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Mit dem Sega-Maskottchen Sonic begann der Durchbruch. zvg

Sorry, Nintendo, aber Sega war einfach viel cooler!

Ende der 80er- bis Mitte der 90er-Jahre kämpften vor allem Sega und Nintendo um die Gunst der Spielerinnen und Spieler. Sega gab sich dabei immer cooler und erwachsener. Doch das war nicht immer ein Vorteil.

Simon Dick / watson.ch

Eigentlich bin ich mit beiden Marken aufgewachsen. Sowohl Nintendo- als auch Sega-Konsolen standen bei mir schön aufgereiht im Jugendzimmer. Meine ersten unvergesslichen, intensiven Momente erlebte ich mit dem NES und dem ersten Game Boy. Doch als ich in den damaligen Versandkatalogen auch diese schicken schwarzen Spielkisten von einer Firma namens Sega entdeckte, wurde ich neugierig.

Mega Drive und Master System sahen in Schwarz einfach ganz edel und cool aus. Als ich mich dann via Game-Zeitschriften weiterbildete und immer mehr von den Spielen aus dem Hause Sega fasziniert wurde, war dann klar, dass ich auch diese Konsolen haben musste.

So gesellten sich denn auch nach und nach, sofern das Taschengeld vorhanden war und die Weihnachts- und Geburtstags-Kontingente aufgebraucht wurden, auch diese Konsolen zu mir. Sega übte eine ganz eigene Faszination auf mich aus. Ich liebte alle meine Konsolen, aber diese edlen schwarzen Game-Kisten mit ihren actionreichen Titeln hatten ihren besonderen Reiz und bewiesen mir schon damals, dass Videospiele nicht nur Kinderspielzeug war.

Der Durchbruch brauchte Geduld

Anders als Nintendo ist Sega ist keine Traditionsfirma aus Japan, sondern besitzt amerikanische Wurzeln. Drei Amerikaner gründeten 1940 in Honolulu die Firma Standard Games, die schließlich in Service Games, kurz Sega, umbenannt wurde und Anfang der 50er-Jahre nach Japan zog. Das Hauptgeschäftsfeld waren zunächst importierte Münzautomaten für die in Japan stationierten amerikanischen Soldaten. Langsam aber sicher kümmerte sich Sega hauptsächlich um Spielautomaten und erstellte Ende der 70er-Jahre die ersten Videospiele für die Spielhallen und die aufkommenden Heimsysteme.

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Der SG-1000 war Segas erste Heimkonsole.  pixabay.com/ff.

Der SG-1000 war 1983 Segas erste Videospielkonsole für die eigenen vier Wände, die auch einen etwas verbesserten Nachfolger erhielt. Auch auf den Heimcomputer-Markt wollte Sega noch im selben Jahr aufspringen und schickte den Sega Computer 3000 ins Rennen. Doch das alles wollte irgendwie noch nicht so richtig fruchten. Mit dem SG-1000 Mark III, der dann schließlich optisch verschönert und unter dem Namen Master System auch in den USA veröffentlicht wurde, ging es langsam aber sicher aufwärts.

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Der Master System sollte die USA erobern.

Der erste Master System, der später einen optischen Relaunch feierte und als Master System 2 auf den Markt kam, war im Jahr 1985 dem NES von Nintendo zwar technisch etwas überlegen, aber softwaremäßig gab es kaum Meisterwerke, die sich ins Langzeitgedächtnis brennen wollten. Die Nintendo-Dominanz in Japan war zu dieser Zeit kaum zu knacken. In Europa, vor allem in England, hatte der Master System aber eine große Fanbasis. Auch Brasilien war ein Land mit sehr vielen Sega-Fans. Noch heute wird dort das Master System von der Lizenz-Firma TecToy hergestellt und erfolgreich verkauft. Klingt komisch, ist aber so.

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Der Mega Drive katapultierte Sega ins 16-Bit-Zeitalter.

Den großen Durchbruch feierte die Firma schließlich 1988 mit dem Mega Drive, der ersten 16-Bit-Konsole aus dem Hause Sega, die der Konkurrenz technisch weit voraus war. Die neue Technik zauberte Dank vergrößerter Farbpalette und zeitgemäßem Soundchip Spielwelten auf die Bildschirme, die man damals für noch nicht möglich gehalten hätte. Und mit der Möglichkeit einen Kopfhörer an die Konsole anzuschließen, kam man in den Genuss die Musik in schicker Stereo-Qualität zu genießen. Eine für damalige Verhältnisse unglaublich coole Möglichkeit für ein neuartiges Hörerlebnis. Zum ganz großen Angriff gegen Nintendo fehlte eigentlich jetzt nur noch ein cooles Maskottchen.

Ein Igel bläst zum Angriff

Sonic als neu gefundenes Firmenmaskottchen schlug ein wie eine Bombe. Das Spiel «Sonic the Hedgehog» für den Mega Drive überzeugte 1991 mit einem schnellen Gameplay und tollen Elektroklängen, die so anders waren, als das süße Gedudel bei den Mario-Spielen.

