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Mit diesem Bild machte eine Influencerin den "Influencer Gumpen" im Nationalpark Berchtesgaden weltbekannt. Bild: Screenshot Instagram

Ermittlungen wegen Reisefotos gegen sture Influencerin – Nationalpark zieht Konsequenzen

Was ist schöner als ein Foto im Infinity Pool? Richtig, ein Foto im Infinity Pool, umgeben von herrlicher, quasi unberührter Natur. Allein, mit dem Unberührt-sein der Natur ist es schnell vorbei, wenn aus einem "Geheimtipp" eine Touristenattraktion wider Willen wird.

So geschehen im Nationalpark Berchtesgaden, wo eine deutsche Influencerin den sogenannten Natural Infinity Pool groß machte, indem sie Fotos des in Bayern auch als "Influencer Gumpen" bekannten Orts mit ihren 1,2 Millionen Followern teilte. Dazu lieferte sie eine Wegbeschreibung zu dem ehemals versteckten und naturschützerisch wertvollen Ort, der weit abseits des offiziellen Wegenetzes im Nationalpark liegt.

"Nun besuchen jährlich tausende Fototouristen die Gumpen am Wasserfall", klagte der Nationalpark in einer Mitteilung. Die Folgen der Weltbekanntheit: Müll und Lärm im geschützten Bergwald, rund drei Kilometer neue Trampelpfade, illegale Lagerfeuer – und immer wieder Rettungsaktionen für in Not geratene Besucher.

Polizei hat Anzeige gegen die Influencerin gestellt

Jetzt will der Nationalpark Berchtesgaden dem Trubel einen Riegel vorschieben und den Natural Infinity Pool am Königsbach-Wasserfall sperren. Zudem hat die Polizei gegen die Influencerin eine Anzeige beim Landratsamt Berchtesgaden gestellt, wie die Behörde watson mitteilte – wegen illegalen Drohnenflugs.

"Am 5. Juni 2020 wurde die Angelegenheit (Aufnahmen einer Influencerin im Berchtesgadener Nationalpark) der unteren Naturschutzbehörde bekannt: Sie erhielt von der Nationalparkverwaltung Kenntnis, dass auf Instagram ein Drohnenvideo veröffentlicht wurde", erklärte das Landratsamt watson am Mittwoch.

Derzeit ermittele die Polizeiinspektion Berchtesgaden, die auch die Anhörung durchführt. Nach Abschluss der Ermittlungen werde die Naturschutzbehörde dann Prüfen, ob ein Bußgeld verhängt wird.

"Über laufende Bußgeldverfahren und die Höhe des festgesetzten Bußgeldes können verständlicherweise keine Auskünfte erteilt werden. Grundsätzlich reicht der vorgeschriebene Rahmen für das unzulässige Betreiben von Flugmodellen oder Starten und Landen mit anderen Luftfahrzeugen im Nationalpark von bis 50 Euro bis 2.500 Euro. Wie lange das Verfahren und die Ermittlungen andauern werden, lässt sich derzeit nicht abschätzen", so das Landratsamt weiter.

Park bat Influencerin, ihren Post zu löschen

Erst Anfang Juni hatte der Park auf Instagram versucht, den Menschen ins Gewissen zu reden und gegen "Selfie-Sucht in unserem Schutzgebiet" vorzugehen. Der Park bat die Influencerin außerdem, ihr Posting zu löschen, um noch mehr Nachahmer zu vermeiden. Nicht zuletzt gab es an einem "Pool" bereits Tote. Im April 2019 waren zwei Männer aus Sachsen ertrunken.

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Instagram-Hype am Wasserfall ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Auch wir haben einen Instagram-Kanal gelauncht, einer der Auslöser war die zunehmende Selfie-Sucht in unserem Schutzgebiet. Unsere Postings verbinden wir mit viel Wissenswertem über die einzigartige Nationalpark-Natur. Der Wasserfall am Königssee ist dem Überfall durch Influencer zum Opfer gefallen. Das früher ruhige und abgelegene Naturparadies leidet. Viele Einheimische gehen wegen der Massen gar nicht mehr hin. Die Gumpen werden im Netz getaggt, gepostet, geliked, am besten gleich live. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Die Fotos vom Baden im „Natural Infinity-Pool“ luden Tausende zum Nachahmen ein. Der Run auf den Wasserfall forderte bereits Tote! Und die Natur mitten im Nationalpark wird immer mehr zerstört. Die Ufervegetation ist bereits komplett zertreten, Berge von Müll werden hinterlassen und illegale Lagerfeuer gemacht. Unbelehrbare campieren im Schutzgebiet, hinterlassen sogar ihre Billig-Zelte und Schlafsäcke. Das kann es doch nicht sein! An alle Influencer: Mit Euren teilweise enormen Reichweiten habt Ihr viel Einfluss auf viele Menschen. Seid Euch bewusst, dass ihr durch solche Postings die Natur zerstört. Campieren, Lagerfeuer, Müll, Drohnenflüge - das ist alles im Nationalpark verboten. Warum? Weil Tiere gestört werden und die Pflanzenwelt leidet. Seid verantwortungsvoll mit Euren Mitmenschen und unserer einzigartigen Natur. Löscht Eure Posts und stellt keine neuen ins Netz. Verzichtet auf Wegbeschreibungen. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Mittlerweile werden in der Instagram-Community auch andere Stimmen laut, die rücksichtslose Influencer ermahnen: Verzichtet auf Hashtags! Behaltet die Tipps für Euch! #stopgeotagging #protectnature ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Und nicht zuletzt: Weniger als 1% der Landesfläche in D sind Nationalparke. Diese Fläche ist winzig. Hier sollten es wir Menschen doch schaffen, uns zurückzunehmen und die Natur die erste Geige spielen lassen. Die Natur dankt es euch. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ @umweltministerium @umweltministerium_bayern @bergerlebnis_berchtesgaden @tourismus.koenigssee @bischofswiesen_tourismus #stopgeotagging #protectnature

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Erfolg hatte der Park mit seiner eindringlichen Bitte nur bedingt. Der Post ist weiterhin online, im Text dazu wird mittlerweile aber darauf hingewiesen, dass der Ort große Gefahren birgt und außerdem Müll und Trampelpfade sich negativ auf das Ökosystem auswirken. "Der Nationalpark möchte also nicht, dass noch mehr Menschen hierherkommen!", stellte die Influencerin klar.

Die Natur soll sich erholen

Die Nationalparkverwaltung Berchtesgaden strebt nun in Abstimmung mit dem Landratsamt Berchtesgadener Land ein Betretungsverbot für den Bereich des "Infinity Pools" an, damit sich die Vegetation erholen kann. Die Situation sei "so nicht länger tragbar". Das Königssee-Ufer und untere Terrassen am Wasserfall sollen zugänglich bleiben.

Das Landratsamt werde eine Verordnung erarbeiten, heißt es vonseiten des Nationalparks. Für Zelten und Biwakieren, Feuer machen, den Einsatz von Drohnen oder das Hinterlassen von Müll gibt es schon jetzt Bußgelder.

(pcl/mit Material von dpa)

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