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Googles Brille entpuppte sich als Reinfall – was noch? Bild: AP/Paul Sakuma

Meinung

Das sind die 15 größten Tech-Flops des Jahrzehnts

Wo gearbeitet wird, passieren Fehler. Aber mussten diese Dinge wirklich dermaßen schlecht herauskommen, beziehungsweise im Desaster enden?

Daniel Schurter / watson.ch

Dieser Beitrag dreht sich um Tech-Zeugs, das in den vergangenen zehn Jahren (ca. 2010) gefloppt ist. Es handelt sich um die persönliche Sicht des Digital-Redakteurs. Begründeter Widerspruch und Alternativ-Vorschläge sind willkommen, schreib uns deine, äh, "Favoriten" via Kommentarfunktion!

Zu den Spielregeln: Der Beitrag dreht sich um Hardware und Software, die tatsächlich auf den Markt kam, beziehungsweise für hiesige User verfügbar war. Unveröffentlichte Produkte können per Definition kein Flop sein. Darum fehlt zum Beispiel Airpower von Apple. (Die Kalifornier haben die Ladematte fürs induktive Aufladen von unter anderem Iphone und Apple Watch 2017 offiziell vorgestellt, sie aber nie in den Verkauf gebracht.)

Berücksichtigt wurden Produkte, die in den vergangenen zehn Jahren herauskamen, und/oder in dem Zeitraum floppten. Zugelassen sind übrigens auch Unternehmen, falls sie gesamthaft betrachtet eine krasse Fehlleistung erbracht haben.

Doch genug des Vorgeplänkels, kommen wir endlich zu den größten Tech-Fails des Jahrzehnts.

3D-Fernseher

🙈

Das war ab 2009 eine der am stärksten von Industrie und Medien gehypten Technologien fürs Wohnzimmer. Mit "Avatar" lieferte Hollywood einen Kino-Blockbuster auf Blu-Ray-Disc, der die Stärken der 3D-Fernseher demonstrieren sollte.

2017 strichen LG und Sony als letzte namhafte TV-Gerätehersteller die Unterstützung. Industrieweit setzt man seither vor allem auf 4K, bzw. Ultra-HD, und auf HDR.

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Bei der Technikmesse IFA galt der 3D-Fernseher noch als Offenbarung. Heute eher nicht mehr. Bild: picture alliance/Ulrich Baumgarten

Coolest Cooler

Ab 2014 sorgte das Kickstarter-Projekt für Schlagzeilen. Zunächst für positive. Mixer, Ladestation für Smartphones und Lautsprecher in einer Kühlbox klang schließlich vielversprechend. Dann nahm das Unheil seinen Lauf und es zeigte sich, dass eine lustige Idee und viel Enthusiasmus nicht genügen, um ein in China fabriziertes Plastik-Gadget nachhaltig zu verkaufen. Viele Crowdfunding-Investoren, aka Käufer, gingen leer aus. Und auf coolest.com läuft ein uncooler Liquidations-Verkauf.

Chatbots

Abschreckendes Beispiel ist Tay.

Tay war ein von Microsoft entwickelter Chatbot, der im März 2016 via Twitter an die Öffentlichkeit trat und dank künstlicher Intelligenz von den Usern "lernen" sollte. Innerhalb von 24 Stunden wurde Tay gelehrt, eine Reihe von rassistischen, sexistischen und antisemitischen Aussagen zu wiederholen. Resultat: Man zog ihn aus dem Verkehr. The Verge kommentiert treffend ironisch: "Willkommen im Internet, Tay".

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Das Bild spricht für sich. Bild: Screenshot Twitter

Blackberry

Nach andauernden Verlusten teilte der kanadische Smartphone-Pionier 2016 mit, dass er keine Smartphones mehr mit dem eigenen, als abhörsicher gepriesenen System entwickle. Auch der Android-Nachfolger Key One floppte.

Bye bye, Tasten-Handys! 😢

Windows 8

Mit nur einem Betriebssystem wollte Microsoft eine Brücke schlagen zwischen Desktop und Tablet. Wollte.

"Riesige Buttons, umständliche Wisch-Gesten und monströse Bildschirme" seien schlicht und ergreifend Schwachsinn, brachte es ein deutscher Blogger auf den Punkt.

Samsung Fold

Wenn Nerd-Träume brutal einklappen. Viel mehr gibt's dazu (momentan) nicht zu sagen, außer: 1. Ich hatte es geahnt, nur wollte kaum jemand auf mich hören. 2. Die Südkoreaner haben bereits einen neuen Anlauf genommen.

To be continued ...

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Bisher kein Erfolg: Das Samsung Fold. Bild: dpa/maxppp

Google Plus ✝︎

2011 gestartet. Die Hipster-Alternative zum (damals noch belächelten) Marktführer Facebook. Die "Neue Züricher Zeitung" schrieb damals:

"Es ist noch völlig offen, ob sich Google+ eher als 'Social-Fun-Media', als 'Business-Netzwerk' oder als beides entpuppen wird, zumahl in der heutigen Gesellschaft die früher klareren Grenzen zwischen Spaß und Arbeit generell porös werden."

Dann verging nicht nur Google das Lachen.