Auch die Optik hatte einen frischen Look und kam sehr modern daher. Auch wenn in diesem Jump’n’Run wie bei der Konkurrenz ebenso bunte, comicartige Welten präsentiert wurden, es besaß alles einen damals angesagten Future-Look, der nicht kindlich wirkte. Mit seinen roten Schuhen und der hippen Igelfrisur machte Sega der Konkurrenz auf subtile Art und Weise klar, dass man viel erwachsener und zeitgemäßer war, als der Traditionshersteller aus Japan.

Sonic war so cool, dass es sogar eine CD-Kompilation gab, wo der schnelle Igel sein Konterfrei zur Verfügung stellen durfte. Auf der Musik-CD bekam der Igel nicht nur einen eigenen Track spendiert, sondern durfte dort auch als Aushängeschild für knackige Technobeats fungieren. Die Message war sonnenklar: Sonic ist cool, Sega ist cool und kein Kinderkram.

Auch in der Fernsehwerbung oder in den Anzeigen in Spielemagazinen gab sich Sega erwachsen. Oder versuchte es zumindest. Aus heutiger Sicht sieht das alles etwas infantil aus, aber damals war auch diese Message klar: Wenn Du cool sein willst, dann kauf Dir Sega-Produkte. Mit dem Werbeslogan «The Better One Wins» ging Sega in die Offensive und setzte ein klares Zeichen. Sonic wurde nun vermehrt als Aushängeschild in Werbekampagnen eingesetzt und wurde als Sega-Maskottchen weltweit gefeiert.

Ein Kind sorgt für Verwirrung

Erstaunlicherweise erschien nach dem ersten Sonic-Hit mit «Kid Chameleon» 1992 ein weiteres hervorragendes Jump’n‘Run aus dem Hause Sega, das mit seinem Spielcover nicht cooler hätte sein können und gleichzeitig die Sega-Fans etwas verwirrte. Der kleine Junge in der Lederjacke und mit schwarzer Sonnenbrille hätte ebenfalls das Zeug für ein Maskottchen gehabt. Warum gerade kurz nach dem Igel-Hit eine weitere Jump’n’Run-Marke auf die Kundinnen und Kunden losgelassen wurde, bleibt ein Rätsel.

Es gibt Behauptungen, dass sich Sega mit Sonic noch ziemlich unsicher war, ob der blaue Igel auch wirklich als Maskottchen bei der Masse funktionieren würde. Daher wurde parallel ein Spiel entwickelt, das einen ebenfalls coolen Helden im Fokus besaß und bei einem Flop das Ruder übernehmen sollte. Wie dem auch sei, das erste «Sonic the Hedgehog» war ein Volltreffer und blieb an vorderster Front.

Es wurde blutig

Aber nicht nur Sonic alleine schuf ein neues Image für Sega. Auch andere Spiele machten klar, dass vor allem der Mega Drive eine Konsole für Erwachsene war. Im Vergleich zur Konkurrenz gab es ganz viele Sportversoftungen von EA für die schwarze Kiste, die damit eine ältere Käuferschicht ansprach. Auf dem Mega Drive gab es zwar auch viele kunterbunte Jump’n’Runs, aber in Sachen Action-Games hatte Sega lange Zeit die Nase vorn.

Die Prügelspiele der «Streets of Rage»-Reihe, das famose «Revenge of Shinobi» oder das heiß diskutiere "Desert Strike" überzeugten mit actionreichen Inhalten, riefen aber auch die Eltern und Medienpädagogen auf den Plan. Als schließlich der sehr blutige Spielhallentitel "Mortal Kombat" exklusiv zuerst auf dem Mega Drive erschien, war das eines der stärksten Signale überhaupt, dass der Mega Drive kein Kinderspielzeug mehr war.

Erwachsene Verpackungen

Alleine die Verpackungen der Spiele waren sehr erwachsen. Sie wurden im Gegensatz zu den Spielen für die Nintendo-Konsolen nicht in unstabile Kartonverpackungen in den Handel gebracht, sondern in schicken Plastikhüllen präsentiert, die man ganz einfach öffnen und wieder verschließen konnte. Das fühlte sich damals viel hochwertiger an, machte auch im Regal etwas her und sah neben der VHS-Sammlung einfach viel schicker aus.

Und betrachtet man heute eine Retro-Sammlung hat sich dies auch langfristig ausbezahlt. Während die Nintendo-Verpackungen stark gelitten haben, sehen die Sega-Spiele noch alle ganz frisch aus. Warum Sega dann diese Verpackungsvariante bei den Game-Gear-Spielen nicht auch so umgesetzt hat, bleibt ein Rätsel. Wahrscheinlich war es schlicht eine Kostenfrage.

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Die Hüllen sahen damals schick aus und sind es auch heute noch.

