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Bild: Getty Images

Google schickt wieder Kamera-Autos durch Deutschland – neue Bilder gibt es aber nicht

Lars Wienand/t-online.de

Seit der vergangenen Woche sind in Deutschland wieder Google-Autos mit den markanten Kameras auf dem Dach unterwegs. Das bestätigte Google auf Anfrage von t-online.de. Wo die Fahrzeuge wann genau sind, teilt Google nicht mit. Bis zum November sind sie überall in Deutschland unterwegs.

Neue Ansichten für den Dienst Street View wird es allerdings nicht geben. Bei dem Google Dienst Street View sind die Bilder von den im Netz abrufbaren Kamerafahrten aus Deutschland stark veraltet.

Elf Jahre alte Fotos

Wer dort online die ABC-Straße in Hamburg ansteuert, den Sitz von Google in Deutschland, sieht die (unkenntlich gemachten) Google-Mitarbeitern in die Kamera winken, die im August 2008 bei der Firma gearbeitet haben – da wurden die Bilder gemacht.

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Bild: screenshot/google street view

Bei Neubauten, Abrissen und neuen Straßenführungen ist das ein noch größeres Problem: Street View ist eine Reise in die Vergangenheit. Um sich ein Urlaubsziel oder eine Wohnlage vorab anzuschauen, taugt der Dienst in Deutschland immer weniger.

Zudem wurde nur in den 20 größten Städten fotografiert. Das führt dazu, dass Deutschland auf einer Karte mit der Abdeckung des Dienstes in Europa fast ein weißer Fleck ist. In einem Statement auf Anfrage von t-online.de heißt es, Google würde das gerne aktualisieren, das werde aber durch deutsche Datenschutzbestimmungen verhindert.  

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Weißer Fleck Deutschland: die "Street View"-Abdeckung in Europa. Österreich ist im vergangenen Jahr dazu gekommen und wird ausgebaut. Bild: screenshot

Das ist aber nicht die ganze Wahrheit: Google dürfte aktualisieren, scheut aber wohl den hohen Aufwand. "Google zieht sich auf eine Rechtslage zurück, die so nicht besteht", sagt der Rechtsanwalt Kay Wagner von der Berliner Medienrechtskanzlei Ihde & Partner.

Google machte 240.000 Gebäude unkenntlich

Wegen der Panoramafreiheit darf Google Gebäude von der Straße aus fotografieren, "es gibt auch keine gesetzliche Verpflichtung, Gebäude auf Aufforderung zu verpixeln". Das bot Google in der Debatte um ein mögliches Gesetz und auf Druck von Datenschützern an – und musste in den 20 Städten mehr als 240.000 Gebäude verpixeln, etwa 3 Prozent aller fotografierten Häuser.

In der Öffentlichkeit hatte es große Aufregung und Befürchtungen gegeben, durch frei verfügbare Bilder aus verschiedenen Perspektiven würden etwa Einbrüche erleichtert. "Kein Geheimdienst würde so ungeniert auf Bilderjagd gehen", erklärte die damalige Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU).

Gericht erklärte die Street-View-Bilder für rechtens

Der Dienst ist aber zulässig, entschied das Kammergericht Berlin in einer im März 2011 öffentlich gewordenen Grundsatzentscheidung: Häuser dürfen dann fotografiert werden, wenn nicht über Sichtschutz hinaus fotografiert wird.

Trotzdem verkündete ein Google-Sprecher zwei Wochen später im Blog searchengineland.com, man werde in Deutschland keine neuen Bilder für Street View mehr machen. "Unsere Geschäftspriorität besteht darin, mit unseren Google-Fahrzeugen Daten wie Straßennamen und Straßenschilder zu sammeln." Die Deutschland-Zentrale dementierte umgehend. Das sei kein endgültiger Beschluss.

Aber seither gibt es keine neuen Bilder. Und die Begründung für die jetzt begonnenen Kamerafahrten ist identisch: "Bei den kommenden Fahrten nutzen wir das Bildmaterial nur, um Google Maps zu verbessern und haben keine Pläne, dieses zu veröffentlichen." Es bleiben die Fotos, die Nutzer selbst hochladen können. 

Das Angebot bei anderen Anbietern wächst

Microsoft hat in Deutschland ein Angebot wie Street View für seinen Dienst Bing Maps starten wollen, davon ist heute aber nichts mehr übrig. Neuere Bilder ganzer Straßenzüge gibt es aber durch andere Anbieter. Das schwedische Unternehmen Mapilary will mit Crowdsourcing, also mit der Hilfe zahlloser Freiwilliger, die ganze Welt in Bildern erfassen. In vielen Orten in Deutschland kann man Straßen wie an einer Schnur kurz hintereinander liegenden Punkten folgen, an den Nutzer Fotos gemacht haben.

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Bild: screenshot/mapillary.com

Ein Teil der Fotos und andere Bilder finden sich auch auf OpenStreetCam , einem nach ähnlichem Prinzip aufgebauten Projekt des US-Unternehmens Telenav. Dort gibt es von den meisten Hauptverkehrsstraßen Ansichten und zum Teil auch von kleinen Orten Bilder aus Seitenstraßen. Andere Orte fehlen ganz – und selbst etwa aus München gibt es nur von wenigen Straßen Eindrücke.

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Bild: screenshot/openstreetcam.org

Diese Dienste haben bisher in der Öffentlichkeit wenig Aufmerksamkeit bekommen – und damit auch wenig Aufregung ausgelöst.

Und ein bisschen Hoffnung auf Googles Street View macht das Beispiel Österreich: 2014 hatte ein Sprecher erklärt, dass man wegen Auflagen aus dem Jahr 2011 den Dienst nicht starten werde. Im Juli 2017 kam die Ankündigung, dass man es doch tun werde, im Juli 2018 ging es los. Gebäude können auf Antrag verpixelt werden.

Dieser Artikel ist zuerst auf t-online.de erschienen.

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