlinkten Support-Seite heißt es:

https://www.facebook.com/ads/about/?page_number=1&entry_product=ad_preferences Screenshot

Bild: https://www.facebook.com/ads/about/?page_number=1&entry_product=ad_preferences

Facebook-User können die Anzeigen von Unternehmen generell "verbergen" in den Werbepräferenzen. Doch gelöscht werden die Schatten-Kontaktdaten dadurch nicht.

Mehr Transparenz gefordert

Die User hätten den Nutzungsbedingungen zugestimmt und wüssten Bescheid, argumentiert der Social-Media-Konzern und verweist auf einen Beitrag im Firmenblog vom April.

Der Bostoner Professor Alan Mislove, der ebenfalls an der Studie beteiligt war, fordert, dass die User besser darüber informiert werden müssten, wie gezielte Werbung funktioniere.

"Ich denke, dass viele Benutzer nicht ganz verstehen, wie Anzeigen-Targeting heute funktioniert: dass Werbetreibende buchstäblich genau angeben können, welche Benutzer ihre Anzeigen sehen sollen, indem sie die E-Mail-Adressen, Telefonnummern, Namen und Geburtsdaten der Benutzer hochladen, etc."

Als er das Vorgehen Kollegen beschrieben habe, seien viele Informatiker überrascht gewesen. Und noch mehr überrascht habe sie, dass nicht nur Facebook dies so anbiete, sondern auch Google, Pinterest, Twitter und verwandte Dienste.

Fazit: Es brauche mehr Aufklärung und Transparenz seitens der Unternehmen. Das nötige Geld ist vorhanden...

Schattenprofile?

Gemeint sind alle Daten und Informationen, die Facebook über Internet-Nutzer speichert, auf die aber nur der US-Konzern selbst zugreifen kann. Mark Zuckerberg hat bei Anhörungen so getan, als erstellte sein Unternehmen keine Schattenprofile. Doch gibt's dafür eindeutige Belege. Und laut einer Studie von Cliqz und Ghostery wird ein Drittel des weltweiten Internetverkehrs von Facebook-Trackern überwacht.

Die Existenz solcher Schattenprofile ist seit 2011 bekannt. Der österreichische Datenschutz-Aktivist Max Schrems beschrieb  die Methode in einer Beschwerde an die irische Datenschutzbehörde. Im engeren Sinn umfassen Schattenprofile nur die von Facebook "heimlich" gespeicherten Informationen über Personen, die gar nicht als Mitglied registriert sind. Im weiteren Sinn betreffen "Schattenprofile" auch alle Facebook-Mitglieder. Und darum geht's im Artikel.

Was Facebook sonst noch treibt

Du likest schon wieder? 7 Gründe, warum der Facebook-Skandal noch nicht vorbei ist

Link zum Artikel

Zuckerberg gibt erstes Interview nach Daten-Skandal: "Es tut mir wirklich leid"

Link zum Artikel

Facebook macht erstmals Löschkriterien öffentlich

Link zum Artikel

5 Zuckerberg-Phrasen: Was er sagt und was er meint

Link zum Artikel

Mark Zuckerberg ist selbst Opfer des Facebook-Skandals, sagt er

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

Millionen sahen Hartz-IV-Empfänger bei "Armes Deutschland" – jetzt rechnet er mit RTL 2 ab

Link zum Artikel

"In BVB-Bayern-Wendebettwäsche geschlafen"– die lustigsten Reaktionen zum Hummels-Wechsel

Link zum Artikel

Mit diesen 4 Tipps umgehst du die langsamste Kasse im Supermarkt

Link zum Artikel

Heidi Klum postet Oben-Ohne-Video – das sagt Lena Meyer-Landrut dazu

Link zum Artikel

Sommer bei H&M: Das sind die ekligsten Dinge, die mir als Verkäuferin passiert sind

Link zum Artikel

Das deutsche Badewasser ist hervorragend – nur nicht an diesen 6 Orten

Link zum Artikel

Mats Hummels für 38 Mio. zurück zum BVB: Warum ich als Fan sauer wäre

Link zum Artikel

9 Frauen aus den Anfängen des Rock'n'Roll, die die Musikwelt auf den Kopf stellten

Link zum Artikel

Ich wollte Eltern überzeugen, dass Impfen schlecht ist – und scheiterte glücklicherweise