Fernsehen mit einem Handheld

Der tragbare Game Gear war 1990 übrigens eine Revolution für uns 90er-Jahre Teenies und unterstrich die Coolness von Sega. Der Game-Boy-Konkurrent hatte einen farbigen Bildschirm, sah unglaublich gut aus und lag auch gut in den Händen. Damals war man von der Technik und vom Design sehr angetan und kaufte dieses schicke Stück Technik einfach blind. Da hat man auch ignoriert, dass das Gerät sechs Batterien schluckte und diese schon nach kurzer Spieldauer wieder leer waren.

Lifehack von damals: Mit dem TV-Netzteil des Mega Drives konnte man seinen Saft direkt per Steckdose holen. Und wenn man dazu auch noch den TV-Tuner kaufte, fühlte man sich richtig erwachsen. Mit der riesig langen Antenne konnte man dann mit viel Glück ein TV-Programm empfangen. Das rauschte und flackerte zwar regelmäßig, aber das Erlebnis war unbezahlbar.

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Der Game Gear war ein Batteriefresser.

Interaktive Filme

Der Mega-CD war Anfang der 90er-Jahre für viele von uns eine Offenbarung. Spiele auf einer CD in schicken Hüllen, ein Zusatzgerät, auf das man den Mega Drive aufsetzen konnte, der dann zu einer Hightech-Maschine wurde, das war ganz große Technik und hat uns Technikfans weggeblasen. Auch die Spiele konnten sich sehen lassen. Interaktive Filme machten uns damals klar, dass man hier die nächste Generation von Videospielen hautnah erleben durfte.

Natürlich sahen die ersten interaktiven Filme grobpixelig aus und die meisten waren simple Reaktionstests. Aber das alles war so cool, revolutionär und eben auch erwachsen, dass sogar die ganz harten Nintendo-Fans neidisch ins Sega-Lager schielten. Während Nintendo immer noch an Super Mario und seinen Marken festhielt, ging Sega einen großen Schritt in die Unterhaltungszukunft.

Technik über alles – und der Fall

Sega war in Sachen Technik schon immer eine nasenlänge voraus. Bereits für das Master System gab es eine 3D-Brille, die aber kaum sinnvolle Spiele anbot und in den Regalen verstaubte. Und während Nintendo mit dem NES zwar unzählige Spieleklassiker herstellte, war man bei Sega mit dem Mega Drive schon im 16-Bit-Zeitalter angekommen. Die CD wurde später als neues Speichermedium begrüßt, es gab immer neue Konsolen und neuere Versionen davon, was schließich auch zu einem kleinen Produktechaos führte.

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Der Nomad: Ein Mega Drive für unterwegs.

Verschiedene Hybriden, überarbeitete Versionen, Sega war sich nie zu schade einem System ein Facelifting zu verpassen und für Hardware-Zusatz zu sorgen. Der Sega 32X war 1994 ein Flopp und dennoch hielt Sega an seiner Strategie, immer neue Konsolen zu produzieren, fest. Kurz darauf wollte der Saturn den Markt erobern und mit dem Nomad, ein tragbarer Mega Drive, kam später auch noch eine Hybrid-Konsole mehr auf den Markt. Sega gab Vollgas und wollte immer einen Nasenlänge voraus sein. Als der Dreamcast dann schließlich auch noch floppte und gegen die Konkurrenz keine Chance mehr hatte, zog Sega der Hardware-Sparte schließlich den Stecker.

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Der Saturn hatte auf dem Markt keine große Chance.

Sega hat sich mittlerweile schon lange aus dem Hardware-Markt zurückgezogen. Der Konzern versucht seine Marken zwar immer noch am Leben zu halten, aber die fetten Jahre sind definitiv vorbei. Die Firma konzentriert sich nebst der üblichen Software auch weiterhin auf Automaten für die Spielhallen, macht diverse Mobile-Games und hat nebenbei viele Themenparks im Angebot, wo die gesamte Franchise gefeiert wird.

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Der Dreamcast war Segas letzte Spielkonsole. Rest in Peace.

Cool sein sichert keinen Erfolg

Fazit: Wie zu Beginn erwähnt, ich spielte auf allen Systemen und hatte beide Firmen ins Herz geschlossen. Aber Sega war einfach cooler und erwachsener als Nintendo. Die Firma gab sich auf jeden Fall so und unterstrich ihren Ruf mit den entsprechenden Spielen und intensiver Werbekampagne. Das bedeutet aber nicht, dass die Firma auch gleichzeitig besser oder erfolgreicher war als Big N. Beide Unternehmen hatten Rückschläge zu verbuchen und entschieden nicht immer richtig. Betrachtet man aber die Gegenwart ist der Gewinner eigentlich klar ersichtlich: Nintendo ist immer noch im Hardware-Geschäft tätig und das so erfolgreich wie schon lange nicht mehr. Ja, Sega war damals cooler und erwachsener. Das hat der Firma aber keineswegs die Konsolenzukunft gesichert.

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