Nach einer im Oktober 2018 publik gewordenen gravierenden Datenpanne wurde der "Facebook-Killer" ein halbes Jahr später gekillt. Am 2. April 2019 hieß es RIP Google Plus.

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Hand aufs Herz: Hat das irgendwer genutzt? Bild: picture alliance/xim.gs

Nintendo Wii U

Sie kam 2012, und ging 2017. Dazwischen herrschte viel Verwirrung und Ärger rund um die Spielkonsole, die Sonys Playstion und der Xbox Konkurrenz machen sollte. Es war das am schlechtesten verkaufte Produkt der Japaner, die ein Jahr später zum Glück mit der "Switch" nachlegten.

Galaxy Note 7

2016. 🔥🔥🔥

Google Glass

2012 mit viel Tamtam präsentiert. Zum saftigen Preis kamen Datenschutzbedenken, technische Fehler, geringe Akkulaufzeit, Verbote und Googles Unfähigkeit, dem Hype gerecht zu werden. Nach zwei Jahren enttäuschender Verkäufe war klar, dass die Konsumenten die 1500-Dollar-Brille nicht wollten. 2015 wurde die Entwicklung eingestellt.

"Don't Be A Glasshole!"

quelle: youtube/mashable

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Das Ding war so vielversprechend... Bild: AP/Paul Sakuma

Apples Macbook-Tastatur

Wir alle machen Fehler. Und ja, es kommt vor, dass wir Fehler wiederholen. Aber gleich x-mal?! Und wider besseren Wissens? Genau das hat Apple getan: Nachdem sich die ab 2015 verbaute Macbook-Tastatur als fehleranfällig erwies, hielt man am Butterfly-Mechanismus fest. Erst in diesem Herbst, also vier Jahre nach der Einführung, ließ die Konzernführung die Fehlkonstruktion ersetzen. Neu gibt's das Macbook Pro mit der neuen alten Scheren-Tastatur.

Adobe Flash

Vor zehn Jahren schrieb Steve Jobs einen offenen Brief an Adobe und erteilte dem Flash-Player eine Abfuhr. Die Web-Technologie, die es ermöglicht, Videos abzuspielen, sei nicht mehr zeitgemäß.

Mittlerweile lehnt nicht nur der Apple-Browser Safari Flash komplett ab, sondern auch der von Google, Chrome. Und die Google-Suche listet keine Flash-Inhalte mehr.

Im Juli 2017 hat Adobe angekündigt, dass der Support für den Flash-Player Ende 2020 eingestellt werde. Stattdessen setzt man auf offene und sichere Standards (HTML 5).

Es wird also ein ganzes Jahrzehnt gedauert haben, bis das für seine Sicherheitslücken berüchtigte Plug-in von der Bildfläche verschwunden sein wird. Schaden: unbezifferbar.

Windows Phone ✝︎

Über Jahre versuchte Microsoft, dem Duopol von Apple und Google etwas entgegenzusetzen. Es wurde sehr viel Geld und Entwicklungszeit ins eigene Betriebssystem Windows Phone gesteckt – ohne zählbaren Erfolg. Sogar der Exklusiv-Deal mit der Kultmarke Nokia und die anschließende Übernahme brachte nichts als Verluste ein und man kam nie über ein paar Prozent Marktanteil hinaus. 2016 zog Microsoft die Notbremse, 2017 wurde Windows Phone offiziell begraben.

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Eins muss man dem Betriebssystem lassen: Die Oberfläche war hübsch anzusehen. Bild: dpa/inga Kjer

Ein angeblicher Ex-Nokia-Mitarbeiter behauptete später, Nokia habe sich zu stark auf den Wettbewerb mit Apples Iphone konzentriert und Android aus den Augen verloren. Auch der Ruf von Windows 8 habe sich negativ ausgewirkt.

NSA 👀

Dank Edward Snowden wissen wir im Detail, wie der US-Geheimdienst Freund und Feind bespitzelt und welch ungeheures Ausmaß die digitale Massenüberwachung hat. Als hätte der amerikanische Big Brother nicht schon genug Schaden angerichtet, ließen sich die staatlichen Hacker auch noch brandgefährliche Werkzeuge, beziehungsweise Cyberwaffen, stehlen, wie zum Beispiel den Windows-Exploit Eternal Blue. Die Folge waren weltweite Malware-Attacken à la "Wanna Cry". Kriminelle infizierten hunderte Millionen PCs rund um den Globus und verursacht mit Lösegeldtrojanern Milliardenschäden.

Facebook

Angetreten, um Mark Zuckerberg unfassbar reich zu machen die Menschen online zu verbinden, ist Facebook innerhalb von einem Jahrzehnt zur tödlichen Gefahr für jede Demokratie herangewachsen. Und wir alle sind daran mitschuldig. Sei dies, weil wir trotz Alternativen weiter Whatsapp nutzen, sei dies, weil wir Instagram mit unseren Daten und unserer Aufmerksamkeit füttern und den amerikanischen Konzern dahinter mit unseren Werbegeldern, sei dies, weil wir nicht die richtigen Politiker wählen, um die Datenkraken zu stoppen.

Quellen

Bei der Bestimmung seiner persönlichen Tech-Flops hat sich der watson-Redakteur von folgenden Kollegen der schreibenden Zunft inspirieren lassen:

PS: Flop oder Flopp? Siehe duden.de.

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Meinung

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