Link zum Artikel

"Soll ich hier den Clown machen?": Kollegah rastet wegen Schweizer Festival aus

Link zum Artikel

Aldi schafft die Kasse ab: Discounter testet wegweisendes Konzept in China

Link zum Artikel

Diese Bilder von den Protesten in Hongkong geht gerade um die Welt

Link zum Artikel

Pascal Hens gewinnt "Let's Dance", aber was viel beachtlicher ist

Link zum Artikel

Gespräch mit einem Luxus-Escort: "Die meisten Prostituierten sind unterer Mittelstand"

Link zum Artikel

Sie demontiert sich selbst: Warum ihr Görlitz-Tweet AKK so heftig um die Ohren fliegt

Link zum Artikel

"Hunderte Mio. Menschen werden betroffen sein": Klimaforscher machen dramatische Entdeckung

Link zum Artikel

Illner geht ihren Gästen mit Personal-Fragen auf die Nerven – "unsägliche Debatte"

Link zum Artikel

"Mit Neonazis mache ich mich nicht gemein" – so begründet ein Ex-AfD-Mann seinen Ausstieg

Link zum Artikel

Vera Int-Veen verurteilt Hartz-IV-Empfänger – dann erkennt sie ihren Fehler

Link zum Artikel

Ein Schrei nach Liebe: Freiwild covern Ärzte und Hosen

Link zum Artikel

"Dachte, dass das für immer ist" – Lena Meyer-Landrut spricht unter Tränen über Trennung

Link zum Artikel

So will Edeka den Drogerien Konkurrenz machen

Link zum Artikel

Rammstein: 7 (fast) unbekannte Fakten über die Band

Link zum Artikel

"Er hat die Ente gefressen": Eisbär frisst Tier vor den Augen der Zoo-Besucher

Link zum Artikel

Rammstein-Sänger soll Mann geschlagen haben – was das mutmaßliche Opfer zu dem Fall sagt

Link zum Artikel

Wegen Cathy-Hummels-Streit: Bundesregierung will Influencer-Gesetz

Link zum Artikel

Posen vorm Reaktor – Influencer machen geschmacklose Instagram-Posts in Tschernobyl

Link zum Artikel

Fotos von Helene Fischers Privat-Konzert aufgetaucht – sie zwingen sie zu handeln

Link zum Artikel

Mein Vater hat eine bipolare Störung – so war meine Kindheit

Link zum Artikel

Rock im Park: Über 130 Menschen erleiden allergische Reaktion

Link zum Artikel

Heidi veröffentlicht Chat mit Tom: Romantisch? Ganz im Gegenteil!

Link zum Artikel

Shitstorm mal anders: Zu wenige Toiletten bei Rock im Park

Link zum Artikel

Von Anime bis True Crime – diese 14 Filme und Serien kommen ab heute auf Netflix

Link zum Artikel

Sturmböen, Hagel und Starkregen: Ab Pfingstmontag geht es bergab mit dem Wetter

Link zum Artikel

Lesbisches Paar in London blutig geschlagen – weil sie sich nicht küssen wollten

Link zum Artikel

Helene Fischer macht's schon wieder – darum sind ihre Worte nur noch Heuchelei

Link zum Artikel

Kelly Family in Berlin: Warum immer noch der Hype? Eine Annäherung in 5 Akten

Link zum Artikel

Trump setzte Kopfgeld auf unschuldige Schwarze aus – jetzt melden sie sich zu Wort

Link zum Artikel

Wie beim WM-Finale 2014! Das steckt hinter der Final-Flitzerin von Madrid

Link zum Artikel

Helene Fischer und die 1-Mio-Euro-Party: Millionär bucht Star für besonderen Abend

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Ray jagt Lügner im Internet – und warnt vor der WhatsApp-Gefahr bei EU-Wahlen

Anfang April leitet ein Bekannter eine Sprachnachricht an Ray Serrato weiter. Eine fremde Stimme spricht darin von einer Vergewaltigung und einer toten Frau am Stausee in Bagenz, Lausitz. Zwei Flüchtende seien beteiligt gewesen, behauptet die Stimme weiter.

Als sie wieder verstummt, muss der 35-jährige Serrato erst einmal schlucken. Die lokale Polizei hatte tatsächlich zuvor mitgeteilt, dass sie wegen eines Zwischenfalls in einer nahegelegenen Jugendherberge ermittle. Serrato selbst kommt seit …

Artikel lesen
Link zum Artikel